Entwurf aus Frankfurt überzeugt die Preisrichter

Architektenwettbewerb zum Rathausneubau in Hainburg

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Der großzügige Eingangsbereich mit Vorplatz ist in der Visualisierung des Siegerentwurfs zu sehen. Im Obergeschoss befindet sich an dieser Ecke das Bürgermeister-Büro.

Hainburg - Mehr als 40 Jahre nach der Gebietsreform baut die Gemeinde Hainburg ein neues, gemeinsames Rathaus. Nach der Entscheidung für den Sieger des Architektenwettbewerbs gibt es nun auch eine Vorstellung davon, wie das Verwaltungsgebäude einmal aussehen wird. Von Katrin Stassig 

Am Ende des Tages sind sich die Preisrichter einig, und die Entscheidung für den Sieger fällt einstimmig aus. Das Büro „Studio Bornheim“ (Unger und Ritter) belegt den ersten Platz beim Architektenwettbewerb für den Rathausneubau der Gemeinde Hainburg. Glückliche Fügung: Trotz europaweiter Ausschreibung und anonymer Beurteilung der Modelle kommt der Siegerentwurf aus Frankfurt, was bei der Umsetzung kurze Wege ermöglicht und die Zusammenarbeit erleichtert. Das Modell der Bornheimer Architekten bringt alle ins Schwärmen. Bei dem Entwurf habe einfach alles gepasst, alle Kriterien, die in der Auslobung genannt sind, habe das Büro erfüllt. Architekt Ferdinand Heide (Frankfurt), der das Preisgericht als Vorsitzender durch den Tag geführt hat, erläutert beim abschließenden Pressegespräch im Vereinsheim der Musikgesellschaft Eintracht die Vorzüge, mit denen der Entwurf überzeugt hat.

Blick auf das Rathaus-Modell und die Umgebung (von links): Gemeindevertretervorsteher Oliver Möser, Erster Beigeordneter Christian Spahn, Bürgermeister Böhn und Brigitte Holz.   J Foto:

Der zweigeschossige Bau bündelt wichtige Funktionen im Erdgeschoss. Dort befinden sich ein großzügiges Eingangsfoyer, ein Multifunktionssaal (für Besprechungen, Veranstaltungen und Ausstellungen) und das Bürgeramt. Im Obergeschoss sind die Büros der Verwaltung und das Trauzimmer untergebracht. Heide spricht von einer innovativen und gleichzeitig zeitgemäßen Lösung, einem repräsentativen wie auch funktionalen Gebäude. Eine Besonderheit sind die zwei Innenhöfe, von denen der größere im Untergeschoss geöffnet ist und in den Vorplatz an der Kirchstraße übergeht.

Den zweiten Platz belegen die Architekten Dannheimer & Joos aus München mit einem ganz anderen Vorschlag: Dieser Entwurf sieht einen vierstöckigen, kompakten Bau vor. Durch offene Treppen und Galerien fällt ebenfalls viel Licht ins Gebäude. Minuspunkte gibt es bei Brandschutz und Fluchtwegen und letztlich auch aufgrund der Größe des Gebäudes. Die Preisrichter sind der Meinung, dass eine zweigeschossige Lösung ausreicht und angesichts der Grundstücksgröße von 6200 Quadratmetern gut zu realisieren ist. Zwei Geschosse sieht auch Platz drei (Muffler Architekten aus Tuttlingen) vor. Allerdings wäre dieses Gebäude – ein Massivbau mit dunkler Klinkerfassade – sehr großflächig, wodurch viel Grünfläche wegfallen würde. Auch der Eingang an der verkehrsreichen Landesstraße ist nach Ansicht der Jury nicht optimal.

Platz zwei: Die Architekten Dannheimer & Joos aus München haben einen vierstöckigen, kompakten Bau mit Eingang an der Kirchstraße entworfen.

Den architektonischen Realisierungswettbewerb hat das Planungsbüro Freischlad und Holz aus Darmstadt im Auftrag der Gemeinde ausgeschrieben. Aus 80 Bewerbern – auch aus Island oder Spanien waren Interessenten dabei – wurden 20 für die Teilnahme am Wettbewerb ausgewählt. Wie Diplom-Ingenieurin Brigitte Holz erläutert, war neben der Qualität der Bewerbungen ein entscheidendes Kriterium, dass die Büros schon einmal für einen öffentlichen Auftraggeber gebaut haben. Schließlich gehe es, bei aller Bescheidenheit der Gemeinde, nicht um ein kleines Haus.

14 der 20 ausgewählten Büros haben schließlich Beiträge eingereicht. „Als die Pakete im Bauamt ankamen, war das wie Weihnachten“, erzählt Bürgermeister Alexander Böhn (CDU). Geöffnet werden dürften die „Geschenke“ noch nicht. Erst am Dienstag zur Sitzung der Preisrichter hat Böhn als Mitglied der Jury die Modelle zu Gesicht bekommen. Zu den elf stimmberechtigten Mitgliedern zählten neben Fachleuten (Architekten, Ingenieure) auch die Fraktionsvorsitzenden aus Hainburg. Ehrenbürgermeister Bernhard Bessel nahm als Gast an der Diskussion teil.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Platz drei: Der Vorschlag des Architektenbüros Muffler aus Tuttlingen sieht einen zweigeschossigen Bau mit Klinkerfassade und Eingang an der Landesstraße vor.

„Heute Morgen war ich nicht überzeugt, dass wir uns auf einen Sieger einigen können“, räumt Böhn am Abend ein. Aber zum Schluss sind sich dann doch alle einig: „Das ist das, was wir uns hier in Hainburg vorstellen.“ In mehreren Rundgängen haben die Preisrichter die Modelle begutachtet und diskutiert und letztlich fünf davon für die Endrunde ausgewählt. Zwei Anerkennungspreise gehen an die Architektenbüros „Bau EINS“ aus Kaiserslautern und „wittfoht“ aus Stuttgart. Mit den drei Erstplatzierten wird die Gemeinde in einem Monat Gespräche führen. Dass der Siegerentwurf gebaut werden sollte, ist eigentlich unstrittig. Die endgültige Entscheidung soll jedoch erst nach dem persönlichen Kontakt fallen. Schließlich müssen beide Parteien für die Dauer des Verfahrens (etwa drei Jahre) eng zusammenarbeiten.

Wenn alles gut läuft, könnte bereits in etwa einem Jahr der erste Spatenstich für den Neubau auf der „Postwiese“ erfolgen. Zirka 50 Mitarbeiter werden künftig in dem neuen Gebäude arbeiten. Aktuell ist die Verwaltung auf fünf Liegenschaften verteilt. Die zwei Rathäuser gelten als nicht mehr zeitgemäß, sind unter anderem nicht barrierefrei.

Die Wettbewerbsbeiträge sind bis Montag, 23. April, im Vereinsheim der Musikgesellschaft Eintracht (Kanalstraße 54) ausgestellt. Geöffnet ist täglich von 15 bis 18 Uhr. Mitarbeiter der Verwaltung sind als Ansprechpartner vor Ort.

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