Viele Apotheken sollen zum Testzentrum werden

Zum Schnelltest in die Apotheke

Der 72-jährige Ulrich Schwind, Zahnarzt aus Groß-Zimmern, hat gestern Mittag in der Alten Apotheke einen Nasenabstrich vornehmen lassen.
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Der 72-jährige Ulrich Schwind, Zahnarzt aus Groß-Zimmern, hat gestern Mittag in der Alten Apotheke einen Nasenabstrich vornehmen lassen.

Die hessische Landesregierung hat am Donnerstag die Entscheidungen der Bund-Länder-Konferenz zum weiteren Vorgehen in der Pandemie in Beschlüsse gefasst. Dazu gehört der Anspruch aller Bürger auf einen kostenfreien Schnelltest pro Woche. Im örtlichen Landkreis sollen möglichst viele Apotheken Testzentrum werden.

Groß-Zimmern – Ein Gratis-Test pro Woche, Shopping mit Voranmeldung, und das Training im Sportstudio soll mit Buchung ebenfalls wieder möglich werden: Die möglichen Öffnungsstufen seien nun definiert, hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag verkündet. Neben den Inzidenzzahlen als Indikator sollen Tests und Impfungen dabei helfen, „den Weg aus dem Lockdown behutsam und Schritt für Schritt zu gehen“. So haben von kommenden Montag an alle Bürgerinnen und Bürger Anspruch auf einen wöchentlichen kostenfreien Corona-Antigenschnelltest durch fachlich geschultes Personal. Überall dort, wo sie bisher schon angeboten werden: in Testzentren – auch den kommerziellen, Arztpraxen und Apotheken. „Wir testen seit vergangener Woche“, sagt die Inhaberin der Alten Apotheke in Groß-Zimmern, Daniela von Nida, „und die erste Person, die am Dienstag symptomfrei kam, war gleich positiv.“ Das hieß dann ab in Quarantäne und dazu einen PCR-Test machen lassen, um das erste Ergebnis zu verifizieren.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hatte schon kurz vor Weihnachten grünes Licht für Schnelltests signalisiert. „Wir haben den Start aber noch geschoben und wollten erst mal schauen, in welche Richtung das läuft“, berichtet von Nida. Nachdem publik geworden ist, dass Apotheken im Stufenplan der Regierung „Teil der Öffnungsstrategie“ werden, wird auch in Groß-Zimmern das Stäbchen für den Abstrich gezückt. „Mit dem Testangebot bereits ab 8. März haben wir nicht gerechnet, aktuell haben wir erst mal einen Vorrat für zwei Wochen.“ Am gestrigen Freitagmittag war der 72-jährige Ulrich Schwind aus Groß-Zimmern vor Ort, um auf der sicheren Seite zu sein. „Wir bekommen heute Nachmittag die Enkelchen“, erklärt er den Beweggrund für den Test. Eine Mitarbeiterin der Apotheke nimmt den Nasenabstrich vor, „nach 20 bis 30 Minuten ist das Ergebnis da“, erläutert von Nida. Ulrich Schwind zahlt für den Test 39,90 Euro. 40 Euro ist laut der Apothekerin derzit deutschlandweiter Mittelwert; der Preis kann frei kalkuliert werden. Kundinnen und Kunden der 36-Jährigen werden ihn aber auch noch am Montag bezahlen müssen, denn noch hat das Gesundheitsamt, das dem Landkreis untersteht, den Apotheken im Landkreis Darmstadt-Dieburg keine Erlaubnis für kostenfreie Tests gegeben. „Die Abrechnung ist ziemlich bürokratisch und läuft für uns über die Kassenärztliche Vereinigung, die wiederum mit dem Bund verhandelt, der letztlich die Kosten übernimmt“, beschreibt von Nida das Procedere. „Ich hoffe, dass wir von Klaus Peter Schellhaas (SPD) an diesem Wochenende Informationen dazu bekommen.“

Der Landrat habe alle Filialen im Kreisgebiet angeschrieben und angefragt, ob sie als Standorte für kostenlose Schnelltest zur Verfügung stünden. „50 Prozent der Rückmeldungen waren positiv“, weiß von Nida. Schellhaas habe sich außerdem bei einem Besuch in der Alten Apotheke über den Ablauf informiert und sie gebeten, bei einem Online-Meeting mit den Kolleginnen und Kollegen am heutigen Samstag darüber zu berichten. „Dann wollen wir einen Schlachtplan entwerfen.“ Allerdings würden sich schon deshalb nicht alle einklinken, weil die notwendigen Voraussetzungen wie ein Extra-Raum und zusätzliches Personal fehlten. „Die regulären Teams können das ja gar nicht leisten.“ Sie selbst hat über einen Aufruf per Facebook – Stichwort „Pandemiehelden“ – sieben zusätzliche Mitarbeiter zu ihrem Stammpersonal von acht Personen gewonnen, die von ihr für die Testabnahme geschult werden. „Wir werden auch die Öffnungszeiten erweitern und auf jeden Fall am Karfreitag testen.“ Eine Anmeldung – möglichst online – ist notwendig. „Wir sind jetzt schon gut ausgebucht“, sagt die Zimmerner Apothekerin, die davon ausgeht, dass sich die Nachfrage nach Tests noch erhöhen wird, wenn diese nichts mehr kosten – „ich plane mit dem 15. März“ – und ein negatives Ergebnis an die Nutzung von Dienstleistungen geknüpft ist.

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