Bildung 

Präsenzunterricht an Zimmerner  Schulen startet:„Nichts ist richtig planbar“

Ab 18. Mai, geht’s wieder los: Die Viertklässler an den drei Zimmerner Grundschulen – hier die Friedensschule – dürfen erstmals seit acht Wochen wieder in ihre Bildungseinrichtung. Foto: zah
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Ab 18. Mai, geht’s wieder los: Die Viertklässler an den drei Zimmerner Grundschulen – hier die Friedensschule – dürfen erstmals seit acht Wochen wieder in ihre Bildungseinrichtung.

Kommenden Montag sollen die Schulen in Groß-Zimmern einen Schritt Richtung Normalität machen. Für die Lehrer ist es ein Kraftakt. 

Groß-Zimmern – Seit 16. März sitzen Hessens Schüler im Homeoffice – mit Ausnahme der Abschlussklassen, die unter hohen Sicherheitsstandards beschult werden. Die Kontaktsperren in der Corona-Krise haben den vertrauten Schulalltag außer Kraft gesetzt, E-Learning ersetzt derzeit das Bildungssystem, sogar für die Grundschüler. Am Montag soll der Unterricht langsam wieder hochgefahren werden, zumindest für Viertklässler. Um das zu ermöglichen, arbeiten die Kollegien unter Hochdruck – und das bereits zum zweiten Mal. Denn gegen den ersten Start, der hessenweit für den 27. April geplant war, hatte eine Grundschülerin erfolgreich vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof geklagt. Jetzt nehmen die Schulen wieder Anlauf.

Mit den Viertklässlern will auch die größte Grundschule in Groß-Zimmern, die Friedensschule, am 18. Mai starten. „Ab 2. Juni sollen alle weiteren Klassen dazukommen“, informiert Rektorin Claudia Müller. Parallel stemmen Lehrer die Notbetreuung. Die Schulleiterin berichtet: „In der Notbetreuung haben wir von Anfang an viele Kinder.“ Über 30 Friedensschüler werden derzeit in Kleingruppen betreut.

Der Schulunterricht unter Corona-Auflagen wird aufwendig und ist bereits jetzt kräftezehrend. Da nur in kleineren Gruppen Präsenzun-terricht möglich ist, werden Klassen geteilt, damit ist jedoch der doppelte Personalaufwand nötig. Voraussichtlich würde ab 2. Juni jede Klasse einmal wöchentlich vor Ort beschult, erklärt Claudia Müller; rund 320 Kinder besuchen die Friedensschule. Weil sich Tag für Tag durch Politik und Behörden vieles ändert, ist der Druck hoch. „Nichts ist richtig planbar, das ist unfassbar anstrengend“, so die Schulleiterin, „Kollegium und Schulleitung sind stark belastet.“

Durch das Hessische Kultusministerium wurden die Hygienestandards inzwischen nochmals verschärft. Nach dem Besuch jeder Klasse werden Unterrichtsräume durch Reinigungspersonal desinfiziert. Und weil das Mittel lange einwirken muss, ist an diesem Tag kein weiterer Unterricht im betreffenden Zimmer möglich. Trotz aller Schwierigkeiten durch Corona kann Evelyn Nieder, Leiterin der Schule im Angelgarten (SiA), der Entwicklung etwas Positives abgewinnen. Seit die Bundesregierung 2018 den Digitalpakt für Schulen verabschiedet hat, ringe man um Verbesserungen im digitalen Bildungswesen. „Jetzt wurde es von heute auf morgen umgesetzt“, freut sich Nieder, die ihr „sehr kreatives Kollegium“ lobt. Mit Hilfe des Medienzentrums Dieburg, das ein kostenfreies Programm zur Verfügung stellt (Go to meeting), sitzen Schüler und Lehrer im virtuellen Klassenzimmern. Beim Online-Unterricht machen alle Klassen mit.

Ziel ab dem 2. Juni, wenn alle 180 SiA-Schüler wieder Unterricht in der Schule haben sollen, ist es, allen Klassen an zwei Wochentagen drei bis vier Unterrichtsstunden vor Ort zu bieten. Das bedeutet pro Klasse zwei Tage Unterricht im Schulgebäude, zwei Tage Homeschooling und einen weiteren, den Freitag, für Online-Englisch-Unterricht zu reservieren.

Um Bildung unter Corona zu ermöglichen, gehen Schulen neue Pfade. Liebgewonnene Veranstaltungen, Schulfeste, Ausflüge oder die Bundesjugendspiele sind vorerst gestrichen. Und für die künftigen Abc-Schützen ist es bitter. „Auch die Kennenlerntage sind gestrichen“, erklärt Angelika Klindt, Leiterin der Geißbergschule in Klein-Zimmern. Im Gegensatz zu manch anderer Schule, „habe ich das Glück, dass wir die schulärztliche Untersuchung für die neuen Kinder erledigt haben. Aber auch die Einschulungsfeier wird nicht im üblichen Rahmen sein.“

Obwohl seit 16. März kein Geißbergschüler das Gebäude betreten hat, hat die Schulleitung ein äußerst straffes Pensum. Viel Arbeit, viel Mehrarbeit, vieles, was heute gilt und morgen nicht mehr: Die Schilderungen der Schulleiterin im kleinen Ortsteil decken sich mit den Erfahrungen der Kolleginnen. „Man rennt los, wird ausgebremst, es ist erschöpfend.“ Trotzdem freut sie sich auf ihre vierte Klasse – 18 Kinder, die am Montag in zwei Gruppen unterrichtet werden. „Da die Hygienestandards oberste Priorität haben, wird es Frontalunterricht geben“, kündigt Klindt an und vermag keine Rückkehr zum Schulalltag in Aussicht zu stellen. „Es wird noch lange dauern.“

zah

Quelle: DA-imNetz.de

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