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Frust in der Kreuzburghalle: „Die kostenpflichtigen Tests waren ein Fehler“

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Von: Julia Oppenländer

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Testen wie am Fließband in Klein-Krotzenburg: Mitarbeiter Franziska Heilmann und Vishwas Gahandi (rechts) sowie ihr Chef Sonel Kapoor.
Testen wie am Fließband in Klein-Krotzenburg: Mitarbeiter Franziska Heilmann und Vishwas Gahandi (rechts) sowie ihr Chef Sonel Kapoor. © Oppenländer

Das Testzentrum in der Klein-Krotzenburger Kreuzburghalle hat seit April dieses Jahres geöffnet – und hinter Betreiber Sonel Kapoor vom Unternehmen The Health Store Germany und seinen Mitarbeitern liegen anstrengende Monate. Grund ist das ständige Hin und Her bei der Bezahlung der Corona-Tests.

Hainburg - „Im Mai hatten wir insgesamt 5 000 Testungen“, sagt Sonel Kapoor. Der Unternehmer betreibt das Corona-Testzentrum in der Kreuzburghalle. Doch nachdem die Corona-Tests seit dem 11. Oktober wieder selbst bezahlt werden mussten, brachen die Zahlen auch in Klein-Krotzenburg ein. „In diesem Monat waren es nur noch 2 000 Tests“ – und zahlreiche frustrierte Bürger. „,Sie zwingen uns zum Impfen, weil die Tests jetzt Geld kosten’ oder ,Die Gesellschaft wird gespalten, weil man gezwungen wird zum Testen’ sind so ein paar Aussagen, die meine Mitarbeiter sich anhören durften“, sagt der Unternehmer. Es habe öfter angespannte Situation gegeben.

Inzwischen können sich Bürger wieder kostenlos testen lassen. Damit ist parallel zu den Corona-Fallzahlen der Zulauf im Testzentrum massiv gestiegen. „Mittlerweile kommen mehr als 200 Leute am Tag zu uns, am vergangenen Wochenende haben wir sogar erstmals die 400 geknackt“, sagt der Betreiber.

Betreiber von Testzentrum in Hainburg macht auch Politik für hohe Corona-Zahlen verantwortlich

Der Ansturm stellt auch das Team vor Herausforderungen. Wenn er das im Buchungsportal sieht, springt Kapoor selbst ein und unterstützt seine Mitarbeiter. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass noch mal solche Monate kommen. Ich dachte, im Sommer ist es vorbei.“ Dass die Zahlen so durch die Decke gehen, dafür macht der Testzentrum-Betreiber großenteils die Politik verantwortlich. „Es war ein Fehler, die Tests kostenpflichtig zu machen“, ist er überzeugt. Viele positive Fälle zwischen Mitte Oktober und Mitte November seien nicht entdeckt worden, weil sich viele Menschen nicht getestet hätten. Sei es aus finanziellen oder anderen Gründen, so der Unternehmer. „Diese Menschen waren unterwegs und haben andere womöglich angesteckt. Genau deshalb sind wir da, wo wir gerade sind.“

Schuld an der aktuellen Lage seien dennoch nicht nur die Politiker. „Die sind am Ende des Tages auch nur Menschen – und haben die Entscheidung eben so getroffen. Im Nachhinein weiß man es besser. Aber wer weiß, ob jeder von uns das besser machen würde“, sagt Kapoor. Er sieht deshalb auch die Bürger in der Verantwortung. Viele seien zu lange uninformiert gewesen und hätten sich in einer falschen Sicherheit gewogen. „Denn geimpft kann man das Coronavirus genauso weitergeben – selbst wenn man keine Symptome hat. Viele dachten, sie sind geimpft aus dem Schneider.“ Er sei deshalb ein Fan des 2Gplus-Konzepts, denn auch die Zahl der positiven Tests bei Geimpften steige.

Getestete lassen ihren Frust auch bei den Mitarbeitern in Hainburg aus

In Klein-Krotzenburg bekommen seine Mitarbeiter oft den Frust der Getesteten ab. Mal ist die Schlange zu lang, mal wird sich über die aktuelle Regelung beschwert. „Aber da muss man die Leute eben abholen und Klarheit schaffen: Wir machen die Regeln nicht, sondern setzen sie nur um“, sagt Sonel Kapoor. „Das ist wie in den Geschäften, wo seit dieser Woche auch die 2G-Regel gilt, aber die Verkäufer angemotzt werden.“

„Bei unseren Schulungen tauschen wir uns untereinander aus, das hilft“, sagt Mitarbeiter Vishwas Gahandi. Und seine Kollegin Franziska Heilmann ergänzt: „Klar kann das schon mal anstrengend sein, aber die meisten, die zu uns kommen, sind wirklich nett und freundlich.“

Sowieso gebe es immer Leute, die man nicht zufrieden stellen könne – egal ob die Tests etwas kosten oder nicht, so Kapoor. Viel größere Sorgen bereiten ihm die kommenden Wintermonate, in denen die Zahlen weiter steigen, davon ist er überzeugt: „Wir merken das jetzt schon, aber das wird noch schlimmer.“ (Von Julia Oppenländer)

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