„Schlimmste Befürchtungen übertroffen“

Corona-Drama im Amateur-Fußball – DFB will an Spielbetrieb festhalten

Alte Sitzschalen auf einem verlassenen Bolzplatz
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Der Amateur-Fußball steckt in der Corona-Krise

Der Corona-Ausbruch nach einem Fußballspiel in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) bringt Vereine an ihre Belastungsgrenze. Eine drastische Forderung wird laut, der DFB antwortet mit einem Statement.

  • Rund um Gelnhausen ist nach einem Fußballspiel Corona ausgebrochen.
  • Main-Kinzig-Kreis: Rund 400 Menschen aus Fußball-Cluster stehen unter Quarantäne.
  • Jetzt wendet sich der Fußball-Verein in einem offenen Brief an den Hessischen Fußball-Verband, der DFB antwortet.

Update vom Dienstag, 22.09.2020, 16 Uhr: Im Anschluss an ein Amateur-Fußballspiel in Gelnhausen mussten zuletzt 400 Menschen in Quarantäne. Der besonders schwer betroffene VfR Meerholz aus Gelnhausen hatte darauf per offenem Brief einen Hilferuf in Richtung des Hessischen Fußballverbandes abgesetzt. Der Verein regte an, über eine Aussetzung des Spielbetriebes nachzudenken.

Der DFB reagiert in einem Statement und schließt eine Aussetzung des Spielbetriebs vorerst aus

Inzwischen hat der DFB auf die Forderung, den Spielbetrieb zu pausieren reagiert. In einem Statement des DFB-Themenmanagers für die 3. Liga und den Amateurfußball, Jochen Breideband, heißt es: „Die Forderung, den Spielbetrieb komplett niederzulegen, basiert auf der Behauptung, dass eine Fortsetzung unter anderem gesundheitlich nicht verantwortbar sei. Hinsichtlich des Infektionsrisikos beim Fußballspielen ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen dem Bewegungsspiel im Freien und allen anderen Situationen rund um den Vereinsfußball. Uns liegen bisher keine bestätigten Berichte über Infektionen beim Fußballspielen im Freien vor.“

Damit macht der DFB klar, dass er zumindest vorerst nicht an eine Einstellung des Spielbetriebes denkt. Kritisch seien, so Breideband, „allenfalls Situationen, in denen das Spiel unterbrochen ist und kein Mindestabstand vorherrscht, zum Beispiel bei Torjubel oder Eckbällen.“ Doch durch diesen Situationen seien bisher keine Infektionen bekannt.

Bereits vor Monaten sei seitens des DFB darüber hinaus eine Untersuchung bei der Universität des Saarlandes zum Infektionsverhalten während eines Spiels oder im Training in Auftrag gegeben worden, ergänzt Breideband. Die Untersuchungsergebnisse seien in der finalen Prüfung und sollen in Kürze veröffentlicht werden. Sein Fazit: „Nach aktuellen Erkenntnissen werden sie die oben angeführten Angaben klar bestätigen.“

Gelnhausen: Corona-Ausbruch im Amateur-Fußball - 400 Personen in Quarantäne

Erstmeldung vom Freitag, 18.09.2020, 12.12 Uhr: Gelnhausen – Rund um den Amateur-Fußball im Main-Kinzig-Kreis ist das Coronavirus ausgebrochen. Besonders schwer getroffen hat es die Fußballer des VfR Meerholz aus Gelnhausen. Der Verein meldete zuletzt, dass sechs Spieler positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Insgesamt gibt es rund um Gelnhausen 14 Corona-Fälle, die wohl mit dem Fußball-Cluster zusammenhängen. 400 Kontaktpersonen befinden sich deswegen in häuslicher Quarantäne. Der Verein wendet sich nun mit einem offenen Brief an den Verband, denn er fühlt sich mit der Situation überfordert.

Corona-Hotspot beim Amateur-Fußball: Fußballverein VfR 09 Meerholz schreibt offenen Brief

Wie sollen sich die Amateur-Fußballer nach ihrer Quarantänezeit verhalten? Das fragt der VfR 09 Meerholz. In einem offenen Brief appelliert der Fußballverein jetzt an den Hessischen Fußball-Verband HFV. Denn der Corona-Ausbruch habe sich trotz der Einhaltung eines Hygienekonzepts nicht verhindern lassen und ziehe einen langen „Rattenschwanz“ hinter sich her.

