Sanitäre Anlagen

Großes Problem: Vergebliche Suche nach öffentlicher Toilette

Nach solchen öffentlichen Toiletten, wie es sie beispielsweise im Dieburger Schlossgarten gibt, suchen Zimmerner in ihrer Gemeinde vergeblich.
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Nach solchen öffentlichen Toiletten, wie es sie beispielsweise im Dieburger Schlossgarten gibt, suchen Zimmerner in ihrer Gemeinde vergeblich.

Wer durch Groß-Zimmern schlendert, sollte eines besser nicht müssen: aufs Klo. Denn obwohl die Gersprenzgemeinde viele belebte Plätze hat, öffentliche Toiletten suchen die Bürgerinnen und Bürger dort vergeblich.

Groß-Zimmern – Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade beim Einkaufen, als Sie merken, Sie müssen auf die Toilette. Der Druck wird schnell größer, doch wegen der geltenden Corona-Verordnungen verweigert ihnen der Markt, die Mitarbeiter-Toilette zu nutzen. Was tun? Klar, für viele Menschen heißt es da einhalten bis man Zuhause ist. Wer aber unter Inkontinenz leidet, für den ist das oft nur schwer möglich. Öffentliche Toiletten würden da Abhilfe schaffen. Doch die gibt es in Groß-Zimmern nicht.

Für eine Leserin, die anonym bleiben möchte, ist dieser Umstand ein echtes Problem. Die Seniorin leidet an Stuhlinkontinenz, kann ihren Stuhlgang deshalb nicht immer kontrollieren. Und so wurde für sie ein Einkauf beim Penny an der Reinheimer Straße zu einem unangenehmen Erlebnis.

Während die ältere Frau ihren Einkaufswagen füllt, bemerkt sie, dass sie auf die Toilette muss. In ihrer Not spricht sie eine Mitarbeiterin an, fragt, ob sie die Markt-Toilette benutzen darf, da das Geschäft über kein Kunden-WC verfügt. Die Antwort überrascht die Seniorin: „Die Verkäuferin sagte mir, dass ich wegen der Corona-Pandemie die Toilette nicht nutzen dürfe.“ Bedeutet: Die ältere Frau muss ihre Notdurft zurückhalten bis sie Zuhause ist. Für sie nicht nur eine peinliche, sondern auch schmerzhafte Angelegenheit. Glücklicherweise schafft sie es rechtzeitig auf das heimische Klosett, bevor alles in die Hose geht.

Auf Nachfrage des Lokal-Anzeigers bedauert der Discounter den Vorfall, Andreas Krämer, Pressesprecher der Rewe-Gruppe, stellt aber zugleich klar, „grundsätzlich stellen die rückwärtigen Bereiche eines Marktes immer einen sensiblen Bereich dar.“ Dazu seien „womöglich noch lokale Corona-Vorgaben der örtlichen Behörden“ zu bedenken. Krämer versichert jedoch „wann immer es geht, versuchen wir unseren Kunden den Toilettengang zu ermöglichen.“

Unsere Leserin ärgert sich allerdings nicht nur über den Markt, auch die fehlenden öffentlichen Toiletten macht sie für ihre unangenehme Lage mitverantwortlich. Für die Frau ist klar: Groß-Zimmern braucht öffentliche Sanitäranlagen „und zwar nicht nur eine, sondern mehrere“. Denn nicht nur Menschen mit Inkontinenz sind ab und an auf eine Toilette außerhalb der eigenen vier Wände angewiesen, auch Personen, die durch Groß-Zimmern spazieren, müssten dann nicht mehr darauf hoffen, dass die Toiletten auf dem Friedhof gerade frei sind oder bei nahegelegenen Lokalen fragen, ob sie sich dort erleichtern dürften.

Christian Kloft kennt dieses Problem. Schon öfter haben ihn Passanten darum gebeten, die Toiletten in seinem Lokal Zimmner Zeit am Rathausplatz nutzen zu dürfen. „Zu uns kommen meistens Eltern mit ihren Kindern, weil die Kleinen mal zur Toilette müssen“, berichtet er. Der Gastronom verstehe zwar, warum Gemeinden oftmals zögerten, öffentliche Toiletten aufzubauen, so seien auch in seinem Wohnort solche Anlagen bereits durch Vandalismus verunstaltet worden. Seine Lokal-WC aufgrund fehlender öffentlicher Sanitäranlagen für jedermann zugänglich zu machen möchte Kloft aber auch nicht. Zum einem sei er allein für deren Zustand verantwortlich, zum anderen befinde sich im Bereich der Toiletten auch der Eingang zur hinter dem Lokal gelegenen Halle. Und die dürften Unbefugte nicht betreten. Daher müsse Kloft immer ein Auge auf die Toilettengänger haben, sofern diese nicht als Kunden in seinen Laden kämen, erläutert er, versichert aber: „Bei freundlichem Nachfragen sage ich eigentlich nie nein.“

Doch warum gibt es keine öffentlichen Toiletten in der Gersprenzgemeinde? Bürgermeister Achim Grimm (CDU) betont auf Nachfrage: „Die Frage hat sich bisher noch nicht dringend gestellt.“ In seiner Amtszeit habe es vielleicht eine oder zwei Anfragen dazu gegeben. Der Bau öffentlicher Toiletten sei daher „momentan nicht das dringendste Thema“. Der Rathaus-Chef versichert jedoch: „Sobald das Rathaus nach der Sanierung wieder geöffnet wird, können die dortigen Toiletten genutzt werden.“ Und auch die Toiletten auf dem Friedhof seien frei zugänglich. Eine öffentliche Anlage, wie sie beispielsweise im Dieburger Schlossgarten steht, werde es in der Gersprenzgemeinde aber auf absehbare Zeit nicht geben, da sie schlicht zu teuer sei. „Solche Anlagen kosten mindestens 100 000 Euro.“

Bis das Rathaus seine Pforten wieder öffnet, heißt es für Zimmerner, die nicht gerade in der Nähe des Friedhofes auf die Toilette müssen, also weiterhin: Entweder beim Restaurant um die Ecke fragen, ob man die Toilette nutzen darf, oder einhalten, bis einem das eigene Klo Erleichterung schafft. (Von Joshua Bär)

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