Noch viel Luft nach oben

Filmemacher thematisiert Homophobie an Schulen

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Filmemacher Jannik Gensler dreht an seiner ehemaligen Schule.

Klein-Krotzenburg - Seit Oktober 2017 ist die „Ehe für alle“ in Deutschland möglich. Trotz des Gesetzes, das für mehr Akzeptanz und Toleranz sorgen soll, sind nicht alle Probleme der LGBT-Community von der Bildfläche verschwunden. In seinem neuen Film „Unter Schülern“ möchte Jannik Gensler auf Homophobie in Schulen aufmerksam machen. Der junge Klein-Krotzenburger spricht damit ein Thema an, das für ihn eine besondere Bedeutung hat. Von Natalia Dizer 

Jannik Gensler empfand seine Schulzeit als Findungsphase, in der es ihm schwerfiel, über seine Sexualität offen zu sprechen. Er wollte nicht als „der Andere“ gesehen werden und hat deshalb versucht, sich an seine Mitschüler anzupassen. „Vor allem in ländlichen Gebieten gibt es noch viel Luft nach oben“, ist sich Jannik sicher. In den Städten werde man eher mit Menschen aus der LGBT-Community konfrontiert als „auf dem Dorf“, weshalb man vor allem dort auf Konfrontationskurs gehen sollte.

Janniks Kurzfilm „Unter Schülern“, der am 10. September an der Kreuzburgschule aufgenommen werden soll, dreht sich um einen Jungen, der aufgrund seiner Sexualität gemobbt wird. Der Lehrer verfolgt die Verachtung gegenüber dem jungen Schüler mit, greift aber selbst nicht ein. Am Ende stellt sich heraus, dass der Lehrer ebenfalls homosexuell ist und nicht zum Angriffspunkt werden möchte. Jannik will eine deutliche Message in seinem kurzen Film verpacken, der auf Filmfestivals zum Nachdenken anregen soll.

Erste Erfahrungen in der Regie sammelte der 22-Jährige auf der August-Bebel-Schule in Offenbach. Bis zu seinem Abschluss an der Kreuzburgschule in Klein-Krotzenburg hatte er keine Berührungspunkte mit Regie und Film. Nach Beendigung der Fachoberschule nahm er sich Zeit zu reisen und zu arbeiten. Doch irgendwann wollte er etwas „Effektives“ machen. Er erinnert sich, wie er mit einer Freundin zusammensaß und ihr verkündete: „Ich möchte einen Film drehen.“

Bilder: Christopher Street Day in Frankfurt

Dann ging es Schlag auf Schlag. Es folgten das erste Drehbuch und die Premiere seines ersten Kurzfilmes „Mir selbst so fremd“ im April dieses Jahrs auf einem LGBT-Filmfestival in Mumbai, Indien. Die Handlung dreht sich, wie auch in seinem kommenden Film, um das Thema Homosexualität. In Zukunft möchte Jannik aber nicht nur auf Probleme der Homosexuellen eingehen, sondern allgemein die Psychologie des Menschen in seinen Filmen analysieren. Es ist ihm wichtig, ein Bewusstsein für Probleme der Gesellschaft zu schaffen.

Seine Vorhaben werden zum Teil von der Telefónica-Stiftung in der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung „Think Big“ und der AG für schwule Lehrer aus Berlin unterstützt. Das Geld aus der Fördermaßnahme fließt hauptsächlich in das Ausleihen des Equipments und die Beförderung der Darsteller.

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