„Die Torarolle verbrannt“

Zum Thema „Jüdisches Leben in Klein-Krotzenburg“ sprach Erich Weih, Mitglied des AK „Ehemalige Synagoge“.

Klein-Krotzenburg (mho) ‐ Etwa 300 Jahre lang lebten Juden in Klein-Krotzenburg, fühlten sich dort wohl, lebten harmonisch mit den Christen zusammen und waren integriert. Bis zum 10. November 1938, als die Nazi-Mörder die Synagoge anzündeten und die letzten acht Juden aus ihren Häusern holten und zum Rathaushof führten.

Sie mussten mitansehen, wie ihr höchstes Heiligtum, die Torarolle, verbrannt wurde. „Nach und nach wurden sie abgeholt. Kaum einer hat überlebt. Seitdem gibt es keine jüdische Gemeinde mehr in Klein-Krotzenburg“. Mit diesen Worten leitete Erich Weih, Sprecher des AK „Ehemalige Synagoge“ und Mitglied des veranstaltenden Heimatvereins, in seinem Vortrag „Jüdisches Leben in Klein-Krotzenburg“ zum schrecklichen Ende dieser Menschen über.

Zuvor war Weih vor zahlreichen Interessenten ausführlich auf die Sitten und Bräuche eingegangen, aber auch auf das Zusammenleben mit den Christen. In den Urkunden der Gemeinde werden jüdische Bürger erstmals 1728 erwähnt, sie waren vorwiegend Metzger oder hatten kleine Textil- und Lebensmittelgeschäfte. 1891 begannen die Brüder Rosenthal mit der Zigarrenfabrikation. Sie fingen mit fünf Arbeitern an und hatten später bis zu 500 Beschäftigte - die meisten Krotzenburger Männer und Frauen.

Synagoge 1997 Kultur- und Gedenkstätte

Die Krotzenburger Juden, streng gläubig, waren bis zur offen Verfolgung in der Gemeinde emanzipiert, berichtete Weih. „Ihre Aktivitäten waren von wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung.“ Zentrum war die Synagoge. Dort feierten sie ihre Gottesdienste und Feste. „Juden und Christen lebten harmonisch zusammen. Man respektierte sich gegenseitig, half einander, pflegte gute Nachbarschaft. Viele Juden waren Mitglieder im Turn- oder Gesangsverein. Man begegnete sich auch gesellschaftlich. Die jüdischen und christlichen Kinder gingen gemeinsam in die Volksschule. Es entstanden Freundschaften. Manche hielten bis in die neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts.“

Die Synagoge wurde 1913 von den 30 Juden erbaut. Sie erhielt erst Würde und Weihe durch den Gottesdienst. Er begann am Sabbat und bestand aus Gebeten, Belehrungen, symbolischen Handlungen und aus Lesungen aus der Tora. „Es wurden Lieder gesungen und man war ,in Gott wohlgefälliger Weise' den ganzen Tag beisammen.“ Weih berichtete ausführlich über Trauer- und Bestattungsbräuche. Dann erzählte er vom Ende der Gemeinde.

Die Synagoge wurde 1997 von Gemeinde und Landkreis wieder hergerichtet, ist heute Kultur- und Gedenkstätte. Der Arbeitskreis bietet jedes Jahr eine Reihe von Veranstaltungen an. Das Programm beginnt mit dem 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz. Es gibt Konzertabende, Vorträge, Gespräche, Ausstellungen, Informationen für Schulklassen. „Die Veranstaltungen sollen uns helfen, dass wir es schaffen, tolerant gegenüber jedermann zu sein, denn die Würde des Menschen ist unantastbar.“

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