Im Landkreis sollen bald alle bäuerlichen Betriebe ans schnelle Internet angeschlossen sein

Hofbetrieb wird digital

Landwirtin Petra Fritsch, hier bei ihren Bullen, kann sich über ihren Internetanschluss nicht beschweren.
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Landwirtin Petra Fritsch, hier bei ihren Bullen, kann sich über ihren Internetanschluss nicht beschweren.

Die fortschreitende Digitalisierung ist auch unter Landwirten ein Thema. Wir haben uns erkundigt, wie die Versorgung bisher in Groß-Zimmern ist.

Groß-Zimmern– „Smart Farming“: Unter diesem Schlagwort hat der Landkreis angekündigt, dass alle landwirtschaftlichen Betriebe im Kreisgebiet, die noch keinen Breitbandanschluss haben, mit eben diesem versorgt werden sollen. „Der Ausbau soll in zwei Jahren abgeschlossen sein“, heißt es in einer entsprechenden Presseerklärung. Die Betriebe einer Kommune sollen immer dann an die Reihe kommen, wenn auch die dortigen Schulen an das Glasfasernetz, und damit an das schnelle Internet, angeschlossen werden. Der Lokal-Anzeiger hat nachgefragt, wie die aktuelle Situation bei den Groß- und Klein-Zimmerner Landwirten ist. Dabei stellten die Bauern die Qualität ihres Internets sehr unterschiedlich dar, je nachdem, wie weit der jeweilige Hof von der sonstigen Bebauung entfernt ist. So hat etwa Obstbau Geibel in Klein-Zimmern einen zufriedenstellenden Anschluss, beim Birkenhof sieht es hingegen mit schnellen Internet mau aus. Genauso ist es in Groß-Zimmern: Bauer Mann, der mit seinem Hofladen mitten in Groß-Zimmern liegt, kann nicht klagen, hingegen berichten Jörg Dressel vom Dresselhof und Ortslandwirt Dieter Krauß über eine katastrophale Internetanbindung.

Diese Regel durchbricht die Landwirtin Petra Fritsch, deren Hof auch außerhalb liegt, aber gut an das Internet angeschlossen ist. Fritsch hat eine Bullenmast, die noch ganz herkömmlich betrieben wird. Dennoch ist sie froh über ihren schnellen Anschluss. „Ich mache im Büro praktisch alles über das Internet, von der Beantragung und Bearbeitung der Ausgleichszahlungen über Eintragungen in die Datenbanken bis hin zu Online-Schulungen“, sagt Fritsch im LA-Interview. „Die Digitalisierung hält auch bei uns immer mehr Einzug. Ich kann einen Stick in den Computer stecken, und die Daten beispielsweise für die Acker-Schlagdatei werden dann automatisch auf den Betriebscomputer übertragen.“ Der Hof von Dieter Krauß ist über die Luftlinie gar nicht weit von Fritschs Betrieb entfernt. Dennoch sind hier die Verhältnisse noch wie in den Anfängen der Elektrifizierung. Die Leitung für das Telefon, das ist die einzige Anbindung, die Krauß auch an das Internet hat, ist noch an Masten oberirdisch befestigt. „Die Verbindung ist ganz schlecht, bei Video-Konferenzen fliegt man mitunter raus, und auch elektronische Überweisungen funktionieren nicht immer“, berichtet Krauß. Wenn er Wichtiges online erledigen will, quartiert er sich besser woanders ein.

Genauso geht es Jörg Dressel, dessen Hof praktisch über die L 3114 nach Spachbrücken nicht weit von Krauß entfernt liegt. Da auch seine Leitung noch oberirdisch an Holzpfosten hängt, beobachtet er, dass es erhebliche Störungen gibt, wenn es stürmt. Allerdings hat Dressel schon konkrete Pläne geschmiedet: Über den Mobilfunk und ein Modem will er seinen Anschluss auf bis zu 50 Gigabit aufrüsten. „Aber das kostet mich bis zu 3 000 Euro“, hat er errechnet. Notwendig ist für den Landwirt diese Investition dennoch, weil er unter anderem die Daten aus seinen Maschinen auf den Betriebsrechner übertragen will – und wegen seiner Saisonarbeiter. Die finden inzwischen nur noch Arbeitgeber attraktiv, die es ihnen ermöglichen, via Smartphone oder Tablet den Kontakt nach Hause zu halten. „Das erschlag ich dann auch mit meiner Investition“, sagt Dressel. Sowohl er als auch Krauß wären allerdings heilfroh, wenn sie auf unterirdischem Wege einen Breitbandanschluss bekämen.

Bauer Klaus Mann hingegen hat keine Beschwerden, weil sein Hofladen mitten im Ort liegt und er auf dem Betriebsgelände außerhalb, wo er seine Tiere hält, noch völlig analog arbeitet. „Im Ort brauchen wir das schnelle Internet hauptsächlich für die Bettfedernreinigung und den Hofladen, aber das ist kein Problem“, sagt Mann. Ähnlich ist es bei Ludwig Geibel, dessen Hof dicht am Ortsrand von Klein-Zimmern liegt“. „Wir werden ganz normal über den Brünnchenweg versorgt“, sagt der Obstbauer. Auch für ihn ist das schnelle Internet wichtig wegen der Erntehelfer. „Die kommen nur, wenn sie bei uns auch mit zuhause skypen können.“ Thomas Schaffer vom Birkenhof hingegen schlägt sich noch mit einer 3 000-DSL-Leitung herum. „Wir haben uns mit einen Hybrid-Router beholfen“, sagt Schaffer, aber damit kommt er auch nur auf eine 9 000er-Leitung. Auch bei ihm fragen die Saisonarbeiter als erstes nach dem Passwort für WLAN. Seinen Maschinenpark hingegen steuert er über GPS, dafür benötigt er kein Internet. „Ich habe mich inzwischen an das langsame Internet gewöhnt, allerdings immer im Hinterkopf, dass es irgendwann einmal schneller wird.“ Auch Schaffer wäre glücklich, wenn die Ankündigung des Landkreises, die Landwirte an das schnelle Internet anzuschließen, möglichst zeitnah umgesetzt würde.

Von Agnes Badener

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