Autorin Saléa Washausen stellt Erstlingswerk vor

Zeitreise nach Waterloo

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Mit dem historischen Roman „Centurydancer“ hat die Hainstädterin Saléa Washausen ihr Erstlingswerk veröffentlicht.

Hainburg - Ihr Waterloo erlebt haben knapp 20 Bücherfreunde in der Hainstädter Gemeindebücherei. Was Saléa Washausen rund eineinhalb Stunden lang im ehemaligen Schwesternhaus an der Liebfrauenheidestraße präsentierte, sah freilich nicht nach einer Niederlage aus:

Mit „Centurydancer“, einem historischen Roman vor dem epischen Hintergrund der napoleonischen Kriege, ist die 21-jährige Studentin aus Hainstadt nicht nur Romanautorin, sondern auch ihre eigene Verlegerin geworden. Kaisergold und Herzogseisen - so der Untertitel des 572 Seiten starken Werks - prallen bei Saléa Washausen zwar in einer Traumwelt aufeinander, geschichtliche Details, Gestalten und Schauplätze aber verraten die angehende Historikerin. Im zweiten Semester studiert die Hainstädterin derzeit in Gießen Geschichte und evangelische Theologie. Ihr Buchprojekt „Centurydancer“ ist älter, die Anfänge reichen fünf Jahre zurück. Mehrere Anläufe habe sie gebraucht, um ihre Geschichte auf den richtigen Kurs zu bringen, verriet Saléa Washausen.

Als historische Figur habe Napoleon sie schon als Kind fasziniert, bekannte die Jung-Autorin. Was seine Eroberungszüge für die damalige Welt bedeuteten, habe sie erst nach und nach verstanden. Anfangs habe sie versucht, ihre Liebesgeschichte ohne tiefere Recherchen lediglich vor der historischen Kulisse aufzubauen: Die britische Historikerin Julia Green, aus deren Traum eine Zeitreise wird, begegnet auf den europäischen Schlachtfeldern des frühen 19. Jahrhundert der Liebe ihres Lebens. Romantik und ein Talent für Sprachbilder prägen auch den Charakter des fertigen Buchs.

Die da handeln, fühlen, leiden und kämpfen, passen freilich in ihre Zeit. Bevor sie ihren ersten Einstieg verwarf und an den Neustart ging, hat Washausen Geschichtsbücher und Biografien verschlungen. Zugang fand sie schließlich nicht über Napoleon oder seine Marschälle, sondern über den Herzog von Wellington, der dem Franzosenkaiser mit Erfolg Paroli bot. In seinem Stab erlebt der Leser die Schicksalsschlacht von Waterloo mit, in der auch die Zeitreisende eine Rolle bekommt.

Ebenso spannend wie diese gewaltigen Szenen schilderte die Autorin, die ihr gesamtes Werk mit unzähligen Bleistiften auf Notizblöcken schrieb, ihren eigenen Endspurt: Über Wochen habe sie sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert und fast ununterbrochen geschrieben - denn es gab ein Ziel: Den letzten Punkt setzte Washausen am späten Abend des 18. Juni 2015 - exakt 200 Jahre nach Ende der Schlacht bei Waterloo.

Zu den Lesern kommt das handwerklich verfasste Drama mit seinen klassischen Schauplätzen und Akteuren auf zeitgemäßer Schiene: Statt die etablierten Verlage abzuklappern und um Konditionen zu feilschen, entschied sich Washausen für das Selfpublishing - den Selbstverlag - über das Online-Portal Books on Demand, das gedruckte Bücher oder E-Books nach Bedarf produziert und vorwiegend über den Buchhandel vertreibt.

Wie das vor sich geht, hatte die Autorin bereits Anfang März beim After-Work-Talk in der Bücherstube Klingler erläutert. Über ihre Geschichte habe sie dabei kaum sprechen können - deshalb die Lesung in der Gemeindebücherei, deren Leiterin Birgit Krieger-Schmid übers Jahr weitere Veranstaltungen folgen lassen will. So kommt am 28. April Hannelore Rüsch, ebenfalls eine Hainstädter Autorin, die über ihr Leben mit ihrem behinderten Sohn geschrieben hat. Am 24. Juni gibt es eine musikalische Lesung, am 29. Juni stellt Antje Herden in Zusammenarbeit mit der Johannes-Gutenberg-Schule ihr Buch „Anton und Marie und die wahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeiten“ vor. Bis Jahresende folgen ein Erzählkonzert und eine weitere musikalische Lesung.

Unterdessen ist die Schriftstellerin Saléa Washausen wieder an der Arbeit, wenn auch, wie sie sagt, mit verhaltenem Tempo. Vorrang habe erst einmal das Studium, in der Freizeit beanspruche auch ihre betagte Stute „Mausi“ Zeit und Aufmerksamkeit. Dennoch: Geschrieben wird weiter. Wahrscheinlich bekommt „Centurydancer“ eine Fortsetzung. (rdk)

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