Auf der Bremse

Kommentar: Verkehrskrise in Rhein-Main

Peter Schulte-Holtey

Pendler im Rhein-Main-Gebiet brauchen Geduld. Und viele haben das Gefühl: Es wird schlimmer! Von Peter Schulte-Holtey

Jeden Tag fahren 18.000 Berufstätige aus Offenbach nach Frankfurt, mehr als 36.000 aus dem Kreis Offenbach, 32.000 aus dem Main-Kinzig-Kreis und 11.000 aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg. Höchste Zeit für den Umbau, mahnt jetzt lautstark die Wirtschaft in Rhein-Main und beruft sich auf eine neue Studie der Industrie- und Handelskammern.

Tatsächlich gibt es immer noch einen Sanierungsstau in Hessen. Das Verkehrsministerium in Wiesbaden verweist jetzt zwar darauf, dass die meisten der von der IHK angemahnten Projekte bereits in der Planungs- oder Umsetzungsphase seien. Den klagenden Pendlern hilft das nicht weiter. Die Baumaßnahmen werden sich ja noch Jahre hinziehen.

Studie: In diesen Berufen müssen Sie weit pendeln

Viele Berufstätige nehmen für ihren Job weite Fahrstrecken in Kauf. Diese Berufsgruppen pendeln laut einer gemeinsamen Studie von DIW und FAZ am weitesten:

Platz 10: IT-Anwendungsberater (10,09 Kilometer) 

Platz 9: Führungskräfte in Einkauf und Vertrieb (41,56 Kilometer)

Platz 8: Bauplaner und-überwacher (41,77 Kilometer)

Platz 7: Redakteure und Lektoren (44,41 Kilometer)

Platz 6: Hochschullehrer und -forscher (44,9 Kilometer)

Platz 5: Technische Servicekräfte in Wartung und Instandhaltung (45,06 Kilometer)

Platz 4: Journalisten (45,42 Kilometer)

Platz 3: Hochbauer ohne Spezialisierung (46,15 Kilometer)

Platz 2: Leute in darstellender Kunst und Unterhaltung (60,86 Kilometer)

Platz 1: Soldaten (121,14 Kilometer)

Was besonders ernüchtert in dieser Verkehrskrise: Der Staat setzt dem Verschleiß auf Straßen und Schienen, der wegen steigender Verkehrsbelastungen auch ständig wächst, noch immer nicht genug entgegen. In Zeiten von sprudelnden Steuereinnahmen stehen die Regierenden auf der Bremse, investieren nicht ausreichend in die Infrastruktur. Selten ging es dem Staat so gut; jetzt ist die Zeit zum Klotzen. Was soll erst geschehen, wenn die Steuereinnahmen beim nächsten Konjunkturabschwung wieder sinken?

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