Eine echte Herzensangelegenheit

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Alfred Herold ist Landesobmann der Sudetendeutschen Landmannschaft und Chef des Bundes der Vertriebenen in Hessen.

Hainburg (th) - „Heimat ist immer Singular.“ Dies sagt Alfred Herold, Landesobmann der Sudetendeutschen Landmannschaft und Chef des Bundes der Vertriebenen in Hessen. Heimat – das ist für ihn Bärn in der Tschechischen Republik, heute Moravsky Beroun.

Wahlheimat ist seit vielen Jahrzehnten Hainburg. Doch Alfred Herold begnügt sich nicht damit, für die Rechte der deutschen Vertriebenen einzustehen, er ist in seinem Geburtsort Bärn seit vielen Jahren aktiv und unterstützt maßgeblich den Wiederaufbau kirchlicher Kulturgüter im Sudetenland. Grund für das hessische Fernsehen, den Hainburger Sudetendeutschen zu porträtieren (Hessenfernsehen, Dienstag, 3. Mai, 22.45 Uhr).

Herold: „Bei dem Engagement für meinen Geburtsort stehen nicht persönliche materielle Gründe im Vordergrund.“ Der Vertriebenen-Funktionär lässt aber kein Zweifel daran, dass für ihn die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat Unrecht war. „Mein verletztes Rechtsempfinden ist nach wie vor Triebfeder für meine Arbeit“, so Herold, der auch im Rat der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ sitzt und eng mit Erika Steinbach, der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, zusammenarbeitet. Die Stiftung soll bekanntlich die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihren Folgen wachhalten.

Spenden anstatt Geburtstagsgeschenke

Aber: Kein Blick zurück in Zorn. Eine hohe sechstellige Summe hat Alfred Herold in den vergangenen Jahren organisiert, zusammengetragen aus öffentlichen Mitteln und auch aus Spenden. Auch eigenes Geld hat der Hainburger in seine Projekte gesteckt. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit“, so der rührige 79-Jährige.

So bat der überzeugte Katholik Alfred Herold zu seinen runden Geburtstagen die Gäste um Spenden für Bärn statt Geschenke für ihn persönlich. Auf diese Weise konnten alle 14 Stationen des Kreuzwegs in Bärn wieder restauriert und aufgebaut werden. Weitere Projekte waren die Restaurierung der Marienstatue und der Auferstehungsstatue sowie der Hausbergkirche in dem kleinen Ort. Zeugen der deutschen Vergangenheit in Mähren konnten so für die Zukunft erhalten werden.

„Ich fühle mich bei den Tschechen immer willkommen“

14 Jahre alt war Alfred Herold, als er zusammen mit drei Geschwistern und den Eltern seine Heimat Bärn verlassen musste. Seit dem Mittelalter waren Generationen der Herolds in dem kleinen Ort ansässig. Die Familie fand Zuflucht im Rhein-Main-Gebiet, Herold besuchte die Handelsschule, wurde Filialleiter im Einzelhandel und später dann selbstständig im Versicherungsgeschäft. Doch schon während seines Berufslebens begann sein Engagement für den Bund der Vertriebenen und die Sudetendeutsche Landsmannschaft. „Seit dem Jahr 1958 bin ich dabei.“ An die 70 Mal hat er seinen Geburtsort seitdem besucht, auch Busreisen in das rund 900 Kilometer von Hainburg entfernte Bärn organisiert. Und Herold sagt heute: „Ich fühle mich bei den Tschechen immer willkommen“, auch wenn gerade bei der Verwirklichung der Restaurierungsarbeiten an den ehemaligen deutschen Kirchenobjekten in seiner Heimat viele Widerstände aus dem Weg geräumt werden mussten.

Hat Alfred Herold einmal überlegt, wieder in seinen Geburtsort zurückzukehren? „Nein, nicht ernsthaft“, bekennt er. Denn auch wenn er seine Heimat verloren hat, ein Zuhause hat er in Hainburg gefunden.

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