Große Dame des Belcanto

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„Edita Leggenda“ preist ein Banner am Rang der Alten Oper. Da hat Edita Gruberova gerade ihre Zugabe aus Donizettis „Linda di Chamounix“ gesungen, eine jener Belcanto-Nummern, wie sie die Sopranistin bevorzugt.

Frankfurt - „Edita Leggenda“ preist ein Banner am Rang der Alten Oper. Da hat Edita Gruberova gerade ihre Zugabe aus Donizettis „Linda di Chamounix“ gesungen, eine jener Belcanto-Nummern, wie sie die Sopranistin bevorzugt. Von Axel Zibulski

Die Münchens Staatsoper, wo sie regelmäßig auftritt, passt den Spielplan an ihre Vorlieben an; beim Arien-Abend in Frankfurt wurde sie von den Münchner Symphonikern begleitet. Vokale Wucht und Energie hat Gruberova nach wie vor. Gleich zwei der im 19. Jahrhundert so beliebten „Wahnsinns“-Arien hatte sie sich vorgenommen. Fürs Ohr gleichwohl erfreulich: „Il dolce suono“ aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“ war auch, aber eben nicht nur Vokalakrobatik in Gestalt von sicher platzierten Verzierungen und Spitzentönen, fein abgestimmt im intonatorisch heiklen Dialog mit der Soloflöte.

Denn die Selbstverständlichkeit der technischen Ausführung ermöglicht Gruberova das tönende Charakterporträt, eher reif, reflektiert, ehrlich und wissend als vordergründig debil und entrückt. Nur vermeintlich naiv die Vokalisen in der Arie der Orphélie aus „Hamlet“ von Ambroise Thomas, ebenfalls Zeugnis eines beunruhigenden Seelenzustands, Halluzinationen in Gruberovas breitem vokalen Farbspektrum, fast unmerklich die Registerüberblendungen, betörend ihr Legato. Nur Szene und Arie der Violetta aus Verdis erstem „Traviata“-Akt lagen für sie in einigen Ansätzen eine Spur zu tief.

Die Münchner Symphoniker wirkten von ihrer Energie angesteckt, spielten unter dem ukrainischen Dirigenten Andriy Yurke vych die orchestralen Zwischenepisoden von Donizettis trommelverwirbelter Ouvertüre zur Oper „Die Regimentstochter“ bis zu Amilcare Ponchiellis lieblichem „Tanz der Stunden“ solide bis mitreißend.

Im Zentrum freilich stand Gruberova, mit ihrer immer noch bravourösen Überformung des Virtuosen ins Expressive, auch bestechend, wenn es weniger turbulent zugeht, etwa in Vincenzo Bellinis Elvira-Arie aus dem zweiten Akt der „Puritaner“. Getragen wurde sie von nicht nachlassenden Publikums-Ovationen. So lange mögen jüngere Sopran-Stars erst einmal auf dem Zenit bleiben, so lange wie Gruberova, die „Leggenda“.

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