Verwöhnprogramm statt Kosmetikstudio

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Die Bandbreite des Frauenchors des Gesangvereins Harmonie Hainstadt ist groß: Popsongs, Volkslieder, Spirituals, Musicals.

Hainstadt - Im Vereinsheim an der Hauptstraße ist es kurz vor Probenbeginn auffällig laut. Lebhaft wird durcheinander gequasselt und viel gelacht. Von Sabine Müller

„Es sind halt Mädels“, lächeln Volker Kolle, ihr musikalischer Leiter, und Norbert Büchel, der Vereinsvorsitzende der Harmonie Hainstadt. Seit seiner Gründung im Oktober 1995 ist der reine Frauenchor von 20 auf derzeit 50 Mitglieder angewachsen - eine stolze Bilanz. Ein Chorporträt im Zuge der Kampagne „Gesund durch Singen“ auf Initiative des Sängerkreises.

Sie haben Spaß am gemeinsamen Singen und Vorwärtskommen. Auch wenn Sängerkreis-Chef Sigi Roet, der den Chor einst aus der Taufe hob, meint, dass der Dirigent die Damen etwas disziplinieren müsste, um den Erfolg noch zu verbessern. Doch Volker Kolle hat nicht nur ein Händchen, sondern auch ein Herz für die sangeslustigen „Mädchen“ im Alter zwischen 20 und 80: „Ich lege zwar Wert auf einen guten Auftritt, doch es muss locker bleiben, und auch die Geselligkeit darf nicht zu kurz kommen.“ Nur deshalb sei das Ensemble jetzt sein „Elitechor“: am eingespieltesten, mit der jüngsten und stärksten Besetzung.

Die verbesserte sich mit der Gründung eines Projektchores im vergangenen Jahr um zehn Frauen. Er war eigens für eine fulminante Konzertveranstaltung zusammengestellt worden: Ohrwürmer aus „Oper und Musical“ lockten im November 2012 rund 900 Besucher in die Kreuzburghalle, wo 80 Sängerinnen und Sänger plus Solisten ihr Bestes gaben. Dieses Highlight für den Frauenchor fand jetzt seine Fortsetzung in einer Konzertreise nach Wien.

Dem Wertungssingen in Form von Volksliederwettbewerben stellen sich die Sängerinnen in diesem Jahr drei Mal. Vor wenigen Tagen stand das dritte Open Air-Konzert des Ensembles am evangelischen Gemeindezentrum in Hainstadt im Veranstaltungskalender, zum Freundschaftssingen geht’s am 14. September nach Klein-Auheim.

Für so viel öffentliche Präsenz benötigt die Sängerinnenschar ein gutes Repertoire an Chorliteratur. Die Bandbreite sei groß, berichtet Volker Kolle und zählt auf: „Popsongs, Volkslieder, Spirituals, Musicals.“ Wobei die Damen mit ihren Vorlieben nicht hinterm Berg halten: „Bei Heideröslein-Liedern stöhnen sie“, lacht der Dirigent, „auch ernst und geistlich wie Silcher kommt nicht so gut an“. Lieber interpretiere der Chor poppige und flotte Titel. Was nicht passt, wird passend gemacht: Der musikalische Leiter und Pianist schreibt auch selbst auf den Chor zugeschnittene Arrangements.

„Que sera, sera“ singen die Frauen an diesem Abend, und ganz automatisch wiegen sich die Körper im Dreivierteltakt der harmonischen Walzermelodie. Der Leiter begleitet sie am Klavier und verbessert ab und zu die englische Aussprache. Den Ton halten sollte Frau können, wenn sie einstimmen möchte - Volker Kolle wünscht sich zur Verstärkung noch ein paar jüngere Mitglieder. Sonst ist nichts mitzubringen, außer natürlich der Freude am gemeinsamen Musizieren. Dafür wird umso mehr gegeben: „Gönnen Sie sich einen Tag in der Woche für Körper, Geist und Seele“, wirbt der Frauenchor in seinem Internet-Auftritt. Nicht im Fitness- oder Kosmetikstudio, sondern im vereinseigenes Sängerheim. Das gilt natürlich auch für den Männerchor: „Durch die richtige Atemtechnik bekomme ich den Kopf frei und kann besser abschalten“, bestätigt Vereinsvorsitzender Norbert Büchel, der selbst im Männerchor der Harmonie Hainstadt mitsingt.

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