Junge Künstler der Region im Frankfurter Kunstverein

Viel Lärm und ein Hauch von Existenzialismus

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Jede halbe Stunde erwacht die Rohrkonstruktion zum Leben: Die Installation „Überdrehungsmobilität“ der HfG-Studentin Catharina Szonn macht viel Lärm.

Frankfurt - Erster großer Auftritt für acht junge Künstler in der Region: In der Ausstellung „And This Is Us“ im Frankfurter Kunstverein zeigt der Nachwuchs viel Freude am Analogen. Von Eugen El

Welche Urgewalt hat hier gewütet? Ein Parcours aus verbogenen Metallträgern, aus aufgerissenen und durchbrochenen Trockenbauwänden zeigt sich dem Betrachter. Hier und da sind Flächen in verschiedenen Farbtönen besprüht. Vom „Bild einer kontrollierten Zerstörung“ spricht Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins. Der Parcours ist für die Ausstellung „And This Is Us“ entstanden, die Arbeiten von acht Kunststudenten und -absolventen aus Offenbach und Frankfurt vereint.

„Ich verstehe mich selbst als Maler“, sagt Max Geisler. Der 1990 geborene Absolvent der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) hat den eigens für die Ausstellung aufgebauten Raum mit Hammer und Sprühdose bearbeitet. Diese Arbeitsweise könnte eine Fortsetzung der Malerei in die dritte Dimension sein. „Es ist für mich wichtig, dass man den Bildraum betreten kann“, sagt Geisler. Seine „Protect Your Neck“ betitelte Rauminstallation zeugt von Lust an Farbe und Material.

Erstaunlich sinnlich zeigt sich, bis auf wenige Ausnahmen, die gesamte Schau. Im Eingangsfoyer hat HfG-Studentin Catharina Szonn eine große Konstruktion aus allerlei Rohren aufgebaut. Eine wilde Materialcollage ist entstanden, die von Plastik bis hin zu rostigem Metall reicht. Einige Elemente sind mit Frischhaltefolie eingewickelt. Auf LED-Schriftbändern laufen kryptisch anmutende Textfragmente. Jede halbe Stunde erwacht die Rohrkonstruktion zum Leben. Lautstark werden dann Papierfetzen durch den Kreislauf gejagt. Ein Heugebläse diente Szonn als Ausgangspunkt für ihre Installation. „Es war mir wichtig, dass das Objekt eine gewisse Brutalität hat“, sagt die Künstlerin.

Einen zunächst leise erscheinenden Akzent setzt Jonas Brinker. Der 1989 geborene Städelschulabsolvent inszeniert in seinem Kurzfilm ein besonderes Tier. Ein domestizierter Wolf bewegt sich durch einen schlichten Studioraum. „Dieses Tier ist ein Profi“, betont Brinker. Der Wolf habe schon in mehreren Produktionen mitgewirkt. Im Film wirkt er hilflos und desinteressiert. Das Tier wurde trainiert, auf Befehle zu reagieren. Brinker setzt es einer offenen Versuchsanordnung aus. Irgendwann steigt der Wolf auf einen im Studio platzierten Stein und heult ausgiebig. Der eindrückliche Klang hallt durch den gesamten Kunstverein.

Ein starkes künstlerisches Zusammenspiel gelingt Viviana Abelson und Christian Leicher. Abelson, 1985 in Buenos Aires geboren, studierte an der Städelschule. In ihren freistehenden Plastiken kommen raue Materialien wie abgenutzte Lkw-Reifen zum Einsatz. Die Wandarbeit „Patch“ besteht aus einem Metallgitter und gehärtetem, schwarzem Paraffin. Franziska Nori sieht darin eine dreidimensionale Zeichnung. Monumental wirken die Leinwände des 1996 geborenen HfG-Studenten Christian Leicher. Seine monochrome Malerei lässt an abstrakte Kunstströmungen der Nachkriegszeit denken. Ein Hauch von Existenzialismus durchweht den Raum.

Infos

„And This Is Us: Junge Kunst aus Frankfurt“, bis 12. Mai im Frankfurter Kunstverein, geöffnet Di.-So. 11-19 Uhr, Do. 11-21 Uhr

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