Aus freier Hand aufs Glas

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Graveurin Bettina Junker: 70 Prozent ihrer Kunden beauftragen sie mit Namensschriftzügen auf Gläsern.

Hainburg (th) - Sorgfältig stützt Bettina Junker ihre Ellbogen auf zwei kleinen Kissen ab. In den Händen hält sie ein Glas, das sie mit geschickten Bewegungen an einer sich schnell drehenden Schleifscheibe bewegt.

Für den Betrachter kaum nachvollziehbar, kreist, wendet und bewegt sie das Glas in den Händen - um kurze Zeit später einen schön geschwungenen Schriftzug auf dem Glas zu präsentieren. Bettina Junker ist Graveurin. Sie arbeitet mit dem spröden und filigranen Material Glas, verschönert es individuell. „Der Ansatz für die Gravuren ist künstlerisch, die Umsetzung handwerklich“, beschreibt die gebürtige Frankfurterin, mittlerweile viele Jahre in Klein-Krotzenburg lebend, ihren Beruf.

Gelernt hat sie das Handwerk bei der Glasfachschule im hessischen Hadamar. Dort wurde sie eingewiesen in die praktischen Tätigkeiten - die künstlerische Umsetzung kommt von ihr. „Ich habe immer schon gerne und gut gezeichnet“, erklärt die 50-Jährige ihre Wurzeln. Dies mit Gravurtechnik zu verbinden war eher Zufall: Ein Freund von ihr arbeitete in einer Kristall-Manufaktur, sie nahm dort ebenfalls einen Job in der Qualitätskontrolle an. Und war fasziniert von Material und Möglichkeiten. Sie bewarb sich an der Glasfachschule, absolvierte die Aufnahmeprüfung und absolvierte die dreijährige Ausbildung zur Graveurin. Die Gesellenprüfung bestand sie mit Auszeichnung.

Zu 70 Prozent sind es Namensschriftzüge

Zu 70 Prozent sind es Namensschriftzüge, die ihre Kunden auf den Gläsern eingraviert haben möchten. Selbstverständlich macht sie alles ohne Schablonen und Vorlagen, Schriften und Motive werden aus freier Hand auf das Glas gebannt. Dies ist wohl die wahre Kunst: Mehrmals arbeitete sie auf Kunsthandwerkermärkten in Israel. Dort musste sie viele Arbeiten in hebräischen Schriftzeichen machen. Der Sprache und der Schrift nicht mächtig, gelang es ihr trotzdem innerhalb kürzester Zeit die Zeichen auf den Untergrund zu gravieren. Anschauen, einprägen und handwerklich umsetzen. „Ich kann auch eine Unterschrift nachmachen“, schmunzelt sie. Und wie oft gehen die zerbrechlichen Objekte beim Gravieren kaputt? „Selten“, sagt Bettina Junker. Öfter komme es dagegen vor, dass sie sich verschreibe und aus einem Michael ein Miachel wird.

Ihre Handwerksinstrumente, die Gravurscheiben, stellt sie selbst her. Verschiedene Materialien sind es, etwa mit Industriediamanten versetzt oder aus Naturstein bestehend. Diese Scheiben werden auf einer starren Welle befestigt. Wichtig ist die permanente Wasserspülung während der Arbeit, um den feinen Glasstaub zu entfernen. Und dann ist die Graveurin gefragt, den Wünschen der Kunden entsprechendes anzufertigen.

„Ich hab auch schon den Tank eines Motorrads gestaltet“

Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf das Material Glas. „Ich hab auch schon den Tank eines Motorrads gestaltet“, sagt sie. Spiegel und Türen ebenfalls - aber die sind ja wieder aus Glas. Bettina Junker wird auch für Veranstaltungen gebucht, zeigt ihre Kunst dort. Derzeit steht sie mit einem Stand am Hainburger Einkaufszentrum.

Und warum stützt Bettina Junker während der Arbeit ihre Ellbogen auf Kissen? „Das ist Grundtechnik. Nur die Hände dürfen sich beim Gravieren bewegen. Aber die Kissenunterlagen machen es bequemer“, erklärt Junker den Grund - fräst innerhalb weniger Minuten einen neuen Namen, ein neues Motiv in das Glas.

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