Große Nachfrage aber instabile Netz-Verbindung

Digitaler Impfausweis in allen Apotheken in Groß-Zimmern erhältlich

Eine Mitarbeiterin der Sonnen-Apotheke in Groß-Zimmern versuchte gestern Mittag, Kundendaten ins Digitale Impfzertifikat des Deutschen Apotheker Verbandes einzugeben – ohne Erfolg. Dienstagabends bis Mitternacht und Mittwochfrüh zwischen 5 und 9 Uhr saßen sie und Kollegen an der Nachbearbeitung des Dienstags.
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Eine Mitarbeiterin der Sonnen-Apotheke in Groß-Zimmern versuchte gestern Mittag, Kundendaten ins Digitale Impfzertifikat des Deutschen Apotheker Verbandes einzugeben – ohne Erfolg. Dienstagabends bis Mitternacht und Mittwochfrüh zwischen 5 und 9 Uhr saßen sie und Kollegen an der Nachbearbeitung des Dienstags.

Seit Montag gibt es in vielen Apotheken den digitalen Impfausweis. Auch in Groß-Zimmern beteiligen sich alle drei niedergelassenen Pharmazeuten an dieser kostenfreien Serviceleistung. Das Ziel: Vollständig gegen SARS-CoV-2 Geimpfte können so ihren Impfstatus ohne Gelben Impfpass nachweisen, zum Beispiel in Restaurants, bei Veranstaltungen oder auf Reisen innerhalb Europas. Die Nachfrage ist groß.

Groß-Zimmern – „Wir haben über 200 digitale Impfpässe gleich am Montag ausgestellt und kamen kaum zu etwas anderem“, bestätigt Gerald von Schumann, Chef der Sonnen-Apotheke. Am Dienstag hätten es noch mehr sein können, wenn nicht das System für die Zertifikat-Erzeugung so sehr geruckelt hätte, dass es bis nachmittags erst acht Stück waren. Drei seiner Angestellten setzten sich bis weit nach Dienstschluss hin und bearbeiteten die Aufträge nach.

Eigentlich sollte der Weg vom Kundenwunsch zum digitalen Impfpass folgendermaßen ablaufen: Auf dem Verbändeportal der deutschen Apothekerschaft tragen die Apotheker notwendige Daten wie Namen, Geburtsdatum und Infos zu Impfzeitpunkten und Impfstoffen ein – Voraussetzung: mitgebrachter Gelber Impfausweis oder Impfbescheinigung sowie gültiger Personalausweis. Daraus generiert dann das Robert-Koch-Institut (RKI) automatisch einen QR-Code, den die Apotheker ihren Kunden ausdrucken. Diese können mit Hilfe ihres Smartphones und der vom RKI bereitgestellten App „CovPass“ oder der aktualisierten Corona-Warn-App den Code abscannen – fertig. Die Daten werden dabei nicht in der Apotheke hinterlegt. Verliert ein Kunde den Zettel mit dem QR-Code, ohne ihn eingescannt zu haben, muss er noch mal hin, zur Wiederholung der Prozedur.

Klingt einfach – wenn das System nicht zu schwach wäre, um zig Apotheken gleichzeitig den Zugriff zu ermöglichen, und die Verbindung weniger häufig zusammenbrechen würde. Apotheker von Schumann hat sich sogar in der Nacht zum Montag hingesetzt und seiner Webseite den Button „Zum digitalen Impfpass“ zugefügt. Nach einem Klick darauf können seine Kunden von Zuhause aus ihre Daten hinterlegen und gleich einen freien Termin auswählen, an dem sie ihr QR-Code-Zertifikat im separaten Testzentrumsraum der Sonnen-Apotheke abholen kommen.

Oder sie statten der Apotheke einen Besuch ohne vorherige Anmeldung ab, wie in den übrigen Groß-Zimmerner Apotheken. Zum Beispiel in der Alten Apotheke. Dort machten die Angestellten aus der Not eine Tugend und kopierten Impfpässe und Personalausweise ihrer Kunden, damit diese nicht vor Ort auf das ersehnte QR-Zertifikat warten mussten, erzählt Apothekerin Christiane Schwind, die Urlaubsvertretung von Chefin Daniela von Nida. Die Kopien wurden anschließend aus datenschutzrechtlichen Gründen entsorgt.

„Als wir am Montag um 8.30 Uhr geöffnet haben, standen schon 20 Leute vor der Tür“, erzählt Schwind. In der ersten Stunde habe sie sich um nichts anderes als um Impfausweise und das Anfertigen von Kopien gekümmert. So mancher eilige Kunde, der bereits im Vorfeld Kopien seiner Unterlagen bei ihnen hatte anfertigen lassen, konnte sein Zertifikat gleich mitnehmen. Und die, die mit Vertröstung auf den späten Nachmittag weggeschickt wurden, waren glücklicherweise meistens sehr entspannt und hatten kein Problem damit, sagt sie erleichtert. Viele seien auch einverstanden gewesen, bis Ende der Woche zu warten. Nichtsdestotrotz gebe ihr Team natürlich Gas. So gut es die Technik eben zulasse. „Am Montagabend hab ich eine Spätschicht eingelegt und problemlos noch 120 Zertifikate ausgedruckt.“

Die Probleme im System unterschieden sich wohl von Tag zu Tag. An Tag eins hat laut Schwind die Eingabe der Kundendaten nicht verlässlich funktioniert: Längst getätigte Eingaben verschwanden plötzlich wieder, oder die Auswahlmöglichkeiten der verschiedenen Impfstoffe tauchten nicht auf. Am zweiten Tag war dies dann in Ordnung, aber da hing es am Generieren des PDFs des QR-Codes. Aus Sekunden wurden nicht nur Minuten, es kam zum kompletten Stillstand. Überlastung eben, die sich auf die Apotheker fortsetzte.

Oliver Stich, der Chef der Adler-Apotheke, kann ein Lied davon singen, denn er hatte kaum Zeit, sich nur über die Problematik zu unterhalten. „Erst 48 Stunden vor Beginn wurden wir in Kenntnis gesetzt“, kritisiert auch sein Kollege von Schumann; ohne vorgelegten Ablaufplan vonseiten des Hessischen Apothekerverbands oder der Regierung. Dafür machen die Apotheken einen „geilen Job“, findet er.

Vielleicht geht es Ende der Woche mit einer stabileren Verbindung weiter. Landkreis-Sprecher Stefan Weber hofft sogar, dass dann Impfzentren und impfende Ärzte den digitalen Impfpass direkt mitgeben können. Auf www.mein-apothekenmanager.de kann der bereits geimpfte Verbraucher bundesweit die Apotheken finden, die den Impfausweis ausstellen. Am Montag war die Seite wegen des großen Andrangs ebenfalls „phasenweise nicht erreichbar“, wie ein Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mitteilte. Die „CovPass“-App finden Interessierte auf der Seite digitaler-impfnachweis-app.de. Der Gelbe Impfausweis bleibt auch weiterhin gültig. (Von Katrin Nahe)

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