The Takanaka Club Band in Groß-Zimmern

Corona-Krise: Musiker spricht über „gravierenden Einschnitt“ - Kritik an Olaf Scholz

Die The Takanaka Club Band bei einer ihrer Auftritte.
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Gastiert am 1. August in Groß-Zimmern: The Takanaka Club Band. Zweiter von links: Schlagzeuger Marcus Demuth, der schon bei Ricky Martin trommelte und mit der Blue Man Group tourte.

Konzerte wie das im Golf Sport Park geben Musikern wie der Takanaka Club Band Hoffnung. Kritik gibt es hingegen für die Politiker Olaf Scholz und Helge Braun.

Groß-Zimmern – Bei der wichtigen Aufgabe, zur Corona-Zeit nach Schulunterricht, Kinderbetreuung und Wirtschaft auch das kulturelle Leben zu reaktivieren, ist man in Groß-Zimmern an einem Ort schon recht weit: Im Golf Sport Park findet am 1. August bereits das zweite Open Air nach der monatelangen musikalischen Live-Dürre des Frühjahrs statt. Ende Juni gastierte dort die Rock-Coverband Pfund in intimer Atmosphäre. In einigen Tagen nun konzertiert The Takanaka Club Band vor schon etwas größerem Publikum.

Wobei „groß“ relativ ist: 250 Personen stellen in Hessen derzeit das Maximum dar, das Veranstalter ohne Sondergenehmigung versammeln dürfen. Allerdings auch nur, wenn ein Hygienekonzept existiert und bestimmte Abstandsregeln eingehalten werden können. Die Show am 1. August in der Golfakademie limitiert das auf 190 Zuhörer. Wenige im Vergleich zur jener Zahl, die The Takanaka Club Band in diesem Sommer bei so manchem Auftritt normalerweise beglückt hätte.

Ein abgesagter Höhepunkt der nächsten Wochen schmerzt Marcus Demuth besonders. Der Drummer der deutsch-amerikanischen Soul- und Dance-Coverband, der wie die weitere Besetzung der sechsköpfigen Gruppe im Raum Frankfurt lebt und seit vielen Jahren Profimusiker ist, spricht mit Wehmut vom Museumsuferfest. Das hätte Ende August in „Mainhattan“ steigen sollen. „Dort waren wir für Samstagabend als Headliner gebucht“, sagt er. „Von der Hauptbühne hätten wir auf tausende Leute geschaut.“ Etliche andere Gigs fielen oder fallen ebenso zum Opfer. The Takanaka Club Band trat letztmals an Silvester 2019 auf; in anderen Gruppen spielte der eine oder andere ihrer Musiker noch bis in den März hinein. Der Auftritt in Groß-Zimmern soll klein, aber fein werden, vor allem jedoch ein Aufbruch in eine kulturell wieder reichere Zeit.

Denn auch wenn der Bassist der Band zuletzt Online-Unterricht gab, auch wenn Marcus Demuth jüngst für zwei Studioproduktionen trommelte: Finanziell wie emotional machen die Live-Auftritte den Löwenanteil nicht nur ihres musikalischen Daseins aus. „Musik ist für uns Lebenswerk und Lebensmodell“, formuliert es der Schlagzeuger, der sich zudem ums Booking der hochklassigen Ansprüchen genügenden Formation kümmert. „Unser Leben ist von der Musik untrennbar“, betont er. Auch die Bandmitglieder sind enorm eng miteinander verbunden: „Wenn wir einen Gig in Stuttgart spielen, sind wir manchmal 14 Stunden lang zusammen unterwegs.“

Hoch hinaus: The Takanaka Club Band bei einem Auftritt.

Ganz schwer zu überstehen gewesen sei daher die Zeit, in der sich die Musiker nicht mal zum Proben treffen durften. Hart zu verkraften war und ist für die Profis der Takanaka Club Band auch die wirtschaftliche Seite der coronaverseuchten Medaille. Demuth zehrt derzeit von erfolgreichen Jahren – er drummte lange in New York City, spielte im Fernsehen und im Studio sowie live bei Ricky Martin, tourte acht Jahre lang weltweit mit der erfolgreichen Blue Man Group. „Durch diese Zeit habe ich mich absichern können“, erzählt er, „gerade der Verdienst durch die Blue Man Group war sehr hoch.“

Für viele Kollegen bedeute die Lage aber „einen gravierenden Einschnitt“. Demuth hat sich intensiv mit den staatlichen Hilfen für freie Musiker beschäftigt und kritisiert in diesem Zusammenhang namhafte Politiker scharf: „Olaf Scholz und Helge Braun haben öffentlich gelogen“, sagt er mit Blick auf TV-Auftritte des SPD-Vizekanzlers und Finanzministers sowie des CDU-Bundesministers für besondere Aufgaben. Mehrfach hätten sie den Anschein erweckt, freischaffende Künstler bekämen wegen der durch Corona entstandenen Nöte Soforthilfen auch für ihren Lebensunterhalt. Was schlicht nicht stimme – weiterhin gebe es Unterstützung nur bei betriebswirtschaftlichen Ausgaben wie Studiomiete oder Kfz-Leasing. Wer als Musiker Hilfe fürs tägliche Überleben suche, werde staatlicherseits stattdessen mit der Warnung vor Subventionsbetrug und der Androhung einer Gefängnisstrafe konfrontiert, ärgert sich Demuth. Selbst auf die Grundsicherung könne man in vielen Fällen – etwa wenn ein noch Geld verdienender Partner im selben Haushalt lebt – nicht bauen.

Während er diese Erkenntnis mit großer Enttäuschung vorträgt, möchte Marcus Demuth die Zukunft der Takanaka Club Band optimistischer betrachten. Auch wenn just am Vortag des Interviews mit unserer Zeitung wieder zwei Gigs storniert wurden: Ein wenig Licht am Ende des Tunnels sieht der Musiker. „Wir hoffen jetzt alle auf den Impfstoff – und darauf, dass es noch mehr solch kreative und mutige Veranstalter wie in der Golfakademie in Groß-Zimmern gibt. Wir freuen uns auf den 1. August und die sehr schöne Location. Auch wenn die Situation finanziell und sozial bitter ist, kommen wir da irgendwie durch, und zumindest in unserer Band ist die Stimmung noch immer gut.“

Wer daran teilhaben und einen niveauvollen Abend genießen will, kann sich für das Konzert im Golf Sport Park noch Tickets sicher. Eine Karte kostet 29 Euro, Beginn ist um 18 Uhr.

Tickets im Internet

greenkonzerte.de

Von Jens Dörr

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