„Weichmacher“ an Gutenberg-Schule

Gefahr für Gesundheit umstritten

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Die Klasse 1/2 g von Angelika Heurich hat den Unterricht ins Freie verlegt – aus Angst vor möglicherweise gesundheitsschädlichen Schadstoffen in den Räumen.

Hainburg - Nachdem bekannt wurde, dass in der Johannes-Gutenberg-Schule in Hainstadt Weichmacher nachgewiesen wurden, sind die Eltern beunruhigt.

Der Kreis Offenbach geht derzeit nicht von einer Gefahr für die Kinder aus, will die Werte aber wissenschaftlich analysieren lassen, um zu klären, ob die gemessene Konzentration als gesundheitsschädlich eingestuft werden muss. Um welche Stoffe handelt es sich genau und wieso sind sie problematisch?.

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Unterricht im Freien

In der Gutenberg-Schule sind die Weichmacher DEHP und TBEP festgestellt worden. TBEP, ein Phosphorsäureester, ist zum Beispiel in Bodenpflegemitteln enthalten und kann von behandelten Flächen auch in die Raumluft oder den Staub übergehen. Der Kreis hat deshalb, wie berichtet, als erste Maßnahme das Putzmittel gewechselt und die Böden in der Schule grundreinigen lassen, um Reste des Mittels zu entfernen. Eine erneute Messung soll zeigen, ob die Werte zurückgegangen sind. Inwieweit von der Belastung mit TBEP eine Gesundheitsgefahr ausgeht, ist unklar. In einer Stellungnahme des Industrieverbands für Hygiene und Oberflächenschutz heißt es, „dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch eine mögliche Exposition gegenüber TBEP unwahrscheinlich sind.“ Beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit läuft derzeit eine Studie dazu.

DEHP ist problematisch

Problematischer ist der zweite nachgewiesene Stoff, der Weichmacher DEHP. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt: „DEHP war lange Zeit das am häufigsten verwendete Phthalat. Wegen seiner fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften ... ersetzte die Industrie in den vergangenen Jahren DEHP teilweise durch toxikologisch weniger bedenkliche Phthalate.“ In manchen Produkten wie Spielzeug, Babyartikeln, Kosmetika oder Lebensmittelverpackungen ist der Einsatz einiger Weichmacher inzwischen ganz verboten.

Studien haben ergeben, dass die Menschen DEHP überwiegend oral aufnehmen. Weichmacher können aus Produkten ausdünsten und auch auf Lebensmittel übergehen. Die Mengen, denen man im Alltag ausgesetzt ist, sind zwar in der Regel sehr gering. Kinder können jedoch stärker belastet sein – vor allem Kleinkinder, die Weichmacher auch über den Hausstaub und über Spielzeug, das sie in den Mund stecken, aufnehmen. DEHP und weitere Phthalate sind in der EU seit 2005 generell in Babyartikeln und Spielzeug verboten. Ab Februar 2015 dürfen die Weichmacher DEHP, DBP und BBP nur noch mit besonderer Genehmigung eingesetzt werden. Grenzwerte im eigentlichen Sinne, die den Weichmachergehalt in Bedarfsgegenständen wie Tapeten oder Bodenbelägen regeln, gibt es bisher nicht.

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In die Vorgänge an der Gutenberg-Schule hat sich derweil das Staatliche Schulamt eingeschaltet. Der Termin, an dem Fachleute des Labors CAU-Analytik Schulleitung und Personalrat die Ergebnisse des Gutachtens erläutern sollen, findet nach Informationen unserer Zeitung nicht, wie zunächst geplant, im Kreishaus, sondern im Schulamt statt. Elternbeiratsvorsitzende Corinna Cosic will bis dahin Unterschriften von Eltern sammeln. Die Listen liegen am Samstag beim Sponsorenlauf an der Zweigstelle (9 bis 13 Uhr) aus.

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kd

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