Interview mit Cliff Hollmann (Grüne)

Anträge unter neuer Flagge

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Cliff Hollmann ist seit 2011 Fraktionsvorsitzender der Grünen in Hainburg.

Hainburg - Kita-Plätze, Kinderfarm oder Rathausneubau: Etliche Themen werden in Hainburg derzeit kontrovers diskutiert. Von Katrin Stassig 

Wir nutzen die kurze politische „Herbstpause“ für eine Interview-Serie mit den vier Fraktionsvorsitzenden, denen wir jeweils sieben gleichlautende Fragen gestellt haben. Die Antworten veröffentlichen wir in loser Folge. Den Anfang macht Cliff Hollmann (Grüne).

Etwa eineinhalb Jahre sind seit der Kommunalwahl 2016 vergangen. Welche Ziele aus Ihrem Wahlprogramm konnten Sie bisher umsetzen?

Obgleich die von uns priorisierten Themen Naturschutz, Energiewende, Wirtschaftsförderung, Verkehr und Kitaausbau allgemeine Zustimmung erfahren, gehört es leider zur Hainburger Tradition, dass konkrete Umsetzungsvorschläge erst mit einer Bedenkzeit von mehreren Jahren unter „anderer Flagge“ beschlossen und umgesetzt werden. Aktuelle Beispiele sind der Umbau zu barrierefreien Bushaltestellen, die zügige Umstellung der Straßenbeleuchtung auf stromsparende LED, die Einrichtung von Kreiselverkehr und die weitere Renaturierung des Werniggrabens.

Welches ist aus Sicht Ihrer Fraktion das wichtigste Thema für Hainburg in der aktuellen Legislaturperiode?

Thema Nr. 1 ist sicherlich der dringend erforderliche Ausbau der Kitaplätze, dicht gefolgt vom Abbau teurer Doppelstrukturen (Rathaus, Kläranlagen, ggfs. Feuerwehrhäuser) und der Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes.

Das ehemalige Winter-Gelände in Hainstadt soll nach Jahren des Stillstands endlich entwickelt werden. Vieles läuft derzeit noch im Hintergrund, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Was würden Sie sich für das Areal wünschen, welche Chancen, welche Risiken sehen Sie bei der Entwicklung?

Richtig ist, dass ein Investor das 35.000 Quadratmeter große Areal Offenbacher Landstraße 109-111 im September letzten Jahres vom Insolvenzverwalter der Firma Winter erworben hat. Bis heute ist allerdings nicht erkennbar, inwieweit nennenswerte Arbeitsplätze am Ort bzw. Gewerbesteuereinnahmen geschaffen werden. Wir halten weiterhin eine Beplanung des gesamten 16,8 Hektar großen Gewerbegebietes in enger Abstimmung mit den Eigentümern und der Unterstützung eines professionellen Entwicklers für den richtigen Weg. Bezüglich des Areals „Auf das Loh“ unterstützen wir die derzeitigen Planungen eines Nahversorgungszentrums, da hiermit Verkehr reduziert wird und Kaufkraft im Ortsteil bleibt.

Viele Diskussionen gab es in den vergangenen Monaten zum Thema Kita-Plätze. Wäre es nicht doch an der Zeit, dass die Gemeinde in eine eigene Kindertagesstätte investiert, um den Bedarf noch besser abzudecken?

Zunächst ist richtigzustellen, dass sämtliche Hainstädter und zukünftige Kindertagesstätten von der Gemeinde errichtet und damit „eigene Kitas“ sind. Verschiedene Träger werden mit der Verwaltung der Kitas beauftragt. Hinsichtlich der Bedarfsdeckung ist zum einen die Erweiterung der Kita Am Kiefernhain zügig anzugehen, zum anderen bleibt zu hoffen, dass die geplante private Kita an der Kurt-Schumacher-Straße 21 bald errichtet wird. Andernfalls ist durch die innerörtliche Nachverdichtung und dem damit verbundenem Zuzug weiterer Familien der Bau einer weiteren Kita – ggfs. in kommunaler Trägerschaft – eine sinnvolle Option.

Die Grünen versuchen, in der Gemeindevertretung eine Mehrheit für die Kinder- und Jugendfarm zu erreichen. An sich ein schönes Projekt, dessen Umsetzung suboptimal gelaufen ist. Welche Chancen sehen sie für das Vorhaben?

Die Einrichtung einer Kinder- und Jugendfarm nach dem Vorbild in anderen Kreiskommunen wurde seit einigen Jahren von einem Arbeitskreis interessierter Eltern an unterschiedlichen Plätzen vorgeschlagen. Da grundsätzlich Konsens besteht, dass das Projekt sinnvoll und unterstützenswert ist, hoffen wir im Hinblick auf das bestens geeignete Areal an der Wiesenstraße auf die Einsicht der Mehrheitsfraktion. Eine Umwidmung des am Rande des Landschaftsschutzgebietes befindlichen „Weidelandes“ in „Spielfläche“ ist weitaus einfacher zu realisieren als zum Beispiel die von uns seinerzeit mitgetragene Umwidmung des Kolpinggeländes (Paradies) im Klein-Krotzenburger Mainbogen.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen in der Gemeindevertretung?

Auch wenn die demokratischen Spielregeln eingehalten werden, verschließt sich die Mehrheitsfraktion CDU bislang weitgehend einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit zukunftsgerichteten Ideen und Anträgen. Immerhin ist jüngst zu beobachten, dass unsere Anträge nach dem Prinzip „copy and paste“ eine wundersame Wandlung zu CDU-Änderungsanträgen erfahren. Beispiele sind die Lärmreduzierungsmaßnahmen an der Offenbacher Landstraße, die (weitere) Renaturierung des Werniggrabens und die Errichtung von Fotovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Dächern (zum Beispiel auf dem Feuerwehrhaus Klein-Krotzenburg).

Nehmen wir an, die Gemeinde erhält eine Million Euro zur freien Verfügung: Wofür würden Sie das Geld verwenden?

Wir würden zunächst die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED finanzieren, da aus dieser sinnvollen Klimaschutzmaßnahme unmittelbar Einsparungen im Haushalt der Gemeinde resultieren. Den Restbetrag würden wir für den Ausbau der Kita Am Kiefernhain, für den auf die Gemeinde entfallenen Kostenanteil der Errichtung des Kreisels an der Kreuzung Landesstraße/Daimlerstraße, den Bau von Fotovoltaikanlagen sowie für die Planungskosten der Renaturierung des Werniggrabens verwenden.

Bilder: Alexander Böhn ist neuer Bürgermeister

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