„Die Problematik schöngerechnet“

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BI-Protest gegen Quecksilberausstoß am Klein-Krotzenburger Mainufer: „Abwassermenge auf ein extrem niedriges Niveau gesetzt.“

Hainburg ‐ Am Mainufer warnt ein Schild mit einem roten Totenkopfdreieck vor Quecksilber. Darunter schlängelt sich ein Flussaal mit der Sprechblase „Mir reicht's!“ Aktive der Bürgerinitiative (BI) Stopp Staudinger schlagen Alarm. Von Michael Hofmann

Dieser Tage stellten sie erste Warnhinweise am Main auf. Das in unmittelbarer Nähe liegende Kohlekraftwerk Staudinger trage als Mitverursacher eine gehörige Portion dazu bei. „Aus Hessens zweitgrößter Quecksilberschleuder werden jährlich über 70 Kilogramm des hochtoxischen Schwermetalls emittiert. Wenn der geplante Block 6 Realität wird, dann wird sich die in die Luft abgegebene Quecksilberfracht um über 40 Prozent erhöhen“, sagt BI-Sprecher Winfried Schwab-Posselt.

Das für Menschen und Tiere extrem gefährliche Quecksilber schädigt Immunsystem wie Fortpflanzungsorgane und kann die Hirnfunktion von Kindern stark beeinträchtigen. Im Zuge ihrer Beschilderungsaktion verwies die BI auf die derzeitige Quecksilberbelastung bei Main-Fischen, die teilweise den ab 2010 geltenden EU-Grenzwert - für Flussfische liegt er bei 20 Mikrogramm pro Kilo lebendem Fischfilet - um das Fünfzigfache überschreite.

Viel zu geringe Jahresstunden angegeben

Die Kommentarfunktion wurde deaktiviert. Ein User hat unter dem Namen von Winfried Schwab-Posselt kommentiert. Diese Aussagen stammen jedoch nicht von Schwab-Posselt, wie dieser nun richtigstellt.

Die Ankündigung des Regierungspräsidiums Darmstadt als zuständige Genehmigungsbehörde, ein Rechtsgutachten im Zusammenhang mit der Quecksilberproblematik einzuholen, führt der BI-Sprecher auf das „erfolgreiche Auftreten der Ausbaugegner während des Erörterungsmarathons“ zurück. Nach Auffassung der Umweltschützer hat E.ON bei der Quecksilberproblematik „tief in die Trickkiste gegriffen und schöngerechnet“. So habe der Energiekonzern viel zu geringe Jahresstunden für den Betrieb der Reinigungsanlage angegeben und die Abwassermenge auf ein extrem niedriges Niveau gesetzt.

Die Selbstverpflichtung von E.ON, nach Inbetriebnahme von Block 6 weniger Schadstoffe zu emittieren, entpuppt sich nach BI-Auffassung als Lippenbekenntnis.

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