Autonom fahrender Bus „CUbE“

Zukunft des Nahverkehrs

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Vier Haltestellen steuert der fahrerlose CUbE während des Testbetriebs auf dem Gelände der Hochschule an.

Frankfurt - Sanft fährt der Minibus an. Eben noch war die gelbe Seite vorn und die türkise das Heck, jetzt rollt das Gefährt ohne Wenden in die andere Richtung. Von Sandra Trauner 

Ohne Fahrer! Auf dem Gelände der Frankfurter University of Applied Sciences wird erstmals im Stadtgebiet ein autonomer Bus getestet.
Tobias (19) und Markus (20), zwei Informatik-Studenten, gehören zu den ersten Fahrgästen. „Anfangs ist es ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass es keinen Fahrer gibt“, sagt Markus, „aber im Fahren habe ich mich sicher gefühlt.“ Tobias fand die fahrerlose Fahrt sogar „angenehmer als mit dem Busfahrer heute Morgen“. Der habe ständig abrupt gebremst und stark beschleunigt. Zwölf Personen haben Platz in CUbE. Zwei gegenüberliegende Reihen bieten je drei Sitzplätze, dazwischen können weitere sechs Personen stehen. Die Abkürzung CUbE steht für Continental Urban Mobility Experience. Das Unternehmen ist ein Projektpartner, von ihm stammt die Technik im Fahrzeug des französischen Herstellers EasyMile.

Die Frankfurter Teststrecke ist gerade mal 600 Meter lang und hat vier Stopps. Autos, Straßenbahnen, Busse oder Lastwagen fahren nicht auf dem Campus, aber Radfahrer und Fußgänger gibt es zuhauf. Der Minibus ist mit Technik vollgepackt: „Sensoren, Kameras, Radar und Laser“, erklärt Continental-Projektleiter Andree Hohm. So findet der Bus seinen Weg und erkennt Hindernisse. Für Lenken und Bremsen sind Computersysteme verantwortlich. Noch bis morgen fährt der Bus mit 20 Stundenkilometern auf dem Campus neben dem Alleenring.

Jeder kann einsteigen und mitfahren, der Test ist nicht auf Studenten beschränkt. Immer dabei: Alexandre Zavisic, ein Mitarbeiter des Fahrzeugherstellers, der die Technik überwacht und im Notfall eingreifen könnte. Nach der Fahrt werden die Passagiere gebeten, mit dem Smartphone einen QR-Code zu scannen und ein paar Fragen zu beantworten: „Wie sicher haben Sie sich gefühlt?“ oder „Würden Sie selbstfahrende Busse auch im öffentlichen Straßenverkehr nutzen?“

Bei dem Test geht es vor allem darum, Erfahrungen mit der neuen Technologie zu sammeln. Verschiedene Firmen versuchen sich derzeit auf dem Zukunftsmarkt zu positionieren. Der erste autonom fahrende Bus verkehrt seit Oktober 2017 im niederbayerischen Bad Birnbach, Betreiber ist eine Bahn-Tochter. Bei einem Test vor wenigen Monaten auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens war die R&V-Versicherung federführend. EasyMile zählt weltweit 170 Tests mit fahrerlosen Fahrzeugen auf.

Autonome Taxen ändern den Stadtverkehr

Ideal eignen sich autonome Fahrzeuge überall dort, wo ein großer Bus nicht die beste Lösung ist, sagt Petra Schäfer. Sie leitet die Fachgruppe Neue Mobilität der Hochschule. „Auf dem Land wird der Bus nicht voll und in der Stadt hat er keinen Platz, weil der Verkehr zu dicht ist.“

„Fahrerlose Mobilitätssysteme werden künftig Teil des öffentlichen Personennahverkehrs sein“, erklärt die Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF). „Die Technik hat das Potenzial, unsere Mobilität nicht nur zu ergänzen, sondern zu revolutionieren“, sagt VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Konkrete Pläne, autonome Kleinbusse in Frankfurt einzuführen, gibt es derzeit aber nicht. (dpa)

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