Simone Franz, Inhaberin eines Nagelstudios, schildert die Folgen des Lockdown

Nackte Angst um die Existenz

Groß-Zimmern – Händewaschen und Desinfizieren sind das A und O in der Kosmetikbranche. Auch bei Simone Franz im Nagelstudio „Deine Nageltante“ in Groß-Zimmern. „Das gehört schon immer zum Ablauf vor Beginn des Termins der Maniküre und Nagelkosmetik selbstverständlich dazu“, sagt Franz, die ihren Salon wegen des Corona-Lockdown nicht öffnen darf. „Ich kann es noch gar nicht fassen“, sagt sie, „da ich in meinem Studio hohe Standards habe.

„Welcher Arbeitnehmer wird von seiner Familie aufgefangen?“ Simone Franz bekommt für ihr Groß-Zimmerner Nagelstudio keine staatliche Hilfe.

Franz möchte aufmerksam machen auf die Kosmetik- und Beauty-Branche, in der generell schon hohe Sicherheitsstandards herrschen was das Infektionsrisiko angeht. Diese wurden wegen der Corona-Pandemie noch einmal verschärft. Umso weniger versteht Franz, dass sie trotz eines gut ausgearbeiteten Hygieneplans, genug Abstand und ständigen Desinfizierens nicht öffnen darf. „Nach jedem Termin desinfiziere ich die Arbeitsgeräte und Oberflächen.“ In der Regel werden Einmal-Instrumente wie Feilen benutzt, die restlichen Geräte wie Staubbürsten, Fräseraufsätze und sogar die Pinsel werden hygienisch gereinigt und in Heißluft,- und LED-Sterilisatoren aufbereitet. „Zum Schutz der Kundin und auch Eigenschutz tragen wir beide einen Mundschutz, ich trage Einmalschürze, Einmalhandschuhe“, erzählt Franz von der Zeit im Sommer als sie ihr Nagelstudio noch öffnen durfte. „Und wir haben eine Armlänge Abstand und sichern das durch eine Scheibe zwischen uns beiden doppelt.“ Zudem ist der Betrieb bestellsystemgesteuert, wodurch es nicht zu Wartesituationen oder Überschneidungen kommt. „Eine genaue Rückverfolgung ist durch den Terminkalender ebenfalls zu 100 Prozent gegeben.“ Vor 18 Jahren hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht, nimmt ihren Job und die Verantwortung den Kunden gegenüber „sehr, sehr ernst“. Deshalb hat sie 2013 einen Abschluss zur handwerks-kammergeprüften Nageldesignerin gemacht. „Ein Hygienekurs gehört zu meiner Ausbildung ebenfalls dazu.“ Dieser wird regelmäßig aufgefrischt. Doch beginnt ihr Tag mit Sorgen um ihre Existenz als Nageldesignerin. „Jeden Morgen wird mir glasklar, was die Entscheidungen der letzten Wochen im Bundestag für mich und viele Kolleginnen bedeuten.“

Wie Franz betont, ist die Ausübung des Nageldesigns nicht ihr Hobby, sondern ihre Existenz. „Schon beim ersten Lockdown stand mir keinerlei Hilfe zu, so die Aussage der Ämter. Es sei zuzumuten, dass mein Ehemann und mein Sohn mich ,auffangen’“, ärgert sie sich. „Welcher Arbeitnehmer wird von seiner Familie aufgefangen? Ich zahle Gewerbesteuer und sehe mich als Arbeitnehmer des Staates. Ich habe ehrlich gesagt mit einer Art ,Arbeitslosengeld’ gerechnet.“ Nicht um sich zu bereichern, stellt sie klar, „sondern um meine monatlichen Fixkosten tragen zu können“. Sie ist – wie viele weitere Selbstständige – für ihre Altersvorsorge selbst verantwortlich. Das bewältigt sie mit ihrem Lohn, den sie sich aus den Umsätzen auszahlt. „Der fiel im ersten Lockdown komplett weg. „Gott sei Dank konnte ich einen Teil durch meine Rücklagen, die ich für meine Altersvorsorge angespart habe, auffangen. Davon erholt habe ich mich allerdings bis heute nicht, da durch den Lockdown auch Kunden weggebrochen sind.“ Mühselig hat sie sich seit Mai wieder etwas stabilisiert – dann kam schon der zweite Lockdown. Und der gilt nun schon seit 13 Wochen. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte Franz zumindest einen Teilzeit-Job gefunden. Doch auch der ist nun im Lockdown. Daher bricht ihr auch dort das Einkommen weg. „Das macht mir sehr große Sorgen und Angst um meine Existenz.“ Nicht ganz nachvollziehen kann Franz, dass beispielsweise Nagelstudios geschlossen bleiben müssen, Solarien, Geschäfte, die Reitzubehör oder Shisha-Artikel verkaufen, aber geöffnet blieben. „Und auch die Tatsache, dass trotz angekündigter einheitlicher Regeln Kollegen der Nagelkosmetikbranche aus anderen Ländern öffnen dürften.“

Rubriklistenbild: © Privat

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