Langer Weg zur Ganztagsbetreuung

Ostkreis - Rund 70 Millionen Euro jährlich investiert das Land nach Informationen des Hessischen Kultusministeriums zum Schuljahr 2012/13 in den Ausbau der schulischen Ganztagsangebote. Von Sabine Müller

Auch Schulen der Ostkreiskommunen sind auf dem Weg dorthin, doch der scheint weit und mühsam zu sein. Neben dem Einhard-Gymnasium in Seligenstadt und - seit diesem Schuljahr der Anna-Freud-Schule in Mainflingen ist die Konrad-Adenauer-Schule (KAS) in Seligenstadt unterwegs. Die Grundschule mit Abteilung Sprachheilschule hatte bereits im August 2004 beim Schulträger ein Konzept eingereicht, um Kooperative Ganztagsschule in offener Konzeption zu werden. In der Zwischenzeit wurden die Organisationsformen neu definiert. Seit 2009 ist die KAS nach Auskunft von Schulleiterin Gudrun Dettmer als Bildungsstätte mit Ganztagsangeboten im Profil 1 eingestuft, der minimalsten Form der Ganztagsbetreuung. „Dafür wurde uns eine Lehrerstelle zugewiesen.“

Schulen mit diesem Profil bieten an mindestens drei Wochentagen bis 14.30 Uhr Hausaufgabenbetreuung, Fördermaßnahmen sowie erweiterte Angebote im Wahl- und Freizeitbereich an. „Neben Schulamt und Schulträger kooperieren wir mit der Musikschule Seligenstadt, Hainburg, Mainhausen und mit der TGS“, erläutert die Rektorin. In diesem Schuljahr seien 80 Kinder von Montag bis Mittwoch für die so genannte Pädagogische Mittagsbetreuung angemeldet, bei der die Eltern nur das Mittagessen bezahlen müssten.

Beispiel Käthe-Paulus-Schule in Zellhausen: „Wir haben die Pädagogische Mittagsbetreuung seit dem Schuljahr 2007/8“, informiert der Grundschulleiter Stefan Wesselmann, „als die Fördermittel gießkannenartig übers Land verteilt wurden“. Mit dem Neubau erhielt die Schule auch ihr Betreuungsgebäude.

Kein Bedarf an Käthe-Paulus-Schule

Eine echte Ganztagsschule ist für ihn allerdings nur die gebundene Form (Profil 3), mit einem Wechsel von Bildungs- und pädagogischen Freizeitangeboten, der dem Biorhythmus gerecht wird und auch nachmittags Pflichtunterricht vorsieht. Die Höherstufung in Profil 2 oder gar 3 sei aber bisher selten, weiß Stefan Wesselmann, denn dafür müssten die Lehrerstunden kräftig aufgestockt werden und das werde dann richtig teuer. Die Käthe-Paulus-Schule hat keinen Antrag auf Ausweitung der Ganztagsbetreuung gestellt: „Momentan haben wir keinen Bedarf.“

Grund dafür sind unter anderem die Betreuungsangebote, die sich an den Schulen im Laufe der Jahre etabliert haben, um die Versorgung von Kindern berufstätiger Eltern zu sichern und meist von diesen sowie von den Kommunen finanziert werden. In Zellhausen organisiert dies der Förderverein „Käthchens Schüler Gondel“, „Villa Gutenberg“ heißt das Schülerzentrum des Fördervereins der Johannes-Gutenberg-Schule in Hainstadt. Dort hat der Betreuungsverein ein Konzept bis 17.30 Uhr entwickelt. Schulleiterin Susanne Heintz ist deshalb auch nicht so glücklich darüber, dass der Antrag ihrer Schule auf Aufnahme ins Ganztagsprogramm von 2008 jetzt plötzlich genehmigt wurde: „Ich hätte gern etwas mehr Vorlauf gehabt, im Mai haben wir erfahren, dass es im August losgeht.“

Durch die zusätzlichen Lehrerstunden könne man zwar AGs anbieten, doch die würden bisher nicht so angenommen. „Die Eltern sagen, ich nehme doch deshalb mein Kind nicht aus der Betreuung heraus.“ Der „Segen“ vom Kultusministerium wird derzeit eher als Konkurrenz empfunden.

Städtische Nachmittagsbetreuung als Alternative

Um dem Bedarf der Eltern nach längerer Betreuung gerecht zu werden, gibt es an der KAS die städtische Nachmittagsbetreuung „Rappelkiste“, sowie seit dem letzten Schuljahr ein Konzept der drei Träger Konrad-Adenauer-Schule, Evangelische Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen sowie Stadt Seligenstadt: Die Kinder können im Kinderclub des Gemeindezentrums an der Jahnstraße immer donnerstags und freitags gemeinsam kochen, essen und spielen. „Wir ergänzen das Angebot des Pädagogischen Mittagstischs“, sagt Gemeindepädagoge Claus Ost. Im vergangenen Schuljahr waren elf Kinder dafür angemeldet, in diesem Jahr sind es bereits 27.

Die Schule als „vernetzter Mittelpunkt für Bildung und Kultur“, wie die KAS auf ihrer Internetseite beschreibt, strebt Schulleiterin Dettmer nach wie vor an: „Es wäre ein Plus für jene Kinder, die verstärkt Förderung und Hilfe brauchen und ohne Betreuung nachmittags alleine auf der Straße sind.“ Doch der Antrag auf Erweiterung nach Profil 2 müsse in jedem Jahr neu gestellt und bei den schulischen Gremien der Bedarf abgefragt werden. „Ich habe es dieses Mal nicht gemacht“, sagt Gudrun Dettmer, „weil bisher kein Anbau in Aussicht ist“.

Dieser – er würde zu zwei Dritteln von der Stadt, zu einem Drittel vom Kreis als Schulträger finanziert werden – sei jedoch Voraussetzung für eine Ausweitung der Betreuung. Ein entsprechendes zweistöckiges Gebäude mit Gruppenräumen, Mensa und Küche sei bereits im Jahr 2004 mit 900.000 Euro veranschlagt worden.

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