Aktivisten demonstrieren gegen die Neuen Rechten

Turbulente Buchmesse: Rechte Schläger und Proteste

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Aufgeheizte Stimmung: Aktivisten demonstrierten auf der Buchmesse gegen Rechts und störten Lesungen von Verlagen der Neuen Rechten. Die Polizei schritt ein, es gab mehrere Verletzte. Die Buchmessenleitung hatte die Präsenz der rechtsgerichteten Verlage zuvor verteidigt.

Frankfurt - Der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke besucht die Buchmesse. Demonstranten stellen sich ihm und seinen Anhängern mit lautstarken Protesten entgegen. Von Thomas Maier

Wortgefechte, Rangeleien und ein ratlos wirkender Buchmessendirektor: Die Veranstaltung eines Verlags der Neuen Rechten ist in Frankfurt im Chaos untergegangen. Linksgerichtete Demonstranten stellten sich den Teilnehmern einer Buchpräsentation des Antaios-Verlags, unter ihnen auch AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, mit lautstarken Protesten entgegen. Polizisten hatten Mühe, beide Seiten voneinander zu trennen.

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Die Stände rechtsgerichteter Verlage waren schon vor der Eskalation am vorletzten Buchmessentag Ziel von Attacken politischer Gegner. In der Nacht zum Freitag war ein Gemeinschaftsstand der Zeitschrift „Tumult“ und des Verlags Manuscriptum von Unbekannten leer geräumt worden. Antaios und andere der Neuen Rechten nahestehende Verlage warfen dem Börsenverein vor, ihre Stände nicht genügend vor linken Aktivisten zu schützen.

Die Messeplanung hatte den Antaios-Verlag in Halle 3.1 nahe der antirassistischen Amadeu-Antonio-Stiftung platziert. Diese lehnte die Aufforderung zur Diskussion mit dem Antaios-Verlag ab: Sie wolle nicht Menschenrechte oder die offene Gesellschaft und ihre Errungenschaften zur Debatte stellen.

Am Stand der rechtsgerichteten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ in Halle 4.1 ging am Freitag der Zuhörer einer Lesung auf den Verleger des linken Trikont-Musikverlags zu und verletzte ihn mit der Faust an der Lippe. Trikont-Chef Achim Bergmann hatte zuvor im Vorbeigehen die Lesung mit einem Kommentar begleitet. Der Verleger ließ sich im Krankenhaus behandeln und erstattete Strafanzeige. Laut Medienberichten ist auch der Frankfurter Stadtverordnete Nico Wehnemann, der für die Partei „Die Partei“ im Parlament sitzt, während einer Protestaktion von einem Rechtsgesinnten körperlich angegriffen und verletzt worden.

Zur Eskalation der aufgeheizten Situation kam es am Samstag beim Antaios-Verlag, wo das Buch „Mit Linken leben“ vorgestellt werden sollte. Etwa 80 Demonstranten hielten dem Verlag auf einem Plakat entgegen: „Ihr könnt nicht schreiben, ihr könnt nur hetzen“. Mit Sprechchören wie „Nazis raus“ riefen sie gegen die Lesung an. Höckes Anhänger antworteten mit „Jeder hasst die Antifa“.

Polizisten gingen zwischen beide Seiten, drängten die Demonstranten ab. Buchmessendirektor Juergen Boos sprach mit Antaios-Verleger Götz Kubitschek. Boos hatte die Präsenz der rechtsgerichteten Verlage zuvor mit einem Plädoyer für Meinungsfreiheit verteidigt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Organisator der Messe, rief gleichzeitig zur „aktiven Auseinandersetzung“ auf.

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Die Demonstranten wurden auch aus der Gruppe der etwa 100 Zuhörer der Lesung bedrängt. Plakate wurden zerrissen. Es kam zu heftigen verbalen Beschimpfungen. Später wurde eine weitere Lesung von zwei Autoren der rechtsextremen Identitären Bewegung wegen lautstarker Proteste abgebrochen. Eine Fortsetzung war nicht möglich. Die Situation entspannte sich erst mit Schließung der Messe.

Inzwischen gibt es aus der Frankfurter Kulturszene Kritik zum Verhalten der Buchmessenleitung. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, forderte gestern eine deutlichere Haltung gegenüber Verlagen der Neuen Rechten. Bei einer spontanen Aktion gegen Rechts des Zentrums für politische Bildung und Beratung Hessen hatten sich Hunderte Messebesucher beteiligt, unter ihnen Prominente wie Buchpreisträger Robert Menasse, Schriftsteller Uwe Timm, der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Musiker Udo Lindenberg.

Doch nicht nur Demonstrationen und rechte Schläger sorgten auf der Buchmesse für Aufregung und Auseinandersetzungen, auch Schlager-Sänger Roberto Blanco sorgte für Schlagzeilen, weil er sich mit seiner Tochter Patricia öffentlich eine Auseinandersetzung lieferte. (dpa/beri)

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