Heimatforscher Göbel erinnert an die vom OWK initiierte Freizeitanlage

Birkenruhe vor 50 Jahren eröffnet

Aus dem Jahr 1981 stammt diese Aufnahme von einem Waldfest an der Birkenruhe.
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Aus dem Jahr 1981 stammt diese Aufnahme von einem Waldfest an der Birkenruhe.

Groß-Zimmern – Die Namensgebung einer der schönsten und bekanntesten Naherholungsziele Groß-Zimmerns erfolgte am Sonntag, 6. Juni 1971, bei ihrer feierlichen Eröffnung: „Birkenruhe“ nannte der Odenwaldklub Groß-Zimmern die von ihm geschaffene Freizeitanlage im Gemeindewald. Heimatforscher Dr. Manfred Göbel erinnert an ihre facettenreiche Geschichte.

Dort, auf der von Birken gesäumten Waldwiese in der Gemarkung „Fischwasser“, hatten die Wanderfreunde in 3 200 Arbeitsstunden eine aus Holzstämmen gefügte und der umgebenden Landschaft angepasste, offene Schutzhütte errichtet. Rasch wurde sie zu einem beliebten Ausflugsziel für Familienausflüge und Waldspaziergänger, zu einem gerne besuchten Rastplatz für Wanderer und zum Veranstaltungsort zahlreicher Kindergeburtstage und anderer Familien- und Vereinsfeiern. Das an Christi Himmelfahrt gefeierten Waldfest des Odenwaldklubs wurde zu einer festen Größe im örtlichen Veranstaltungskalender. In den 1970ern fanden auch mehrmals Pop-Festivals an der Birkenruhe statt, die der Ortsjugendring Groß-Zimmern veranstaltete. 1974 spielten hier elf Musikgruppen vor rund 700 Besuchern. An der Birkenruhe wurde dazu eigens eine kleine Zeltstadt errichtet. Initiator der Birkenruhe war der damalige Vorsitzende des Odenwaldklubs, Karl-Horst Kapp. Seine Idee, anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Klubs Groß-Zimmern eine Freizeitanlage am Waldrand zu eröffnen, stieß bei Gemeindevorstand und Forstbehörde auf Zustimmung. Der OWK konnte im Laufe des Jahres 1970 das Gelände pachten und mit der Herrichtung des Platzes und dem Bau der Hütte beginnen.

Die Einweihung an dem Wochenende nach Pfingsten war in mehrerer Hinsicht ein besonderes Ereignis. Am Samstagabend feierte der Odenwaldklub sein 40-jähriges Bestehen in Anwesenheit zahlreich erschienener Ehrengäste, darunter der frisch gewählte Vorsitzende des Gesamt-Odenwaldklubs, Josef Braun aus Dieburg, und die Weinkönigin aus Wachenheim, wo 1970 der Odenwälder Wandertag stattfand. Der Sonntag wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet, der vom evangelischen Posaunenchor und vom katholischen Bläserchor musikalisch umrahmt wurde. Es war der erste ökumenische Gottesdienst, der in Groß-Zimmern gefeiert wurde. Viele Waldgottesdienste sollten folgen. Nachmittags war die Birkenruhe erstmals Ziel einer Sternwanderung von OWK-Ortsgruppen. Auch hier sollten zahlreiche Wanderungen folgen. Im Laufe der Jahre wurde die Birkenruhe weiter ausgebaut. Holzbänke und -tische wurden aufgestellt und die Freizeitanlage durch mehrere Spielgeräte bereichert. 1974 wurde eine weitere, kleine Hütte als Geräteschuppen errichtet und 1986 der Karl-Horst-Kapp-Brunnen in Betrieb genommen, mit dem an den Gründer der Birkenruhe erinnert wurde.

Über 40 Jahre betreute der Odenwaldklub die Birkenruhe, pflegte die Anlage und sorgte für den Ausschank von Getränken und kleinen Speisen. Dies erwies sich jedoch als immer schwieriger. Verändertes Freizeitverhalten führt dazu, dass die Zahl der Besucher, die nach einem Waldsparziergang an der Birkenruhe einkehrten, zurückging. Und die sich verändernde Altersstruktur im OWK machte es immer schwieriger, Helfer für die anstehenden Pflege- und Renovierungsarbeiten zu finden. Im Mai 2017 beschloss daher der Vereinsvorstand, den mit der Gemeinde geschlossenen Pachtvertrag zu kündigen und somit die Verantwortung für die Birkenruhe aufzugeben. Daraufhin schloss die Gemeinde das Freizeitgelände, beseitigte die als Geräteschuppen errichtete kleine Hütte, den Brunnen und die Spielgeräte. Lediglich die am 6. Juni 1971 eingeweihte Schutzhütte ist erhalten geblieben.  (tm)

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