Groß-Zimmerner arbeitet mit Plan B gegen Lokdown

Sicherheitsschleusen statt Scorpions

Glück im Unglück hat der Zimmerner, weil sein Fachgebiet die Filmbranche ist. „Da ist man momentan noch besser dran als im Licht- und Tonbereich.“Eigentlich setzt er Musikgrößen wie die Scorpions ins rechte Bild. Statt Welttournee ist derzeit aber Sicherheitsschleusen-Automatik angesagt.
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Glück im Unglück hat der Groß-Zimmerner Stefan Beck, weil sein Fachgebiet die Filmbranche ist. Eigentlich setzt er Musikgrößen wie die Scorpions ins rechte Bild. Statt Welttournee ist derzeit aber Sicherheitsschleusen-Automatik angesagt.

Der Groß-Zimmerner Bildingenieur und Kameramann Stefan Beck arbeitet mit Plan B gegen den kulturellen Lockdown an. Im Februar war er noch auf Konzerten in Asien. Zur aktuellen Lage sagt er: „So was wie jetzt gab’s noch nie.“

Groß-Zimmern – Eigentlich war Stefan Beck gut im Geschäft. „Beckstage“ heißt die Firma des Groß-Zimmerners, der sich in den 90ern als einer der Ersten seines Metiers mit professioneller Video- und Kameratechnik selbstständig machte. Im eigenen Betrieb bildet der Meister des Radio- und Fernsehtechnik-Handwerks heute seinen Sohn Dustin zum Mediengestalter in Ton und Bild aus, verliert ob des weltweiten Kultur-Lockdowns derzeit aber spektakuläre Aufträge. Mit Plan B arbeitet der 55-Jährige gegen die Krise an.

Am Jahresanfang noch Tournee mit den Scorpions durch Asien

Zum einen habe er „das große Glück, dass mein Fachgebiet Film ist. Da ist man gerade noch besser dran als im Licht- und Tonbereich“. Nach einer Streamingproduktion für Lebensmittel-Start-ups Anfang März war aber auch Beck beruflich ausgeknockt. „Bis Juli war das mein einziger Job, da ging gar nichts, alles tot.“ Welch Kontrast zu den vergangenen Jahren und Jahrzehnten, welch Gegensatz sogar noch zum Jahresanfang.

Denn da war Beck noch auf großer Tournee durch Asien – mit den Scorpions. Die legendäre Rockband („Wind of Change“, „Rock you like a Hurricane“, „Send me an Angel“) begleitete er schon mehrfach über den Globus. „Die sind eigentlich überall gefragt, vielleicht noch am wenigsten in Deutschland.“ Der Groß-Zimmerner trägt im Verbund mit Kameraleuten, Bildmischern und LED-Spezialisten dazu bei, dass die Musiker bei den Konzerten auf den Videowänden erscheinen. Vor allem sein Know-how als Berater ist gefragt, „allein mit Equipment kommst du in der Branche nicht weit, das gibt’s wie Sand am Meer“. Gleichwohl verfügt Beck über sündhaft teure, TV-taugliche technische Ausstattung, in die er erst wenige Wochen vor dem Ausbruch der Pandemie noch 100 000 Euro investiert hat.

Die kann der Unternehmer, der sich im Interview als Bildingenieur und Kameramann ob seiner vielfältigen Expertise fast schon zu bescheiden vorstellt, einstweilen nicht amortisieren. Noch im Februar rockten die Scorpions vor abertausenden Fans in Hongkong, Singapur, Indonesien und Australien, „unsere FFP-3-Masken hatten wir damals aber schon dabei“. Während zu dieser Zeit in Deutschland die Fastnachter feierten, liefen im asiatischen Raum zwar noch große Konzerte, aber auch schon scharfe Kontrollen samt Fiebermessungen an den Flughäfen. „Wir sind gerade noch rechtzeitig zurückgeflogen“, blickt Beck auf die Phase zurück, in der sich das Virus zum weltweiten Thema aufschwang. „Der Frankfurter Flughafen war damals übrigens der einzige, den wir nach unserer Ankunft völlig unbehelligt verlassen konnten.“

Groß-Zimmerner Stefan Beck war früher mit David Copperfield unterwegs

Seither ist die Auftragslage selbst bei einem Branchen-Ass wie Beck mager. Bei einem, der schon in den 90ern mit David Copperfield durch Deutschland und Europa tourte. Der bei einem Intermezzo als Angestellter Videos bei Konzerten von Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen und Peter Maffay drehte. Der 2008 Eric Clapton und 2011 Katie Melua begleitete. Und der darüber hinaus Produktpräsentationen etwa der Automobilindustrie ins rechte Bild setzt. Ein Auf und Ab ist der Groß-Zimmerner durchaus gewohnt, „nach dem 11. September 2001 gab es mal einen Knick, da haben fast alle Automobilfirmen ihre Shows auf der IAA abgesagt“, erinnert er sich. Das sei heftig, aber kurz ausgefallen, „und die Finanzkrise 2008 habe ich kaum gemerkt“. Ganz anders der virulente Status quo: „So was wie jetzt gab’s noch nie.“

Die Zwangspause stellt für „Beckstage“ einen solch tiefen Einschnitt dar, dass sein Macher nach mehr als zwei Jahrzehnten permanenter Selbstständigkeit sein Business zwar nicht eingestellt hat, seit September aber parallel als Angestellter jobbt. Seitdem arbeitet der Groß-Zimmerner für eine Firma, die sich auf Sicherheitsschleusen-Automatik spezialisiert hat. Zugute kommt ihm dabei noch immer jene Ausbildung zum Elektroniker, die er in den 80ern bei Merck absolvierte. Damals rutschte er auch als Techniker einer längst aufgelösten Band in die Musikszene – der Anfang seiner beruflichen Karriere.

Die soll Corona freilich nicht beenden, auch wenn sich Stefan Beck im neuen Job durchaus wohlfühlt. Ob aus der nächsten Scorpions-Tour, die am 8. Mai 2021 in Las Vegas starten soll, jedoch wirklich etwas wird, steht noch in den Sternen. (Von Jens Dörr)

Stefan Beck arbeitet mit Plan B gegen den kulturellen Lockdown an.

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