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Neue Schilder für Fahrradfahrer: Freie Fahrt an der Offenbacher Landstraße

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Von: Julia Oppenländer

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Fahrräder frei: Die neuen Schilder an der Offenbacher Landstraße erlauben es Radlern, den Fußweg auch Richtung Katzenbuckel zu befahren.
Fahrräder frei: Die neuen Schilder an der Offenbacher Landstraße erlauben es Radlern, den Fußweg auch Richtung Katzenbuckel zu befahren. © Oppenländer

Jahrzehntelang hat der Radweg in Hainburg im Kreis Offenbach für Unruhe gesorgt. Jetzt hat die Politik reagiert und den Radweg in beide Richtungen freigegeben.

Hainburg – Die Gemeinde Hainburg arbeitet weiter an seinem Nahmobilitätskonzept. Seit Kurzem ist zum Beispiel der Gehweg an der Offenbacher Landstraße für Radler in beide Richtung freigegeben. Und in der jüngsten Sitzung des Bau-, Verkehrs-, Wirtschafts- und Umweltausschusses haben der Verkehrsexperte Professor Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt und sein Team weitere Vorschläge für die Stärkung des Nahverkehrs vorgestellt.

Bürgermeister Alexander Böhn hat es vor einigen Wochen bereits angekündigt, nun wurden die Pläne umgesetzt: Seit wenigen Tagen hängt die neue Beschilderung für den parallel zur Offenbacher Landstraße in Hainstadt verlaufenden Fahrradweg. Die Zeichen erlauben es Radlern nun, den Fußweg ab sofort auch in Richtung Ortsausgang zu befahren. „Das gibt allen Rechtssicherheit“, sagte Böhn. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hatten Radfahrer gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, wenn sie dort Richtung Katzenbuckel fuhren.

Einer, der diese Verkehrsmaßnahme allerdings kritischer sieht, ist Professor Dr. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt. Der Verkehrsexperte ist seit einigen Jahren in das Projekt „Nahmobilität in Hainburg“ eingebunden. In der jüngsten Sitzung des Bau-, Verkehrs-, Wirtschafts- und Umweltausschusses haben er und sein Team nun den aktuellen Stand sowie erste Konzepte für eine bessere Nahmobilitätsentwicklung für die Gemeinde vorgestellt.

Auf dem Gehweg an der Offenbacher Landstraße in Hainstadt nur vorsichtig mit dem Rad fahren

Zur Radler-Situation an der Offenbacher Landstraße hat er eine klare Meinung: „Auf die Straße gehören Piktogramme!“ Vor allem um Autofahrern zu signalisieren, dass Fahrradfahrer dort erlaubt sind. Er rät zudem davon ab, Radwege entgegen der Fahrtrichtung zu nutzen. „Ich würde dort nicht fahren, sondern die Straße nehmen“, sagt der Verkehrsexperte. Autofahrer würden Gegenverkehr nämlich erst mal auf der linken Seite vermuten und dementsprechend auch dort eher hinschauen. „Überhaupt ist es für Radfahrer immer gefährlich, Seitenräume zu befahren“ – wegen Einfahrten, Zufahrten und beschränkten Sichtfeldern. Kombinierte Geh- und Radwege sollten demnach nur langsame, unsichere Verkehrsteilnehmer nutzen. „ Es gilt, nur mit großer Sorgfalt und Achtsamkeit entgegen der Fahrtrichtung fahren“, sagt Follmann.

Allerdings weiß auch er: „Die Akzeptanz für den Radverkehr auf einer Vorfahrtsstraße wie der Offenbacher Landstraße ist schwierig.“ Er spricht sich deshalb für eine Verlängerung der Tempo-30-Zone über den Bahnübergang hinweg Richtung Ortsausgang aus. „Eine Temporeduzierung bedeutet automatisch einen größeren Schutz für Radfahrer.“ Eine solche habe Hessen Mobil, als Verkehrsbehörde für diese Straße verantwortlich, bei seiner letzten Anfrage allerdings abgelehnt, sagte Bürgermeister Alexander Böhn. Er bleibe aber am Thema dran.

Erste Empfehlungen für das Radroutennetz in Hainburg (Kreis Offenbach) vorgestellt

Des Weiteren präsentierten Follmann, Laura Kehrer und Benedikt Münch an diesem Abend den Gemeindevertretern eine Bestandsaufnahme der Nahmobilität in Hainburg. In den vergangenen Monaten hatten sie sich Schülerradroutenpläne, die Rampensituation an der Schleuse sowie den interaktiven Unfallatlas des Deutschen Statistischen Bundesamts für die Gemeinde sowie die Situationen direkt vor Ort angeschaut und daraus erste Empfehlungen, unter anderem für ein Radroutennetz, entwickelt. Für dieses könnte Hainburg sogar zeitnah erste Maßnahmen ergreifen.

Der Vorschlag der Verkehrsexperten: Den Ostring zu einer Fahrradstraße machen. „Das wäre eine interessante Alternative, bei der die Radler Vorfahrt hätten“, sagte Follmann. Das sei aus seiner Sicht auch schnell umsetzbar, womöglich bis Ende des Jahres oder sogar schon zum Sommer – ebenso ein Kreisverkehr an der Kreuzung zum Bettenweg.

An vielen Punkten sei die Gemeinde bereits dran, so Rathauschef Böhn. So habe man von Hessen Mobil für Radwegeplanungen Geld aus einem Fördertopf bekommen. „Schritt für Schritt kommen wir dem Ziel näher.“

Radwege im Kreis Offenbach: Weitere Absprachen der Gemeinde Hainburg mit Hessen Mobil

Mit Hessen Mobil müsse es an anderer Stelle zudem weitere Absprachen geben – wie beim Radweg entlang der L3416 vom Katzenbuckel in Richtung Tannenmühlkreisel. Bei einer möglichen Sanierung der maroden Fahrbahn käme man um eine Vollsperrung der Strecke nicht herum, ist Jürgen Follmann überzeugt. „Im Zuge dieser Maßnahme sollte der Radweg gleich mitgemacht werden – die wichtige Route geht nämlich weiter Richtung Obertshausen und Offenbach.“ Das sollte die Gemeinde mit der Verkehrsbehörde direkt klären, empfiehlt er. Auch ein Kreisel an der Kreuzung der L 3065 und dem Ostring sei grundsätzlich denkbar. „Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass ein Kreisel dort gut funktionieren kann.“ Recherchen hatten dem Team gezeigt, dass dort seit vielen Jahren einer der Unfallschwerpunkte in der Gemeinde ist.

Abschließend warnte Follmann jedoch davor, die Autofahrer trotz allen Nahmobilitäts-Zielen zu vergessen. „Es gibt genug Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihrer Arbeit auf das Auto angewiesen sind“, sagte er. Schließlich gehe es bei einem Nahmobilitätskonzept auch darum, alle Bürger gleichermaßen mitzunehmen und zu motivieren, um für getroffene Maßnahmen auch eine breite Akzeptanz zu finden. (Julia Oppenländer)

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