Jan Costin Wagner stellt neuen Krimi vor

Erst Hainstadt, dann Berlin

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Heimspiel: Jan Costin Wagner liest in Hainstadt aus seinem neuen Krimi „Sakari lernt, durch Wände zu gehen“.  

Hainburg - Mit „Sakari lernt, durch Wände zu gehen“ ist gestern der sechste Roman von Jan Costin Wagner um den finnischen Ermittler Kimmo Joentaa erschienen. Am Abend vorher hat der Autor das Buch bei einer Lesung im Musikzentrum St. Gabriel in seinem Wohnort Hainburg vorgestellt. Von Katrin Stassig 

Seine Eingangsbemerkung, das stellt Jan Costin Wagner zum Ende seiner Lesung noch einmal klar, war natürlich nicht ganz ernst gemeint. „In den ersten sieben Zeilen ist eigentlich der ganze Roman schon erzählt, und man muss streng genommen nicht mehr weiterlesen“, so lauteten seine Worte. Aber natürlich erschließt sich die Bedeutung des ersten Absatzes erst, wenn man das Buch komplett gelesen hat. Dann ergeben diese Sätze einen Sinn: „David löscht die Sonne aus. Magnus und Stefan spielen Leben, Aune und Valtteri stehen Hand in Hand, Leena tanzt mit dem Tod. Sakari lernt, durch Wände zu gehen.“

Elf Protagonisten führt der Autor in den ersten Zeilen ein. Die Schlüsselfigur ist Sakari, der gleich im ersten Kapitel stirbt. Petri Grönholm, ein Kollege von Kommissar Kimmo Joentaa, erschießt den jungen Mann, der nackt und mit einem Messer bewaffnet in einem Brunnen auf dem Marktplatz von Turku steht. Im ständigen Perspektivwechsel erzählt der Roman, wie es zu dieser Szene kam und was den 19-jährigen Sakari zu dieser Handlung trieb. Wagners Sprache ist gewohnt klar und bildhaft-poetisch zugleich. Der Moment des Todes am Ende des ersten Kapitels klingt so: „Sakari einigt sich mit der vielstimmigen Melodie hinter seiner Stirn auf einen Moment der Stille.“

Jan Costin Wagner liest an diesem Mittwochabend auf Einladung der Büchertube Klinge in Hainstadt. Zum siebten Mal, wie Buchhändlerin Claudia Becker-Klingler in ihrer Begrüßung rekapituliert. Das ist kein Zufall, denn für den Schriftsteller ist es ein Heimspiel. Von Hainburg, seinem Wohnort, geht es am nächsten Tag in die Hauptstadt Berlin, wo er das Werk am offiziellen Erscheinungstag vorstellt. „Sakari lernt, durch Wände zu gehen“ ist Wagners achter Roman und der sechste um den finnischen Kommissar Kimmo Joentaa.

Die Bücherstube Klingler ist zum ersten Mal mit einer Lesung im ehemaligen Kloster St. Gabriel zu Gast. Der Raum im heutigen Musikzentrum ist mit Klavier und Scheinwerfern ausgestattet – optimal für eine Lesung mit Wagner, der seine Auftritte schon immer selbst musikalisch untermalt. Er singt auch, arbeitet derzeit an einem Album, das „irgendwann erscheint“, wie er scherzhaft ankündigt. „Das Problem ist, dass ich jede Woche einen neuen Song schreibe und der Produzent sehr nett ist und weitermacht, obwohl wir eigentlich längst fertig sein wollten.“ Viele der Stücke auf „thief of a moon“ sind inhaltlich eng mit dem neuen Buch verknüpft.

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

In der Pause gibt es finnische Häppchen und finnisches Bier im Flur des Musikzentrums; Wagner signiert derweil bereitwillig Bücher. Der Raum ist bis auf einzelne Restplätze voll besetzt. Zum Abschluss der Lesung fordert der Autor sein Publikum gut gelaunt auf, Fragen zu stellen, erläutert zum Beispiel, warum die Handlung des Krimis zehn Jahre nach dem letzten Kimmo-Roman spielt. Über den letzten Satz eines Buches hinaus wisse er eigentlich nie, wie es weitergeht. Der Vorgänger „Tage des letzten Schnees“ (2014) schloss mit der Geburt von Kimmo Joentaas Tochter Sanna. Bei der Idee zum nächsten Roman habe er die beiden als glückliche Familie vor sich gesehen, als Gegengewicht zu den anderen Figuren, die mit Schicksalsschlägen kämpfen müssen. Und für das freundschaftlich-liebevolle Verhältnis zwischen Vater und Tochter musste Sanna eben schon etwas älter sein.

Weitere Lesetermine mit Wagner in der Region: 22. November, 19.30 Uhr, Romanfabrik in Frankfurt; 5. Dezember in Groß-Umstadt („Goldene Krone“); 26. April 2018 in Hanau (Buchladen am Freiheitsplatz).

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