Nach Rekordverspätungen droht Minister

Zahlt Ryanair hohen Preis?

+
Ryanair setzt die Entwicklung fort, die sich nach Umstellung auf den Sommerflugplan angedeutet hat: Nach einem Rückgang verspäteter Landungen schnellt deren Zahl wieder hoch. Ob System dahintersteckt, prüft das Regierungspräsidium Darmstadt.

Offenbach - Sie stören weiter die Nachtruhe rund um den Frankfurter Flughafen – und rufen immer mehr die Landesregierung auf den Plan: Noch nie landeten so viele Ryanair-Flugzeuge nach 23 Uhr auf dem Rhein-Main-Airport wie im April.

38 Maschinen kamen erst nach Eintritt des Nachtflugverbots zu Boden. Der Ärger bei vielen Anwohnern ist groß. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) macht im Interview mit unserem Redakteur Peter Schulte-Holtey deutlich, dass die Landesregierung den Druck auf die Fluggesellschaft erhöht und dass es für Ryanair „ganz schön teuer“ werden kann.

Herr Al-Wazir! Die Verspätungssituation von Ryanair hat sich wieder deutlich verschlechtert. Seit Monaten die gleiche Situation: Bekommt das Ministerium das Problem nicht in den Griff?

Ryanair bekommt die Situation bislang offenkundig nicht in den Griff. Wir haben deshalb unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass es so nicht weitergehen kann. Wer in Frankfurt starten und landen will, hat sich an die bestehenden Nachtflugbeschränkungen zu halten. Das muss und wird auch Ryanair lernen. Wir lassen seit Wochen für jeden verspäteten Ryanairflug aus London-Stansted und Barcelona, der erst nach 23 Uhr in Frankfurt landet, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten. In der Summe könnte das auch für eine Fluggesellschaft wie Ryanair ganz schön teuer werden.

Viele Menschen in der Rhein-Main-Region haben den Eindruck, dass eine einzige Airline Sondergenehmigungen mehr oder weniger hemmungslos ausnutzt. Ihr Ministerium verweist immer wieder auf Geldbußen bis zu 50.000 Euro. Beim Regierungspräsidium in Darmstadt wird aber darauf hingewiesen, dass es ein sehr mühsamer Weg ist bis zur Vollstreckung. Verpuffen also nicht doch alle möglichen Strafen für Ryanair?

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir: „Keiner ist am späten Abend so unpünktlich wie Ryanair.“

Zuständig für die Ordnungswidrigkeitsverfahren ist das Regierungspräsidium in Darmstadt. Dort wird geprüft, ob sich die regelmäßigen Verspätungen von Ryanair bereits aus der Gestaltung der Flugpläne ergeben. Dann, aber auch nur dann, wären die verspäteten Landungen rechtlich angreifbar. Aus unserer Sicht spricht allerdings vieles dafür, dass bei den beiden besonders häufig verspäteten Flügen aus Barcelona und London die Flugpläne so eng getaktet sind, dass schon kleinste Unregelmäßigkeiten – von Passagieren mit viel Handgepäck bis zu kleineren Verzögerungen bei der Bodenabfertigung – zu Landungen nach 23 Uhr führen. Das lassen wir konsequent überprüfen. Gut möglich, dass darüber am Ende Gerichte entscheiden müssen. Wir gehen diesen Weg im Interesse der Anwohnerinnen und Anwohner aber konsequent weiter – und zwar so lange, bis sich die Situation dauerhaft verbessert hat.

Die Verantwortlichen bei Ryanair geben den Schwarzen Peter weiter an die Flugverkehrskontrolle; in Großbritannien und Deutschland würden die Verspätungen verursacht, heißt es. Was sagen Sie zu den Argumenten des Managements der Fluggesellschaft?

Das kann Ryanair ja im Anhörungsverfahren zu Protokoll geben. Das Regierungspräsidium wird dann überprüfen, wie belastbar die Aussagen sind. Ich stelle allerdings fest: Auch alle andere Airlines bekommen ihre Slots in Deutschland von der Deutschen Flugsicherung zugewiesen. Aber keiner ist am späten Abend so unpünktlich wie Ryanair.

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Welche Konsequenz sollte das haben?

Da hilft aus meiner Sicht nur eins: Die Flüge sollten zeitlich vorverlegt werden, um mehr Puffer zur 23-Uhr-Grenze zu bekommen. Parallel zu den Ordnungswidrigkeitsverfahren haben wir daher Ryanair aufgefordert, weitergehende Änderungen am Flugplan vorzunehmen, als sie dies bislang getan haben.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare