Corona: Kritik an Kommunikation und Bürokratie

Ärzte im Ostkreis Offenbach sind bereit fürs Impfen

Axel Althen, Verena Osterheld, Heike Zaigler, Wolfgang Albrecht und Oliver Düll (von links)
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Würden lieber heute als morgen anfangen zu impfen: Axel Althen, Verena Osterheld, Heike Zaigler, Wolfgang Albrecht und Oliver Düll (von links).

In Kürze sollen auch die Hausärzte in Deutschland impfen dürfen. „Wir sind bereit“, signalisiert Dr. Axel Althen, Allgemeinmediziner mit Praxis in Hainstadt.

Hainburg/Seligenstadt – Wenn es nach Dr. Axel Althen und seinen Kollegen ginge, dann hätten die Hausärzte längst diesen Part im Kampf gegen das Corona-Virus übernommen - und nicht die Impfzentren. Das Pressegespräch findet im großzügigen Wartezimmer von Althens Praxis statt, neben ihm sind Dr. Heike Zaigler aus Seligenstadt, Dr. Verena Osterheld, mit der er zusammen die Praxis betreibt, Oliver Düll aus Froschhausen und Dr. Wolfgang Albrecht aus Heusenstamm-Rembrücken dabei. Sie gehören einem lockeren Verbund von Hausärzten aus der Region an, treffen sich zu Stammtischen, pandemiebedingt seit einem Jahr aber nur noch virtuell.

Sie alle haben ein Ziel: Mit Hilfe der Impfung die Pandemie so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen und zu beenden. „Wir wollen auf diese Weise unsere Normalität zurückhaben“, beschreibt Althen die Motivation der Runde.

Corona: Hainstädter Mediziner hält Hausärzte für besser geeignet als Impfzentren

Die Hausärzte seien für eine schnelle Durchimpfung der Bevölkerung besser geeignet als die Mediziner in den Impfzentren, sagt der Hainstädter Mediziner, der selbst in einem Impfzentrum an der Bergstraße aushilft und dort am Sonntag zehn Stunden im Einsatz war. „Wir haben auch die Kompetenz“, sagt Althen, der - wie seine Kollegen - das Impfen als „Kerngeschäft“ bezeichnet. Auch hätten die Patienten zu ihren Hausärzten über Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und kämen mit Fragen zu ihnen. Der Arzt kenne seine Patienten, wisse um ihre gesundheitlichen Defizite und könne so viel schneller agieren als die Kollegen in den Impfzentren, die erst alles erfragen müssten.

„Wir sind Vertrauenspersonen“, betont auch Heike Zaigler und verweist zudem auf die Impfroutine der Ärzte. Althen und seine Kolleginnen und Kollegen fordern eine schnelle und unbürokratische Abwicklung der Massenimpfung. Das Abrechnungssystem sei extrem aufwendig, dabei gehe viel Zeit verloren. Und nach Ansicht der Mediziner drängt die Zeit, denn Erkrankungen wie Depressionen als Folge der seit einem Jahr währenden, zum Teil massiven Eingriffe, seien auf dem Vormarsch. Sie betreffen alle Altersgruppen, sagt Althen, auch die Jugendlichen, die seit Monaten nur noch virtuell unterrichtet werden.

Corona: Mediziner aus Ostkreis Offenbach kritisieren den mangelnden Informationsfluss

Doch der Dynamik der Ärzte steht die Statik des Systems gegenüber. Die Mediziner kritisieren den mangelnden Informationsfluss: „Die neuesten Entwicklungen erfahren wir meist erst aus der Zeitung oder anderen Medien“, sagt Wolfgang Albrecht. „Mehr Desinformation als im vergangenen Jahr habe ich noch nie erlebt“, kritisiert er die Kassenärztliche Vereinigung. So würden dort Fragen diffus oder gar nicht beantwortet, weil niemand Bescheid wisse.

Groß sei auch der logistische Aufwand zur Unterhaltung der Impfzentren, meint Wolfgang Albrecht. Ein „Hemmschuh“ sei bisher die Kühlung der Impfstoffe gewesen, doch könnten die Praxen das mittlerweile bewältigen. „Viele Patienten warten darauf, dass ihr Hausarzt sie impft“, weiß Albrecht.

Nur geringe Mengen von Impfdosen in den Hausarztpraxen

Den Impfdosen, von denen den Hausarztpraxen zunächstur Verfügung stehen - die Rede ist von 20 pro Woche, also vier pro Tag - steht die große Nachfrage gegenüber. „Da stehen wir vor der Frage: Wie priorisieren wir das? Wer ist der Erste?“, gibt Verena Osterheld zu Bedenken.

Der Ruf des Impfstoffs von AstraZeneca ist nach Axel Althens Ansicht „schwer beschädigt“, nachdem die Regierung die Verwendung in der vergangenen Woche mit Verdacht auf Nebenwirkungen gestoppt hatte. Das habe sich im Impfzentrum, in dem er tätig ist, bemerkbar gemacht, fügt Althen hinzu. 280 von 400 angemeldeten Personen seien nicht zum Termin erschienen, sagt der Mediziner, der selbst bereits eine Impfdosis AstraZeneca bekommen hat.

Ärzte aus dem Ostkreis Offenbach glauben nicht an eine gesetzliche Impfpflicht

Die Ärzte sind im Übrigen sicher, dass der viel und kontrovers diskutierte elektronische Impfpass kommen wird. An eine gesetzliche Impfpflicht glauben sie nicht, das sei juristisch schwer durchzusetzen.

Allerdings glauben sie auch, dass ungeimpfte Menschen Einschränkungen hinnehmen müssen. Kinobesuche könnten ihnen beispielsweise verwehrt werden, wenn der Besitzer auf sein Hausrecht pocht und nur Geimpfte die Pforte passieren lässt.

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