„Sieht noch aus wie in der Sauna“

Ein Blick hinter die Kulissen des Rathausneubaus

Blick aufs neue Rathaus in Klein-Krotzenburg vom künftigen Parkplatz aus. Die Bauarbeiten laufen weiter auf Hochtouren. Alle
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Blick aufs neue Rathaus in Klein-Krotzenburg vom künftigen Parkplatz aus. Die Bauarbeiten laufen weiter auf Hochtouren. Alle

Außen steht noch das Gerüst, innen hängen zahlreiche Kabel von den Decken, die meisten Trennwände fehlen noch: Die Arbeiten am und im Rathausneubau an der Kreuzung L 3065/Kirchstraße laufen auf Hochtouren. Schließlich sollen Ende März nächsten Jahres etwa 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde ihre neuen Büros beziehen.

Hainburg Knapp zwei Jahre hat der Bau des gemeinsamen Gemeinde-Hauptsitzes dann gedauert. „Leider hat sich die Fertigstellung etwas nach hinten verschoben“, sagt Bürgermeister Alexander Böhn bei einem exklusiven Rundgang durch den Neubau. „Allerdings waren in den letzten Monaten nicht immer alle Baustoffe auf dem Markt gut verfügbar – oder es gab längere Lieferzeiten.“

Und da war noch die Pandemie. Kurz vor Baubeginn wirft die weltweite Notsituation fast auch die Pläne in Hainburg über den Haufen. „Wir haben uns intern durchaus darüber Gedanken gemacht, ob das Projekt überhaupt noch sinnvoll ist“, gibt der Rathaus-Chef rückblickend zu. „Niemand wusste, wie sich alles entwickelt, auch bezüglich Steuereinnahmen auf lokaler Ebene.“ Doch die Gemeinde entscheidet sich im Mai vergangenen Jahres für den Spatenstich. „An so einem Bau hängt ja auch viel dran, zum Beispiel Verträge“, ergänzt Alexander Guckert, Architekt beim Bauamt in Hainburg.

Bürger sollen sich im neuen Rathaus Hainburg wohlfühlen

Nach anderthalb Jahren sind der Rohbau sowie die Fassadenarbeiten fast abgeschlossen – und auch innen geht es gut voran. Künftig wird ein großer, heller Vorplatz mit mehreren Sitzgelegenheiten den Eingangsbereich des Rathauses darstellen. „Wir wollten eine gewisse Aufenthaltsqualität für die Besucher schaffen“, sagt Christian Spahn, Erster Beigeordneter Hainburgs. Das Wichtigste dabei: Das komplette Rathaus wird barrierefrei zugänglich sein, über einen Aufzug können Besucher ins obere Stockwerk gelangen.

Lange Flure, die von Licht durchflutet sind.

„Außerdem wollten wir ein offenes Rathaus, das sozusagen transparent ist“, berichtet Spahn. Dafür sorgen riesige Fensterfronten, die viel Tageslicht in das Gebäude lassen. Die Hitze allerdings bleibt draußen. „Dafür wurden besondere Sonnenschutzscheiben verbaut“, erklärt Alexander Guckert. „Sie lassen viel Tageslicht, aber wenig Sonne und Wärme durch.“ Das fällt auch bei genauerem Betrachten auf: Außen sind die Scheiben leicht getönt. Zusätzlich gibt es eine herunterfahrbare Jalousie am Gebäude.

Der Multifunktionssaal ist aktuell noch Lagerraum für Dichtmaterial. Später sollen dort Veranstaltungen stattfinden.

Nachts können zentral zudem die Oberlichtfenster geöffnet werden; so kann kühle Frischluft ins Gebäude gelangen. „Wir haben uns gegen eine Klimaanlage entschieden, weil man mehr Gebäudefläche dafür gebraucht hätte – und da war auch noch der Umweltaspekt“, sagt Christian Spahn. „Aber auch ohne Klimaanlage bleiben wir im Rathaus künftig unter den vorgeschriebenen 25 Grad“, ergänzt Bürgermeister Alexander Böhn. Im Winter sorgt wiederum eine Fußbodenheizung für die nötige Wärme.

Ordnungsamt, Bauamt und Bürgerbüro im Untergeschoss des neuen Rathauses in Hainburg

Wenn Besucher künftig das Rathaus betreten, sollen sie in einer Willkommens-Zone erste Hilfe für ihr Anliegen bekommen. „Im Erdgeschoss sind deswegen auch das Ordnungsamt, das Bauamt und das Bürgerbüro untergebracht – denn da wollen die meisten Bürgerinnen und Bürger hin“, weiß Böhn. In einem großen Multifunktionsraum können zudem Ausschusssitzungen, Bürgerversammlungen oder größere Besprechungen stattfinden. „Schön wäre auch, wenn es hier in Zukunft vielleicht mal eine Ausstellung gibt“, sagt der Bürgermeister. Platz wäre bestuhlt für 100 Leute, „aktuell wären das natürlich sehr viel weniger“.

Auch auf dem Dach sind die Arbeiten noch im Gange. Den Zwischenstand zeigen (von links) Alexander Böhn, Bürgermeister, Alexander Guckert, Gemeindearchitekt, und Christian Spahn, Erster Beigeordneter.

Über den Aufzug oder drei Treppen gelangen Mitarbeiter und Besucher ins obere Stockwerk, wo unter anderem das Büro des Bürgermeisters, ein Trauzimmer sowie weitere Gemeinde-Abteilungen, wie Haupt- und Personalamt, zu finden sind.

Was schon jetzt auffällt: Im Rathaus ist viel Holz verbaut. „Es sieht noch ein bisschen aus wie in der Sauna“, sagt auch Alexander Böhn, weist aber auf den Nachhaltigkeitsaspekt hin. „Viel wurde oder wird aber noch verkleidet. Die Decken bekommen zum Beispiel einen Schallschutz“, ergänzt Guckert.

Bislang keine Überraschung bei Kosten für Hainburger Rathausneubau

Der künftige Empfang. Rechts ist ein Treppenhaus, im Hintergrund sind Räume des Bürgerbüros geplant.

Der Architekt ist mehrfach die Woche auf der Baustelle – und auch Böhn und Spahn schauen regelmäßig vorbei. „Das Projekt genau während der Corona-Zeit zu bauen, das ist schon spannend“, sagt der Rathauschef. Von Überraschungen bezüglich der Kosten sei man bislang aber zum Glück verschont geblieben. Geplant waren acht Millionen Euro für den Neubau. Fünf Millionen Euro übernimmt die Gemeinde, drei Millionen soll die Hessenkasse zuschießen. Christian Spahn: „Wir haben keinen Kredit aufgenommen dafür.“ „Die acht Millionen Euro werden wir, Stand jetzt, auch nicht groß überschreiten“, sagt der Bürgermeister. „Das hier wird keine Elbphilharmonie.“ (Von Julia Oppenländer)

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