Debatte um Qualität

Straßenmusik nicht immer als schön empfunden

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Straßenmusiker spielen in Frankfurt auf der Zeil. Die Meinungen über die Güte der Darbietung gehen auseinander.

Frankfurt - Straßenmusikanten müssen ihr Können vor ihren Auftritten nicht unter Beweis stellen. Ein Fehler, finden manche Stadtpolitiker in Frankfurt und stoßen damit auf Kritik. An Regeln müssen sich die Musiker allerdings halten. Und die sind in jeder Stadt ein bisschen anders. Von Ira Schaible

In München müssen Straßenmusiker eine Qualitätsprüfung bestehen, Heidelberg hat eigene Ecken für Straßenkünstler eingerichtet, und in Hamburg brauchen besonders laute Instrumente eine Genehmigung. Solche Regelungen könnten nach Ansicht der Stadtverordneten Christiane Schubring ein Vorbild für Frankfurt sein. Die CDU-Politikerin ist der Ansicht, dass viele Musikanten auf der Einkaufsstraße „Zeil“ einfach zu laut und zu dicht nebeneinander spielen. Darüber werde in den Fraktionen des schwarz-grünen Magistrats diskutiert. Nicht nur in Frankfurt, auch in anderen Städten Hessens können Straßenmusikanten ungeprüft spielen. Allerdings müssen sie sich dabei an einige Regeln halten. Und die sind in jeder Kommune etwas anders, wie eine Umfrage ergab.

In Frankfurt müssen die Musiker ihren Standort spätestens nach einer Stunde wechseln. „Und zwar so weit, dass der bisherige Einwirkungsbereich durch die Musikgeräusche verlassen wird“, heißt es in der amtlichen Festlegung. An dem gerade genutzten Platz darf eine Stunde lang auch keine andere Gruppe auftreten. Mehr als fünf Musiker pro Gruppe sind grundsätzlich nicht erlaubt. Laute Instrumente wie Trompeten, Posaunen und Trommeln dürfen nicht länger als zweimal 15 Minuten zu hören sein - mit mindestens 15 Minuten Pause dazwischen. Verstärkeranlagen sowie das Musizieren an Sonn- und Feiertagen sind in der City ganz verboten. Die Zahl der Musikgruppen sei im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, sagt Schubring. „Einige können ihre Instrumente gerade so halten, würden also keinerlei Qualitätsprüfung standhalten.“ Außerdem: Die Abstände zwischen den Spielorten seien oft so gering, dass mehrere Gruppen gleichzeitig zu hören seien.

Enis Gülegen, Vorsitzender der Kommunalen Ausländer Vertretung (KAV), sieht dies anders: Er lebe seit mehr als 35 Jahren in Frankfurt und das Thema komme jetzt erst auf, wo häufiger rumänische und bulgarische Gruppen auf der „Zeil“ musizierten. Er plädiert für Toleranz und dafür, auf die Selbstregulierung des Marktes zu setzen. „Schlechte Musik wird doch spätestens nach einer Woche eingestellt, weil man nichts verdient.“ Fraglich sei auch, wer die Qualität der Musiker beurteilen solle: „Die Beamten vom Ordnungsamt? Oder die Musikhochschule? Dann wüsste ich nicht, ob jemals jemand überhaupt dran käme.“

Standorte wechseln

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In Darmstadt und Wiesbaden dürfen Musiker von 8 bis 20 Uhr spielen und damit etwas kürzer als in Frankfurt, wo sie bereits um 7. Uhr loslegen und - je nach Jahreszeit - erst um 21 Uhr Schluss machen müssen. In den drei Großstädten ist anders als in Kassel und Gießen keine Mittagsruhe vorgesehen. Den Standort müssen Musiker in Darmstadt und Wiesbaden bereits nach einer halben Stunde wechseln. In Darmstadt müssen sie mindestens 200 Meter weiter ziehen, wie Stadtsprecherin Sibel Öz sagt. „Ihr neuer Standort muss außerhalb der Hörweite des ersten Standorts liegen“, lautet die Wiesbadener Regelung.

Eine halbe Stunde Spielzeit gilt auch in Gießen in den meisten Städten - von Kassel über Marburg bis Fulda - sind 45 Minuten Musizieren am Stück erlaubt. Fünf Solisten und Gruppen spielen in der Regel in der Darmstädter City, „bei denen es sich überwiegend um die gleichen Personen handelt“, sagt Öz.

In Offenbach sind elektronische Verstärker verboten, sonst gibt es keine Regeln. „Bis auf diese Verstärker sind Straßenmusikanten bislang noch kein Ärgernis“, begründet dies Stadtsprecher Matthias Müller. Ein bis zwei Gruppen spielten eigentlich immer in der Fußgängerzone, die meisten kämen aus Osteuropa.

In Wiesbaden brauchen Musikgruppen ab sechs Personen eine besondere Genehmigung der Straßenverkehrsbehörde. Musikanten, die „lautstarke Instrumente“ wie Trommeln, Trompeten und Dudelsackpfeifen nutzen, müssen mindestens fünf Meter Abstand zu allen Gebäuden halten, heißt es in den Richtlinien für die Straßenmusik. CDs oder T-Shirts dürfen nicht verkauft werden, Verstärker sind verboten.

Täglich höchstens drei Musikanten

Kassel lässt jeden Tag höchstens drei Musikanten oder Gruppen spielen. Diese brauchen eine kostenlose Erlaubnis des Ordnungsamtes. Etwa 50 melden sich im Jahr an, ein Drittel davon kommt aus Kassel, die anderen je zur Hälfte aus der Region und anderen Teilen Deutschlands sowie Europas, wie Stadtsprecher Sascha Stiebing berichtet. Alle müssen sich an eine Mittagspause von 13 bis 15 Uhr halten. Vor 10 Uhr und - je nach Jahreszeit - nach 20 oder 21 Uhr ist das Musizieren auch verboten. Die Musikanten sollen immer zur vollen Stunde starten, dürfen dann 45 Minuten spielen und müssen anschließend 15 Minuten Pause machen.

In Marburg treten rund zehn Straßenmusiker pro Woche auf, wie Stadtsprecher Ralf Laumer sagt. Die Universitätsstadt hat neun Standorte ausgewiesen, an denen sie auftreten dürfen. In Fulda dürfen Musikanten auch 45 Minuten am Stück spielen, dann müssen sie den Standort wechseln - „so, dass die Musik nicht gleich wieder an der nächsten Ecke zu hören ist“, sagt Stadtsprecher Michael Schwab.

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