Männer mit feuchten Augen

The Cure rocken zweieinhalb Stunden die Festhalle

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Robert Smith und „The Cure“ spielen in der Festhalle einen wahren Song-Marathon.

Frankfurt - Zweieinhalb Stunden Vollgas, 29 Songs und darunter jede Menge Hits: „The Cure“ beweisen in der Frankfurter Festhalle, dass eine Band auch nach 40 Jahren eine ganze Halle zum Ausrasten bringen kann – und das völlig ohne ein neues Album im Gepäck. Von Ronny Paul

Diese Ankündigung klang verdächtig nach Kommerz: „The Cure“ kommen auf Tour, aber ohne neues Album. Ist ja aktuell gefragt, den großen Namen wirken zu lassen, abzukassieren und gelangweilt alte Hits herunterzududeln. Doch als die Gitarren nach zweieinhalb Stunden Konzert in der ausverkauften Festhalle verstummen, steht Sänger und Gitarrist Robert Smith alleine auf der Bühne, verbeugt sich und badet minutenlang im begeisterten Applaus. Seine vier Mitstreiter sind längst hinter der Bühne verschwunden. Aber er, er genießt. Der Ikone merkt man die 57 Lenzen nur äußerlich an: Das Gesicht ist nicht mehr ganz so bleich geschminkt und die leicht ergrauten Haare nicht mehr so hoch toupiert wie in in den 80er und frühen 90er Jahren – der Blütezeit der Band. Aber das, was Smith und seine Kollegen vom ersten Ton von „Shake Dog Shake“ bis zum letzten Akkord von „Why Can’t I Be With You“ abliefern, ist bemerkenswert. Ein Auftritt zwischen rohem Punk („Burn“) und süßem Pop („Just Like Heaven“). Bloßes Herunterspielen klingt ganz anders.

Denn bis „Friday I’m In Love“ und „Close To Me“ unter großem Jubel erklingen, vergeht eine Weile. The Cure lassen die Zuschauer tief im Bandkatalog blättern, allein zwischen der Entstehung der ersten beiden dargebotenen Songs liegen 30 Jahre: Auf „Shake Dog Shake“ von 1984 folgt „Alt.End“ von 2004. Nach dem Prinzip verfährt die Band 15 Titel lang, um nach ausgedehntem Klangchaos bei „Give Me It“ von der Bühne zu gehen – vorerst. Darauf folgen drei ZugabeBlöcke, zwei mit je vier Songs und dann der Schlussspurt, bei dem The Cure endlich ihre großen Hits abfeiern – und dabei etwa „Love Cats“ oder „Hot Hot Hot“ aussparen. Bei einigen männlichen Zuhörern werden die Augen bei „Boys Don’t Cry“ sichtlich feucht. Kein Grund zur Scham, ist bestimmt eine Jugenderinnerung oder einfach nur musikalische Glückseligkeit.

Bilder: The Cure in der Frankfurter Festhalle

Der Fixpunkt jedes einzelnen Taktes ist Smith, dessen klagende und doch wohlklingende Stimme die Songs stets zusammenhält – auch wenn sie instrumental in Gitarrenfeedbacks auszuufern drohen. Er scheint ohne große Starallüren. Und das trotz seiner großen Bekanntheit. Schließlich ist er seit der Gründung im Jahr 1976 das einzige konstante Mitglied der Band. Er verzichtet auf lange Ansagen, lässt lieber Texte und Musik sprechen. Auch die Gitarren stimmt und tauscht er selbst, kein Rowdie springt auf der Bühne herum.

Das Publikum, überwiegend Mitvierziger und -fünziger, hängt ihm an den Lippen, singt jede Zeile von „Lullabye“ und „Just Like Heaven“ mit, wippt im Takt. Die Licht- und Bühnenshow untermauert die Vorstellung: Wild flackerndes Licht wechselt mit Videoprojektionen auf fünf großen Leinwänden und Einspielern ab. Der Auftritt von Altmeister Smith und seinen Mitstreitern wird den Zuschauern sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

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