Der Groß-Zimmerner Ahnenforscher Gerhard Klober arbeitet sich durch alte Chroniken

Familiengeschichten als Leidenschaft

Auf ein großes Plakat druckt Gerhard Klober die fertige Ahnentafel. Er gibt sie aber auch digital heraus.
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Auf ein großes Plakat druckt Gerhard Klober die fertige Ahnentafel. Er gibt sie aber auch digital heraus.

Groß-Zimmern – Mehr als 250 Ahnentafeln für Groß-Zimmerner, aber auch für deren Nachfahren, die mittlerweile in Australien, Kanada, Frankreich und Österreich leben oder deutschlandweit von der Ost- bis zum Bodensee verstreut sind, hat Gerhard Klober in den vergangenen Jahren erstellt. Was zunächst mit Recherchen für die eigene Familie begann, weitete sich im Laufe der vergangenen 14 Jahre zu einem umfangreichen Projekt aus, das der 73-Jährige als Hobby mit großer Leidenschaft und für einen guten Zweck betreibt.

Geboren im März 1948 in Groß-Zimmern, absolvierte der Geschichtsinteressierte in seinem Heimatort die Volksschule und machte im Anschluss eine Lehre zum Elektriker. Nachdem er dort wichtige Erfahrungen gesammelt hatte, wechselte er zur HEAG nach Darmstadt. „Ich habe da zwar weniger verdient, dafür hatte ich bessere berufliche Perspektiven“, sagt Klober, der bei dem Unternehmen zuerst im Bereich der Straßenbeleuchtung tätig war, sich nach erfolgreicher Meisterprüfung aber bis zum stellvertretenden Abteilungsleiter Beleuchtung hocharbeitete und unter anderem für Beleuchtungskonzepte für historische Gebäude und Gemälde verantwortlich zeichnete. Nachdem der Groß-Zimmerner 2004 in den Vorruhestand gegangen war, widmete er sich seinem Garten und war auf der Suche nach einem weiteren Hobby. Da kam 2007 die Anfrage seines Cousins Hubert Burger gerade recht: „Er hatte bereits 60 Personen unserer gemeinsamen Familie ausfindig gemacht und wollte noch mehr über den Familienzweig meiner Geschwister in Erfahrung bringen“, erzählt Klober, dessen Interesse für die Ahnenforschung damit geweckt wurde. Mit großer Leidenschaft begann er die Ahnen mütterlicherseits zu recherchieren und die Daten digital zu erfassen: „Ich habe mit Excel gearbeitet und weitere Programme ausprobiert, bis ich mit ,Ahnenblatt’ die für mich geeignete Software für die Erstellung von Stammbäumen gefunden habe.“

Aktuell bearbeitet der Groß-Zimmerner Anfragen zu Familiengeschichten aus Lengfeld und Oberhessen. Parallel dazu pflegt er das Sterberegister von Groß-Zimmern aus den Jahren 1955 bis 1960 in seine digitale Ahnendatei ein, die rund 42 000 Personen umfasst – 300 davon sogar mit Fotos. Von diesen Personen sind (soweit bekannt) Geburtstag und -ort, Taufe, Religion, Sterbetag und -ort, Beerdigung, Heirat, Beruf, Spitznamen sowie ihr Engagement rund um die Kerb oder andere Ehrenämter vermerkt. Auch Auswanderer sind verzeichnet, die Quellen und sonstige Bemerkungen festgehalten. Die Datensätze aus der Gersprenzgemeinde reichen bis ins Jahr 1510 zurück. Als Datenquellen dienen dem Ahnenforscher beispielsweise Stamm- und Kirchenbücher, die Unterlagen der Standesämter ab 1876, arische Nachweise, Familienbücher sowie Sterbeanzeigen. Hilfreich für seine Arbeit sei zudem das Internet: Hier fänden sich neben der Datenbank der Mormonen, die als größte und umfassendste Quelle gelte, auch Aufnahmen von Grabsteinen, die eine große Hilfe bei der Nachforschung darstellten. Obwohl vieles zunächst leicht zu recherchieren scheint, stößt Klober, der auch den Groß-Zimmerner Dialekt pflegt, immer wieder auf Schwierigkeiten: „Die meisten alten Unterlagen sind in Latein oder Sütterlin verfasst. Überdies hat sich die Schreibweise der Familiennamen im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte oft verändert“, erklärt Klober. „Hinzu kommt, dass der Datenschutz zu beachten ist. Ich nehme daher nur Daten in mein Ahnenblatt auf, die eindeutig zugewiesen werden können und schon einmal veröffentlicht wurden wie zum Beispiel in Wahlbroschüren oder den Mitteilungen unserer beiden Kirchengemeinden“, betont der 73-Jährige, für den sorgfältiges Arbeiten das A und O ist. Über seine eigene Familie hat der Kerbpfarrer des Kerbborschte-Jahrgangs 1947/48 die Spuren bis ins Jahr 1560 zu dem in Dieburg geborenen Philippus Klober zurückverfolgt.

„Das Schöne bei der Ahnenforschung ist, dass mir viele alte Dinge auf- oder wieder eingefallen sind, die ich zu bewahren versuche“, unterstreicht der Nachfahre des als „Batzenwirt“ bekannten Johannes Ganß. Während der Corona-Krise habe er viele neue Datensätze eingepflegt. Zwei bis drei Stunden pro Tag verbringt der 73-Jährige mit diesem besonderen Hobby, das seiner Meinung nach auch den Kopf fit halte. Doch neben Persönlichkeiten hält Klober auch Uz-Namen von Groß-Zimmerner Einwohnern sowie Straßennamen fest, die sich im Laufe der Zeit wandel(te)n. Interessenten, die ebenfalls mehr über ihre Vorfahren herausfinden wollen, hilft Klober gerne weiter. „Aus dem Erlös der bis heute hobbymäßig recherchierten Ahnentafeln kamen insgesamt rund 5 000 Euro für evangelische und katholische Kirchenprojekte zusammen“, sagt der Ahnenforscher, der eine Tafel – auf Wunsch mit Liste – aller zu den Personen verfügbaren Daten gegen eine Mindestspende erstellt. Dass dies wirklich reines Hobby und Zeitvertreib ist, zeigt sich daran, dass der Zimmerner rund 20 Minuten pro Person an Recherchezeit investieren muss. Dennoch freut er sich über jede Anfrage von Familiengeschichtsinteressierten und betont, dass Ahnentafeln ein toller Geschenktipp für Geburtstage, zur Hochzeit oder sonstige Feiertage seien.

Von Martina Emmerich

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