Nach Kritik an der Eignung: Böhn veranlasst Experten-Bewertung

Feuerwehrboot außer Dienst

Das umstrittene Boot ist seit zwei Jahren im Besitz der Feuerwehr Hainstadt und kam auch schon zum Einsatz.
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Das umstrittene Boot ist seit zwei Jahren im Besitz der Feuerwehr Hainstadt und kam auch schon zum Einsatz.

Hainburg – Ist „Bombard Commando C5“ nun für Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr Hainstadt geeignet oder nicht? Verunsicherung über den rechtmäßigen Verwendungszweck des umstrittenen Rettungsboots scheint es zu geben, denn wie in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Montagabend von Bürgermeister Alexander Böhn zu erfahren war, ist das vor zwei Jahren für 18 300 Euro gekaufte Wasserfahrzeug zunächst aus dem Verkehr gezogen.

Bereits Ende Juni hatte Gemeindevertreter Heinz Seipel (SPD) in einem eigenen Antrag kritisiert, „dass in unserer Gemeinde ein ungeeignetes Boot den Rettungskräften für Rettungseinsätze überlassen wird“ (wir berichteten).

Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann als übergeordneter Brandschutzaufsichtsdienst nahm Mitte Juli schriftlich Stellung zur Thematik und berief sich darauf, dass sowohl die Unfallkasse Hessen (UKH) als auch der Technische Prüfdienst Hessen „keine Einwendungen zur Sicherheit des Bootes“ hätten. Zum „einsatztaktischen Wert des Feuerwehrbootes“ äußerte sich Ackermann ebenfalls: „Der Grundgedanke, ein flexibles Boot unterhalb der Schleuse in Stellung bringen zu können, wird vom Kreis als positiv angesehen und ist auch einsatztaktisch eine sinnvolle Ergänzung.“

Die sieht man bei Brandschützern in Hainstadt aber offensichtlich anders. In einer Stellungnahme, die Jürgen Dutine, Mitglied und Gruppenführer der Feuerwehr Hainburg, vor knapp drei Wochen erstellt hat, heißt es unter anderem, dass das neue Boot technisch nicht der entsprechenden DIN-Norm gerecht werde. So verfüge das Boot anstelle von darin verlangten sechs nur über zwei Sitzplätze. Die vorhandenen Ösen seien nur zum Sichern des Bootes geeignet, so genannte Zugösen und Klampen fehlten. Letztere werden benötigt, um einen Anker zu befestigen oder das Boot an anderen Booten oder Stegen zu sichern.

In der Stellungnahme wird der Lieferant des Bootes mit dem Satz zitiert: „Ihr habt kein Feuerwehrboot bestellt, also ist das auch kein Feuerwehrboot.“

Des Weiteren würden die Normabmessungen des Bootes „signifikant nicht eingehalten, es sei nicht in der Signalfarbe rot angestrichen, lediglich ein Streifen ist rot, ergänzt Seipel. Der Fußboden sei ebenfalls nicht rutschsicher. Die Hainstädter Einsatzkräfte hätten daher Bedenken an der Eignung des Bootes gesehen und hatten sich bei der Jahresversammlung einstimmig dafür ausgesprochen, das Boot außer Dienst zu stellen.

Bürgermeister Alexander Böhn erklärte dazu, dass am Donnerstag vergangener Woche gemeinsam mit Kameraden der Feuerwehr Hainstadt und einem Rechtsanwalt und Feuerwehrexperten eine Besprechung stattfand. Dabei sei auch über das Boot gesprochen worden. „Nach den verschiedenen Rückmeldungen habe ich festgelegt, dass wir dem Rechtsanwalt die Unterlagen zu einer objektiven Bewertung zur Verfügung stellen und bis zur Rückmeldung das Boot außer Dienst setzen“, so der Verwaltungschef.

Der Versicherungsschutz sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, sagte Böhn mit Verweis auf eine Stellungnahme der Unfallkasse Hessen. Um weiterhin die Sicherheit auf der Bundeswasserstraße Main zu gewährleisten, habe man sich mit der benachbarten Feuerwehr Hanau auf eine Lösung festgelegt.

Auf den Hinweis von Bürgermeister Böhn, dass der Versicherungsschutz durch die Unfallkasse gewährleistet sei, erwidert SPD-Politiker Seipel, dass das mit Sicherheit der Fall sei. Doch hole sich die Kasse das Geld wieder zurück, die Frage sei dann, von wem.

Von Oliver Signus

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