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Wilderei im Ostkreis: Täter schwer zu fassen

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Von: Julia Oppenländer

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Von wilderndem Hund gerissen: Anfang Mai wird dieses Reh entdeckt.
Von wilderndem Hund gerissen: Anfang Mai wird dieses Reh entdeckt. © Privat

Im Ostkreis gibt es ein Problem mit Wilderei. Vor allem reißende Hunde seien ein Problem – und können im Notfall erschossen werden, wie ein Wildmeister erzählt.

Ostkreis – Der Mord an zwei Polizisten bei der Kontrolle von zwei Wilderern Ende Januar in Rheinland-Pfalz hat das Land erschüttert. Doch Wilderei ist auch andernorts ein Thema, auch im Ostkreis: So berichtete die Polizei erst kürzlich über einen Fall, bei dem eine Nilgans mit einer Armbrust beschossen wurde. Der Bolzen steckte noch im Tier.

„Wir haben bei uns schon immer Wilderei gehabt“, sagt auch Wildmeister Klaus Burow. Er ist Berufsjäger und als Jagdaufseher für Seligenstadt und Klein-Krotzenburg zuständig. „Es wurde auch schon versucht, mit Pfeilen ein Wildschwein zu schießen.“ Mit der traditionellen Jagd habe das nichts mehr zu tun, „das ist Tierquälerei“.

Ähnlich verwerflich sieht er die Schlingen-Wilderei. Dabei werde unter anderem mit einem Draht gejagt, in den das Tier reingeht und sich der Draht zuzieht. „Die Tiere werden stranguliert und gehen elendig zugrunde“, so der Berufsjäger. „Aber hatten wir alles schon hier.“ Weil es wie die Armbrust- und Pfeil-Wilderei lautlos ist, sind die Täter schwer zu fassen.

Wilderei durch Hunde im Ostkreis des Kreises Offenbach ein Problem

Ein viel größeres Problem sieht Winfried Winter, Jagdpächter in Seligenstadt, allerdings bei der Wilderei durch Hunde. „Inzwischen gibt es in Seligenstadt etwa dreimal mehr Hunde als noch vor zehn Jahren. Und diese reißen auch eindeutig mehr Wild“, sagt er. Ihre Opfer seien vor allem junge, unerfahrene Rehe und Hasen. „Ein wildernder Hund wird aber sofort als gefährlich eingestuft – und muss laut Ordnungsamt dann lebenslang einen Maulkorb tragen.“ Und das Gesetz geht sogar noch weiter: „Wenn wir sehen, dass ein Hund hinter einem Wildtier herjagt, sind wir sogar dazu berechtigt, den Hund zu beschießen“, so Winter. „Auch wenn wir das bei uns nicht machen.“

Klaus Burow wiederum wäre in manchen Fällen weniger zögerlich: „Wenn man sieht, wie der Hund das Tier noch bei lebendigem Leibe zerfleischt, dann sehe ich rot – dann würde ich den Hund auch töten.“ Das sei aber nur das allerletzte Mittel.

Die Dunkelziffer bei Wilderei ist hoch. Denn zu solchen Vergehen zähle oft mehr als die Jagd mit einer meist illegalen Waffe. Schon wer ein Wildtier mit dem Auto verletzt oder sogar totfährt und von der Unfallstelle entfernt, macht sich der Wilderei schuldig.

Auf Strecke zwischen Hainstadt und Seligenstadt jedes Jahr zahlreiche Wildunfälle

„Da hatten wir zum Beispiel an der Köhlerkreuzung den Fall, dass zwei Leute bei einem Reh-Wildwechsel einen Unfall hatten“, erinnert sich Burow. „Einer fuhr weg, der andere hatte sich aber das Kennzeichen gemerkt.“ Nachdem sich der Flüchtige nicht gemeldet hatte, habe Burow bei der Polizei Anzeige erstattet. Kurz darauf sei der Mann bei der Polizei zwar aufgetaucht, „weil er wohl eine Bestätigung für die Versicherung brauchte, dass er einen Wildunfall hatte“, aber das sei zu spät gewesen – die Anzeige wegen Wilderei blieb.

Pro Jahr werden in seinem Bereich im Schnitt zwischen 15 und 30 Rehe totgefahren. Allein auf der Strecke zwischen dem Friedhof in Hainstadt und Seligenstadt sterben jährlich etwa vier bis sechs, manchmal auch acht Wildtiere. „Dazu kommen ja noch die Tiere, von denen man nichts weiß“, so der Jagdaufseher.

In dieser Funktion ist er Kraft Gesetzes auch ermittelnde Person der Staatsanwaltschaft und „verpflichtet, diesen Fällen nachzugehen und sie zur Anzeige zu bringen.“ Einige Fälle konnte er schon aufklären. „Ich habe viel recherchiert und die Vorarbeit für die Polizei geleistet“, sagt der Klein-Krotzenburger. So konnte er den Beamten den entscheidenden Tipp geben, die sich die Täter dann geschnappt haben.

Wildmeister Klaus Burow hat schon Wilderer gestellt

Dass er nachts selbst auch schon mal Wilderer gestellt hat, sei im Nachhinein leichtsinnig gewesen. „Da stand ich plötzlich im Dunkeln drei Männern gegenüber. Das kann gefährlich sein, wie wir aus dem Fall aus Rheinland-Pfalz wissen“, sagt er. „Aber die Polizei war damals zum Glück schon unterwegs.“ Weil die Männer aber noch keine Tiere bei sich und eine Ausrede hatten, haben sie nur eine Strafe von wenigen Mark wegen einer Verkehrsübertretung zahlen müssen. „Wenn Wilderer mit ihren Taten durchkommen oder keine ernsten Strafen erhalten, ist das natürlich frustrierend“, sagt Klaus Burow.

Am meisten Kummer bereitet ihm deshalb auch die Auto-Wilderei, bei der die Täter von außerhalb kommen, parken und dann illegal in den Wäldern jagen. „Seligenstadt liegt direkt an der Autobahn, das ist verlockend, man kommt schnell weg“, stimmt Winfried Winter zu. „Die schießen in einer Nacht schon mal zig Rehe. Was liegt, wird mitgenommen, der Rest ist egal“, schimpft der Wildmeister. Zu fassen sind diese Täter nur sehr schwer.

„Wir finden immer wieder Tiere, die geschossen wurden“, sagt auch der Seligenstädter Jagdpächter. Wenn zu diesem Zeitpunkt niemand auf der Jagd war, was sich durch Rücksprache klären lasse, gehen seine Kollegen und er in solchen Fällen von Wilderei aus.

Klaus Burow hat in seinen 60 Jahren als Berufsjäger in Klein-Krotzenburg viele Erfahrungen zur Wilderei gesammelt und weiß deshalb: „Sobald Reviere einigermaßen gut überwacht werden, werden solche Fälle schon weniger. Trotzdem: In unserem Beruf sind wir zu Misstrauen erzogen und deshalb ständig auf der Hut.“

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