Viele Bauprojekte angestoßen

100-Tage-Interview mit Bürgermeister Alexander Böhn

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Rückblick auf die ersten 100 Tage Amtszeit: Bürgermeister Alexander Böhn an seinem Schreibtisch im Rathaus Hainstadt.

Hainburg -  Sein bisheriges Büro im Rathaus Hainstadt hat Alexander Böhn behalten, nur das Schild an der Tür geändert. Der Raum im Obergeschoss ist hell, aus den Fenstern schaut man auf den Dalles und die Ernst-Ludwig-Straße. Von Katrin Stassig 

Im Nebenzimmer hat schon Böhns Großonkel Joseph (der Bruder seines Opas väterlicherseits) als Bürgermeister gewirkt. 100 Tage ist Alexander Böhn (CDU), der vorher viereinhalb Jahre Erster Beigeordneter war, als Rathauschef im Amt. Im Interview spricht der 46-Jährige über seinen Arbeitsalltag, den Rathausneubau, die Pläne am Simeonstift, den Ärger um die Kinderfarm, die Entwicklung des Winter-Geländes, Personalpolitik und Wirtschaftsförderung.

Wie unterscheidet sich der Arbeitstag eines Bürgermeisters von dem eines Ersten Beigeordneten?

Die Umstellung war überschaubar. Ich war ganz froh, dass ich vieles schon wusste, was auf mich zukommt. Was deutlich mehr geworden ist, sind die Sorgen und Nöte der Bürger, die auf einen einprasseln. Man steht als Bürgermeister an vorderster Front.

Mit welchen Problemen kommen denn die Hainburger zu ihrem Bürgermeister?

Mit allem Möglichen. Wenn ein Schild umgefallen ist, wenn der Rasen nicht gemäht wurde, wenn Brombeeren irgendwo reinwachsen... Es sind auch Themen dabei, für die wir als Kommune gar nicht originär zuständig sind, etwa bei Betreuungsplätzen an Schulen. Ich versuche aber, das immer ernst zu nehmen, den Leuten zu helfen, ein Gespräch zu vermitteln.

Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser hat bei Ihrer Amtseinführung gesagt, ein Bürgermeister kommt eigentlich erst dann richtig zum Arbeiten, wenn der Rest der Verwaltung schon Feierabend hat. Ist das in Hainburg auch so?

Würde ich nicht sagen. Ruhe hat man erst, wenn die anderen nicht mehr da sind, wenn keiner mehr anruft. Ich denke, so hat sie das gemeint.

Wann fangen Sie morgens an?

Meistens so um 8.30 Uhr. Meine Kinder gehen ja noch in die Schule. Ich versuche, dass wir morgens etwa eine Stunde gemeinsame Zeit haben. Durch die vielen Abendveranstaltungen ist es oft schwierig, Zeit für die Familie zu finden, deshalb haben wir uns auf den Morgen eingependelt.

Hat der Bürgermeister noch Zeit für Hobbys?

Es ist weniger geworden. Ich versuche, dreimal die Woche laufen zu gehen. Zweimal klappt. Unter der Woche habe ich dann abends oft keine Lust mehr (lacht). Das finde ich ein bisschen schade. Ich wäre dieses Jahr zum zehnten Mal in Folge beim Brüder-Grimm-Lauf dabei gewesen. Die Veranstaltung war parallel zum Hainburger Markt – der war mir sehr wichtig. Aber ich hätte es auch vom Trainingspensum in diesem Jahr gar nicht geschafft. Die Kilometerleistung ist in den letzten beiden Jahren deutlich weniger geworden.

Wenn Sie die ersten 100 Tage Ihrer Amtszeit Revue passieren lassen: Welches Thema war das wichtigste?

Wir haben vieles angestoßen in dieser Zeit, viele Baumaßnahmen angefangen. Für den Rathausneubau den Architekten-Wettbewerb und den Kauf des fehlenden Grundstücks: Das war ein Meilenstein. Dass wir am Güterbahnhof mit der Sanierung vorankommen, war ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des gesamten Gebietes. Da wollen wir vielleicht den Park-und-Ride-Parkplatz erweitern. Der Wunsch kam in Gesprächen mit Anwohnern zur Sprache, und das würde sich dort auch anbieten. Bei der Radtour zum „Leitbild Mobilität“ haben wir gesehen, dass unser Bahnhof gut gestaltet ist. Ohne die anderen Kommunen schlechtreden zu wollen, aber den Bahnhof in Mainhausen hätte ich beinahe nicht erkannt, da er sehr versteckt außerhalb liegt... Und in Seligenstadt gibt es ja große Probleme durch die Grundstücksverhältnisse. Finanziell war sehr erfreulich, dass wir unsere Kassenkredite fast auf null fahren konnten. Da stehen wir wirklich solide da.

