Das sagt der Kerbverein

Was wird aus der Kerb 2020?

Kerbabholung: „Wem is die Kerb? Unser!“, singen die Borschte in jedem Jahr. Doch erstmals bedroht ein Virus das große Fest eines Kerbborschte-Jahrgangs. Fotos: zah
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Kerbabholung: „Wem is die Kerb? Unser!“, singen die Borschte in jedem Jahr. Doch erstmals bedroht ein Virus das große Fest eines Kerbborschte-Jahrgangs.

Derzeit sind die Sorgenfalten größer als die Vorfreude. Sicher ist nur: Wie gewohnt wird das Fest der Feste in Groß-Zimmern nicht stattfinden können.

Groß-Zimmern – Bis 31. August müssen alle Großveranstaltungen abgeblasen werden – das ist eine der Vorgaben des Krisenmanagements von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für Groß-Zimmern hat dieser Termin fatale Konsequenzen. Die Zimmner Kerb, für 28. August bis 1. September angesetzt, ist vom Tisch. Zumindest in diesem Zeitraum.

Der für Oktober 2020 geplante Kürbismarkt wurde vom Verein „Beli(e)bt Groß-Zimmern“ bereits gestrichen. Fällt auch die Kerb ins Wasser? Noch gibt es von den Veranstaltern, dem Kerbverein Groß-Zimmern in Kooperation mit dem aktuellen Kerbborschte-Jahrgang 2000/01, keine offizielle Absage. „Noch ist alles offen“, erklärt der Vorsitzende des Kerbvereins, Mark Pullmann, „aber die Kerb, so wie wir sie kennen, wird wohl nicht stattfinden.“

Überhaupt: Die Corona-Pandemie hat bereits jetzt vieles vereitelt. Der Kerbverein, der in diesem Jahr 40 Jahre alt wird, hat sein Geburtstagsfest am Zeughaus bereits auf den 26. und 27. Juni 2021 verschoben. Die 1.-Mai-Feier wurde ebenso abgeblasen, auch die Veranstaltung der Kinder- und Jugendabteilung zum 40. Jahrestag des Vereins. Weil physische Treffen nicht möglich sind, ist die Residenz des Vereins, der Gewölbekeller im Glöckelchen, abgeschlossen.

Die Kerb hängt an einem seidenen Faden. Verschieben, den Gegebenheiten anpassen, könnte eine Option sein. „Wir haben noch eine gewisse Vorlaufzeit“, so Mark Pullmann, der mit verschiedenen Dienstleistern in Kontakt steht. Einige Verträge mit Bands und DJs zur musikalischen Ausschmückung des größten Zimmerner Heimatfestes wurden wohl geschlossen. Wird die Kerb abgesagt, muss geprüft werden, was dann weiter geschieht. An diesem Samstag (2. Mai) soll es eine Videokonferenz geben, erklärt David Schenk, Sprecher des aktuellen Kerbborschte-Jahrgangs. Auch die Gemeinde wird in dem Abwägungsprozess nicht außen vor bleiben.

Die 19 jungen Männer, die seit vielen Monaten mit den Füßen scharren, denken fieberhaft über Alternativen nach, um ihre Kerb zu feiern. Irgendwie, in verkleinerter Form, aber dennoch 2020. „Meine Brüder und mein Vater waren auch schon Kerbborschte“, sagt David Schenk, der seit rund zwei Jahren seiner Kerb entgegenfiebert. Nun hagelt es Absagen: „Der Hessische Abend wird nix und das Kerbminigolfturnier wird wahrscheinlich auch nichts.“ Stattdessen unterstützt der rot-weiße Jahrgang die Corona-Hilfe Groß-Zimmern, erledigt Botengänge für Menschen, die zur Covid-19-Risikogruppe zählen.

Auch in den sozialen Medien ist der „Corona-Jahrgang“ aktiv. Statt gemeinsamer Aktionen zur Finanzierung des Heimatfests, reduziert sich die Kameradschaft der 19 jungen Männer auf Videokonferenzen und den Austausch in den sozialen Medien.

„Schreibe eine Mini-Kerb-redd´“ oder „Bastel deine Kerbbobbe“ – mit solchen Herausforderungen versucht auch der Kerbverein, seine Fans bei Laune zu halten. Neben der Frage, ob, wann und wie das Zimmerner Lieblingsfest unter den Corona-Vorzeichen stattfinden könnte, stellt sich für die Aktuellen die Herausforderung: „Wie finanzieren wir das Ganze?“ Denn Aktionen zur finanziellen Ausstattung des viertägigen Programms mussten in den vergangenen Wochen ebenfalls abgeblasen werden. Bands, Sicherheitsdienst, Feuerwerk und mehr, all das wolle finanziert sein, berichtet auch Pullmann, denn „der Kerbverein verdient an der Kerb Null – und große Rücklagen haben wir nicht.“

Von der vermeintlichen Alternative, alles für 2020 abzublasen und im nächsten Jahr mit dem neuen Jahrgang als „Doppeljahrgang“ zu feiern, ist David Schenk wenig begeistert. „Ich würde lieber 2020 feiern“, sagt der junge Mann – selbst kleiner, selbst im Spätherbst. Die traditionelle Kerbabholung am Brückelchen planen sie bereits, wann immer auch eine Abholung möglich ist. Trotz aller Unwägbarkeiten: Die Stimmung unter den Kerbborschte sei gut. Anfang Mai geht es per Videokonferenz in die nächste Diskussionsrunde über das Wie und Wann. Dass eine Kerb jemals ausfiel – Kriegszeiten ausgenommen – sei aus der jüngeren Geschichte nicht bekannt, meint Pullmann. Trotzdem, das Thema ist hochsensibel. Pullmann: „Die Kerb ist uns wichtig, aber sie ist aktuell nicht das Wichtigste.“ zah

Quelle: DA-imNetz.de

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