Naturschutzgebiete im Kreis: Die Scheelhecke ist das kleinste Reservat in der Region

Der Biber und mehr als 40 Vogelarten

Nabu-Kreisvorsitzender Dr. Lothar Jacob (links) und Forstamtsrat Stefan Rickert vor dem Großseggenbestand an der Scheelhecke.
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Nabu-Kreisvorsitzender Dr. Lothar Jacob (links) und Forstamtsrat Stefan Rickert vor dem Großseggenbestand an der Scheelhecke.

Groß-Zimmern – Im Jahr 1983 wurde die Groß-Zimmerner Scheelhecke als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen. Es taucht aktuell nicht mehr auf der Liste der NSG auf, ist aber noch unter besonderer Beobachtung. Als sich Anfang diesen Jahrhunderts die Richtlinien für schützenswerte Natur änderten, sind kleinere NSG, zu denen die Scheelhecke zählt – sie umfasst nur vier Hektar und ist damit das kleinste Schutzgebiet im Landkreis – oft größeren FFH- oder Natura-2000-Gebieten zugeschlagen worden.

Die Scheelhecke ist jetzt aufgegangen in dem großen Schutzgebiet Untere Gersprenz. Dieses zieht sich vom Reinheimer Teich über Groß-Zimmern und dann recht ausladend über die Hergershäuser Wiesen. Das alles erklärte Forstoberamtsrat Stefan Rickert – das Forstamt ist für die Pflege der NSG zuständig – bei einer Begehung, an der auch Dr. Lothar Jacob, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbands Dieburg teilnahm. „Zweck der Unterschutzstellung ist es, das Feuchtbiotop als vielfältigen Lebensraum seltener und bedrohter Tierarten zu entwickeln und zu sichern“, hieß es damals in der Naturschutzgebietsverordnung. Es gab verschiedene Gründe, die Scheelhecke als Naturschutzgebiet auszuweisen: Da ist zum einen eine ganz bestimmte Vegetation, die dann auch wieder bestimmte Tierarten im Gefolge hat, beziehungsweise ihnen Lebensraum bietet. Eigentümer der Scheelhecke ist die Gemeinde Groß-Zimmern.

Auffällig ist im südlichen Bereich am Landwehrgraben auf der künstlich geschaffenen Wasserfläche ein Großseggenried. Auf die Frage, um welche Segge es sich handelt, lachen Jacob und Rickert nur. Es sei sehr schwierig, Seggen genau zu bestimmen. Allerdings sei das auch nicht so wichtig. Entscheidend sei nicht nur das Vorkommen des kräftigen Sauergrasgewächses, sondern vor allem die Tiere, die sich in so einer Flora ansiedeln. Heimisch fühlt sich an der Scheelhecke der Laubfrosch und andere Amphibien. Dazu gehört auch die Sumpfschildkröte, wobei Jacob nicht weiß, ob es die einheimische europäische Sumpfschildkröte ist. Teil der Pflegemaßnahmen ist dann auch, dass das Forstamt die Wasserfläche nicht völlig zuwachsen lässt. Aufgrund der trockenen Sommer fallen immer mehr Flächen trocken und Sträucher versuchen, sie sich zu erobern. Aber auch die Vogelwelt an der Scheelhecke hat einiges zu bieten. „Letzte Woche habe ich hier den Eisvogel gesehen“, erzählt Jacob. Der Storch brütet südlich von der Scheelhecke, auch der Graureiher und auch der Kormoran sind hier zu entdecken. Und weitere Vögel tummeln sich im NSG: Bei den Vogelstimmenwanderungen, die der Nabu dort einmal im Jahr anbietet, haben Teilnehmer um die 40 Vogelarten gehört und gesehen. Dazu gehören unter vielen anderen die Bachstelze, die Goldammer, der Grünspecht, der Kuckuck, die Nachtigall, der Schwarzmilan sowie der Star und die Sumpfmeise.

Neu ist an der Schellhecke auch die Beweidung, also die Pflege des NSG durch Rinder. Allerdings kann damit nicht jeder beauftragt werden, erklärt Rickert. Die Tierart muss dafür auch geeignet sein. Im Fall der Scheelhecke ist es das Rote Höhenvieh, eine ältere Haustierrasse aus dem Odenwald und der Rhön, das inzwischen leider kaum noch gezüchtet wird. So werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, die Rinderrasse wird erhalten und die Tiere betätigen sich als Landschaftspfleger im nicht gerade einfachen Gelände der Scheelhecke. Sieben Tiere weiden derzeit dort; für die Einzäunung des Areals gab es einen Zuschuss. Eine andere Tierart verändert das Gelände auf ihre Art: Der Biber hat sich angesiedelt, was in der Scheelhecke und vor allen Dingen südlich, am Landwehrgraben, deutlich zu sehen ist. Im Gebiet der Scheelhecke sieht man Biberwege, die aus der Gersprenz in das eingezäunte Gebiet führen. Aber auch angenagte Baumstämme, unter anderem eine stattliche Wildkirsche, die zwar noch steht, aber in diesem Frühjahr wohl kaum noch einmal austreiben wird, sind zu sehen. Im südlichen Bereich des Landwehrgrabens hingegen hat er einige Dämme gebaut und damit das Wasser des Grabens gestaut. Das fließt nun zum Teil über die östlich gelegene Wiese ab und hat diese in Abschnitten auch schon umgewandelt. Wurde sie früher von der Gemeinde Groß-Zimmern noch gemäht, so ist das nicht mehr möglich: Die Wiese hat sich in ein Schilfgebiet verwandelt. „Beim Naturschutz benötigt man Geduld“, sagt Rickert achselzuckend, „und muss sich mitunter an geänderte Bedingungen anpassen.“ Als die Scheelhecke als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, glaubte wohl kaum jemand, dass der Biber sich wieder so erfolgreich an der Gersprenz ansiedeln würde. Ursprünglich war die Scheelhecke Teil eines Talauenlandes. Diese Waldungen wurden jedoch bereits von Jahrhunderten gerodet und dann als Grünland genutzt. Im Jahr 1953 sah man allerdings auf einer Luftaufnahme schon ein kleines Weidenwäldchen an der Gersprenz und in Ansätzen das heutige Vogelschutzgehölz im nördlichen Bereich. Die Wasserfläche mit dem Seggenbestand wurde erst im Winter 1983/84 künstlich geschaffen. (zba)

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