Noch mal zum Rathausneubau: Glauben Sie, dass Sie in dieser Amtszeit dort einziehen können?

Ja. Die Amtszeit geht ja sechs Jahre (lacht). Also, ich hoffe es sehr. Wir haben jetzt Angebote für den Architektenwettbewerb von Büros, die uns betreuen. Den Auftrag wollen wir in Kürze im Gemeindevorstand vergeben. Bei den Raumkonzepten sind wir auch einen Schritt weiter gekommen. Die Planung braucht ihre Zeit, die Baugenehmigung braucht ihre Zeit. Ich sage mal, so drei, vier Jahre sind realistisch, und dann habe ich ja noch zwei Jahre.

Ihr Vorgänger Bernhard Bessel hatte gehofft, dass er noch den ersten Spatenstich machen kann...

Er kann ihn ja auch als Ehrenbürgermeister machen (lacht). Er war da sehr euphorisch. Aber allein die Sache mit dem Grundstückskauf hat sich dann doch ein Jahr hingezogen. Da hatte ich die Hoffnung fast schon aufgegeben, dass wir das überhaupt kriegen.

Der Neubau hätte sonst weiter hinten stehen müssen?

Das wäre auch gegangen. Aber man hätte ein ganzes Stück mehr an Fläche Richtung Kreuzburghalle in Beschlag nehmen müssen. So haben wir mit relativ wenig Flächenverbrauch an einer verkehrsgünstigen Stelle eine Lösung gefunden.

Wie teilen Sie sich im Moment die Zeit zwischen den Rathäusern in Hainstadt und Klein-Krotzenburg auf?

Immer wenn ich früher hier in Hainstadt etwas in Ruhe machen konnte, muss ich jetzt nach Klein-Krotzenburg fahren (lacht). Hauptsächlich bin ich hier, und in Krotzenburg bisher donnerstags zur Abendsprechstunde und sonst so zwei Stunden jeden Tag. Das meiste habe ich hier, und ich versuche es hier abzuarbeiten. Christian Spahn kann mir jetzt einiges abnehmen, er wird ja die Finanzverantwortung übernehmen, was immer sehr aufgehalten hat. Für den Ablauf ist die Situation mit den zwei Rathäusern nicht förderlich, deshalb bin ich froh über die Zusammenlegung.

Stichwort Simeonstift: Was halten Sie von den Plänen, am Pflegeheim Mehrgenerationenhäuser zu errichten, und wie aussichtsreich sind diese?

Das ist eine spannende Sache. Es gibt Chancen und Risiken, es ist kein einfaches Projekt. Als reines Wohngebiet sehe ich es kritisch, mit sozialen Aspekten, mit Betreutem Wohnen kann ich es mir gut vorstellen. Wir werden noch mal Gespräche mit den Projektträgern führen, mit Martin Zentgraf vom Simeonstift und mit HZ-Bau, wie man da auf einen Nenner kommen könnte.

Bilder: Große Vielfalt beim Hainburger Markt  

Es gab zum Beispiel Kritik an der „Insellage“ dort.

Ja. Die Kritik bezog sich einmal auf die Verkehrserschließung, dann auf die Insellage – wie wächst das zusammen und nimmt man sich Erweiterungsflächen für das Altenwohnheim? Eine breite Basis zu finden, erscheint mir noch schwierig. Letztlich entscheidet die Gemeindevertretung über ein Bebauungsplanverfahren. Und da sind nicht alle überzeugt.

Es ging unter anderem um Kitaplätze. Das ist ein grundsätzliches Thema, auch im Zusammenhang mit weiteren Bauprojekten wie in der Neuen Ortsmitte oder an der Carl-Ulrich-Straße...

Da müssten wir Gespräche führen, ob vielleicht bei der Kita Tabaluga eine Erweiterung möglich wäre. Da werden wir nicht drumherum kommen, wenn dieses Projekt kommen sollte. Wir wollen in der evangelischen Kita am Kiefernhain kurzfristig noch zwei Gruppen einrichten. Da wird es einen Anbau geben. Die Arche Noah wird im Bestand erweitert. Inwieweit man dort das frei werdende Gebäude für Hort- oder Kitaplätze nutzen kann, müssen wir schauen. Der Bedarf ist riesig, aber das ist in allen Kommunen so. Das wird eine Aufgabe sein, die uns die nächsten Jahre beschäftigt.

Das ausführliche Interview lesen Sie in unserer heutigen Printausgabe der Offenbach-Post.

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