Den Betroffenen gehe es weitestgehend gut, sie seien auf dem Weg der Besserung, schreibt der Verein in dem Brief sowie auf seiner Facebookseite. Trotzdem ließen sich Folgen der Erkrankung nicht ausschließen. Auch das familiäre und berufliche Umfeld eines jeden Spielers sei davon betroffen, wenn es einen positiver Corona-Fall gebe: Angehörige könnten wegen der Quarantäne Probleme mit dem Arbeitgeber bekommen, Operationen von Familienmitgliedern müssen nun gegebenenfalls verschoben werden, viele der ehrenamtlichen Helfer gehörten zudem zur Risikogruppe.

Hotspot-Amateur-Fußball: Verein mit Corona-Ausbruch überfordert

Momentan finde sich der Verein in einer Situation wieder, in der sich die Beteiligten „überfordert“ fühlten: Denn sie würden mit der Austragung von Spielen beauftragt, die zu einer gesundheitlichen Gefährdung aller Beteiligten führen könnten, schreibt der Vereinsvorstand in dem offenen Brief. Daher fordern sie den Hessischen Fußball-Verband HFV dazu auf, die Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs zu überdenken. Mit dem Aussetzen einer Saison würden die Vereine und Helfer aus dieser „Drucksituation“ und dem „Entscheidungsdilemma“, in der sie sich befinden, erlöst werden.

Corona-Hotspot Amateur-Fußball: Gesundheit der Spieler und aller Beteiligten an erster Stelle

In einer gesonderten Krisensitzung haben die Vereinsmitglieder nach den Corona-Ausbruch das Hygienekonzept geprüft, das sie, wie sie sagen, immer nach bestem Wissen und Gewissen eingehalten hätten. Man habe das Konzept vorbildlich eingehalten und es gibt laut Verein keinen Anlass, das eigene Verhalten in Frage zu stellen.

Bei den Spielen vor zwei Wochen (6. September 2020), nach denen die Infektionen bekannt wurden, hätte keiner der Spieler Symptome gehabt. Trotzdem sei es da zu einer Verbreitung des Coronavirus gekommen.

Durch den Corona-Ausbruch in der Mannschaft wurden die „schlimmsten Befürchtungen sogar noch übertroffen“, schreibt der Vereinsvorstand. Bei allen weiteren folgenden Entscheidungen stehe die Gesundheit unserer Spieler und der ehrenamtlichen Mitarbeiter an erster Stelle. Fußball sei zudem eine „der schönsten Nebensachen der Welt“, aber eben auch genau das: Eine Nebensache. Derzeit und unter diesen Bedingungen sei es nicht möglich, Fußball als eine „schöne Nebensache“ zu genießen.

Main-Kinzig Kreis: Insgesamt 1000 Menschen in Quarantäne

Am Freitag (18. September 2020) lagen dem Gesundheitsamt nach eigenen Angaben aber noch nicht alle Ergebnisse der Corona-Tests aus dem Amateur-Fußball und seinem weiteren Kontaktfeld vor. Jedoch müssen die isolierten Personen auch bei einem negativen Corona-Test vorsichtshalber die vollen 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbringen.

Das Gesundheitsamt geht aber davon aus, dass es während des Fußballspiels vor zwei Wochen am 6. September wahrscheinlich nicht zu Ansteckungen beziehungsweise Weiterverbreitung des Coronavirus gekommen ist. Nach den Recherchen der Mitarbeiter im Gesundheitsamt könnte es neben Ansteckungen untereinander im Mannschaftskreis auch im familiären Umfeld der Spieler, auf privaten Feiern und durch Fahrgemeinschaften mit Schulkameraden zu einer Weiterverbreitung gekommen sein.

Im gesamten Kreis befinden sich mehr als 1000 Personen in häuslicher Quarantäne, 500 davon kommen aus den Bereichen Schule und andere Betreuungseinrichtungen, wie das Gesundheitsamt mitteilt.

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