Travestie fernab des Dschungels

Galasitzung der Hainstädter Fastnachtsfreunde

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Nicht wegzudenken: Die „Golden Girls“, diesmal mit „Bauer sucht Frau“ am Start.

Hainburg - Tropische Früchte, ein Mann im Fummel, ein paar „Trottelchen“ und viel zu lachen – nicht nur das Privatfernsehen, auch die Fastnachtsfreunde der Hainstädter Sankt-Wendelinus-Pfarrei wussten am Wochenende mit diesem quotenträchtigen Mix zu überzeugen.

Während sich halb Deutschland im finalen Dschungelfieber befand, trotzte ein unbeugsames Dorf im Hessischen dem TV-Trend und bot zur besten Sendezeit Live-Klamauk und Können: Die Fastnachtsfreunde hatten am Freitag und Samstag zu ihren Galasitzungen gerufen. Dass unter der Regie von Sitzungspräsident Jürgen Harrer gleich zwei bis dato unentdeckte Sterne am Hainburger Büttenhimmel aufgingen, war das i-Tüpfelchen auf einem abwechslungsreichen Mix aus Vortrag, Tanz und Gesang.

Oliver Möser, den ausdauernde Sitzungsfans bis dato als Chef der Cocktailbar kannten, bewies begnadetes Premierentalent gleich in zwei Bereichen: Komik und Travestie. Der „wählerischen Tunte“ auf der Suche nach einem echten Hainstädter Kerl halfen auch die frisch rasierten Beine nicht. Die Ortsprominenz wurde einmal komplett durch den liebevoll angerührten und charmant servierten Kakao gezogen; ein passender Partner fand sich dabei jedoch nicht.

Als zweiter Spätberufener

Mit deutlich weniger Kalorienverbrauch kamen die „Trottelchen“ Charly Sörger, Helge Fischer und Peter Meyer aus.

Als zweiter Spätberufener im Pointenregen brillierte Karlheinz Habermann („Alles um mich rum wird alt, außer ich“) in seiner Rolle als frisch gebackener Opa. Da half weder das „friedhofsblond“ gefärbte Haar noch der passende Vhs-Kurs: Den Großvater in sich muss halt jeder selbst entdecken. Habermann machte das am Ende musikalisch. Der „Opa-Song“ unter Publikumseinbezug schloss eine musikalische Lücke in der Familienaufstellung und hat gewiss seinen Platz in den Hainstädter Narrenannalen gefunden.

Und noch mehr Familienangelegenheiten hatten die katholischen Närrinnen und Narhallesen in petto: Dem „Babba“ Peter Meyer wuchsen zwischen Chauffeursdiensten und Müllentsorgung Zweifel an seiner Rolle als Familienoberhaupt. „Mephisto junior und senior“ alias Melina Redanz und Jürgen Harrer kamen sich hauptsächlich wegen der Krotzeborjer Seelen in die Quere.

Büttenkracher „Apollonia“

Ladykracher: Oliver Möser.

Moni Meyers Büttenkracher „Apollonia“ verzweifelte diesmal am Online-Shoppen, und als Weinkönigin bilanzierte Katharina Krause, dass „die Sauferei auch mal was taugt“, wenn es darum geht, im Kampf um das promillelastige Spitzenamt lästige Konkurrentinnen auszustechen.

Dass es noch nicht mal unbedingt Mimik braucht, um einen Saal zum Toben zu bringen, bewiesen Charly Sörger, Helge Fischer und Peter Meyer. Das Fazit der „drei Trottelchen“ nach dem mehrstrophigen Versuch, einer Paranuss zu Leibe zu rücken: Gebiss, Küche und Werkstatt ruiniert, aber „der Nuss is nix bassiert“. Aufs klassische Stimmungslieder-Repertoire beschränkte sich der gemischte Germania-Chor unter der Leitung von Johannes Wallbaum.

Mit einem dicken Dankeschön ehrten die Tanzmädchen der Fastnachtsfreunde in Eigenregie ihre beiden Universaltrainerinnen: Tanja Winkler und Marina Magnapane zeichnen nämlich nicht nur für Marsch- und Turniergarde verantwortlich und halten zusammen mit Rebecca Zaigler die Jüngsten aus der Schlawinergarde in Reih‘ und Glied. Auch der Showtanz zum „Village People“-Medley geht auf ihr Konto, ebenso wie das Übungsprogramm und die Choreographie der vier Solo-Gardistinnen Jana Kutzner, Vanessa Schösser, Lena Ruiner und Alicia Bräutigam, die sich für Taktgefühl und Körperbeherrschung den Jubel auf den Rängen verdient hatten.

Mit viel Charme

Mit viel Charme zeigten die „Golden Girls“ der Pfarrei unter der Leitung von Claudia Troha ihr tänzerisches „Bauer sucht Frau“-Programm, und die Tanzdamen der Harmonie (verantwortlich fürs Training ist Silke Bartke) entführten die Gäste im Saal auf die Reeperbahn nachts um halb eins.

Bilder der Sitzung

Sitzung der Hainstädter Fastnachtsfreunde

Männlicherseits servierten die „Hainstädter Jungs“ als Pizzabäcker „Bunga Bunga Ragazzi“. Sandra Gensert und Maryse Mahler hatten mit ihren Kerlen möglicherweise fehlende Grazie mit umso mehr Spaß an der Freud ausgeglichen.

An beidem fehlt es den „Skydancers“ schließlich nicht. Die Showtänzerinnen der Sportvereinigung sind mit ihrer Darbietung als „freche Früchtchen“ heuer auch im TV-Programm vertreten. Der vitaminreiche Tanz, der unter der Regie von Caroline Schwab entstanden ist, wird Ende Januar bei der „Hessischen Weiberfastnacht“ in der Kulturhalle Rödermark aufgezeichnet und am 7. Februar ab 21.45 Uhr im HR-Fernsehen ausgestrahlt.

kai

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