Die große Sehnsucht nach Stille

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Schwester Maria und Michael Hüttner warben für die Schweige-Nachmittage im Karmel-Kloster in Hainstadt.

Hainburg (sam) ‐ Selbst viele Einheimische kennen es nicht und rauschen im täglichen Verkehr daran vorbei: das Karmelitinnen-Kloster St. Gabriel an der Hainstädter Hauptstraße.

Dabei lebt hinter den unscheinbaren Mauern seit 1948 eine katholische Ordensgemeinschaft, die im 16. Jahrhundert die spanische Karmelitin Teresa von Ávila (1515-1582) gründete und deren Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Den Alltag der derzeit fünf Schwestern im Alter zwischen 45 und 87 Jahren prägen das innere Beten in der Stille, die Meditation der biblischen Schriften und die Auseinandersetzung mit den heutigen Glaubensfragen. Seit 2004 laden die Ordensfrauen auch die Bevölkerung zu Stille-Nachmittagen ein, in diesem Jahr bieten sie wieder sechs Termine an.

„Das schweigende Gebet ist ein wesentliches Element unserer Spiritualität“, sagt Schwester Maria. „Ich empfinde es als ein Riesengeschenk und möchte auch andere daran teilhaben lassen.“ Denn sie erlebe, dass es den Menschen gut tut. In Zeiten ständiger Reizüberflutung sei eine Gegenbewegung entstanden: „Es gibt eine große Sehnsucht nach Stille, aber die Leute wissen nicht unbedingt, wo sie sie finden.“ In der Klosterkirche bietet sich alle zwei Monate die Gelegenheit, sonntags für zwei Stunden eine Auszeit von der Hektik des Alltags zu nehmen.

Michael Hüttner, Vereinsmitglied im Freundeskreis der Karmelitinnen Kloster St. Gabriel, hat die stillen Tage von Anfang an mit begleitet. „Klöster prägen seit Jahrtausenden das christliche Abendland und seine Kultur“, erklärt er sein Interesse am kontemplativen Leben. Deshalb ist es ihm ein besonderes Anliegen, den Hainburger Karmel als geistliches Zentrum in der Region bekannter zu machen. „Mit den Stille-Nachmittagen war ein Thema gefunden, das sich über die Zeit hinweg trägt.“ Auch die Seligenstädter Pfarrgemeinde St. Marien unterstützte die Idee.

Es gibt Menschen, die immer wieder kommen. Aus der näheren Umgebung, aber auch aus Frankfurt oder Rodgau. „Im Durchschnitt sind es zehn bis zwölf Teilnehmer, die meisten 50 bis 60 Jahre alt“, berichtet Schwester Maria, die den Nachmittag anleitet, nachdem sie von der Karmelzelle in Hamburg-Finkenwerder – eine „Filiale“ von Hainburg - positive Erfahrungen mitgebracht hat.

Nach einer Vorstellungsrunde führt die Ordensfrau in das stille Beten ein und schickt dann die Besucher mit einem kurzen inhaltlichen Impuls aus dem Evangelium ins Zwiegespräch mit Gott. Damit stundenlanges Stillsitzen im Chorgestühl nicht peinlich und peinvoll wird, gibt es mehrere Einheiten. „Dazwischen gehen wir im Kreis und tauschen uns aus“, beschreibt Schwester Maria den Ablauf. Dann werde oft klar, dass die Zeit der Stille nicht gleich zum inneren Gleichgewicht führe: „Bei manchem kommt die innere Unruhe hoch und die Dinge beginnen sich erst nach und nach zu klären.“ Eine gute Basis, um sich zu verorten und mit neuer Kraft nach vorne zu schauen, meinen die Schwestern von St. Gabriel.

Der Seligenstädter Grafiker Mathias Neubauer hat das neue Plakat gestaltet, das für die Stille-Nachmittage wirbt und sich dabei von der Tür der Klosterkirche inspirieren lassen. Ein Flyer mit den Terminen (15. Januar, 11. März, 13. Mai, 8. Juni, 9. September, 18. November, jeweils 15 bis 17 Uhr) und Kontaktdaten liegt in Kirchen, Gemeindehäusern, Rathäusern und Bürgerämtern aus. Infos auch im Internet unter http://www.karmelitinnen-hainburg.de

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