Grüne Landschaft begeistert

Ägyptische Waisenkinder besuchen ehemaliges Kloster

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Gruppenbild mit den Gästen aus Ägypten, die derzeit im ehemaligen Kloster in Hainstadt untergebracht sind.

Hainburg - Dichte Wälder, blühende Wiesen, wohl bestellte Felder: Ein Ausflug in den Odenwald hat die Besuchergruppe aus Ägypten am meisten beeindruckt. Von Sabine Müller

Die Waisenkinder und ihr Betreuer-Team sind anlässlich eines Jugendaustauschs für zehn Tage zu Gast beim Offenbacher Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum (TKJHZ) und wohnen im ehemaligen Hainstädter Kloster, von wo aus vielfältige Ausflüge und Aktivitäten unternommen werden. Vergangenen Herbst waren Jugendliche des TKJHZ unter Leitung des geschäftsführenden Verwaltungsleiters Rainer Wolf zum Besuch eines Kinderheimes in Kairo eingeladen, genossen herzliche Gastfreundschaft und erlebten viel. Georg Horcher, Leiter des Kreisjugendamtes Offenbach, hatte die Begegnung eingefädelt. Seit einem deutsch-ägyptischen Jugendaustausch in den 70er Jahren organisiert er dauerhafte Kontakte und Projekte zwischen beiden Ländern. Das Ziel: interkulturelle und zwischenmenschliche Erfahrungen sammeln und damit zur Völkerverständigung beitragen.

Ein einmaliges Erlebnis ist dies vor allem für jene sechs ägyptische Kinder und Jugendliche, die derzeit auf Gegenbesuch in Deutschland sind. Die vier Jungen und zwei Mädchen leben in durch Spenden finanzierten Heimen in Kairo und Umgebung. „Sie gehören dort zu den vielen abgegebenen oder aufgefundenen Kindern“, erläutert Horcher beim Gesprächstermin im ehemaligen Kloster in Hainstadt. „Im kinderreichen Ägypten ist das Einzelne wenig wert.“ Die Zwölf- bis 16-Jährigen wurden mit dem von der „Orphans‘ Friends Association“ gestifteten Preis (Karim El Husseini Award) für besondere Leistungen ausgezeichnet; dazu gehört unter anderem die Reise nach Deutschland vom 5. bis 15. Juni.

„Total neue Erfahrungen“

„Die Kinder machen hier total neue Erfahrungen“, berichten die Betreuer. So lernten sie erstmals eine christliche Kirche kennen, als Regionalkantor Thomas Gabriel ihnen die Seligenstädter Basilika zeigte und sie sogar auf der Empore zum Orgelspiel einlud. Der Radausflug zur „Alten Fasanerie“ in Klein-Auheim musste erst eingeübt werden – „in Ägypten fährt kaum jemand Rad, das wäre lebensgefährlich“, sagt Georg Horcher. Generell hätten die Gäste über das disziplinierte Verhalten und die Sauberkeit auf Deutschlands Straßen gestaunt.

Die Dimension des Frankfurter Flughafens habe ihn beeindruckt, sagt ein ägyptischer Junge. Über das hiesige Schulsystem wundert sich ein anderer. Dieses lernten die Kinder am Mittwoch beim Besuch des Kreuzburg-Gymnasiums in Großkrotzenburg kennen, wo außerdem Kissen genäht wurden und die Situation in Ägypten Thema war. In Frankfurt durften Klamotten und Schokoladen-Präsente eingekauft werden, auf dem Programm stehen außerdem noch Hoherodskopf und Ronneburg sowie eine Domführung in Mainz mit dem TKJHZ-Vorsitzenden Domkapitular Eberhardt und eine Rhein-Schifffahrt. Mit am schönsten sei für die Kinder ein Ausflug zum Felsenmeer im Odenwald gewesen, sagen die Betreuer. Das frische Grün der Wälder habe sie begeistert und zu Spekulationen veranlasst, den Deutschen sei es bereits gelungen, ihre Wüste in blühende Landschaften zu verwandeln.

Da die Ägypter nur rudimentär Englisch sprechen, die Deutschen kein Arabisch verstehen, gelingt die Verständigung mit den Mitgliedern in den Tages- und Wohngruppen des Jugendhilfezentrums besonders gut durch gemeinsame Aktivitäten, die ohne Worte auskommen: Fußball spielen, Eis essen, gemeinsam musizieren und kochen. Außerdem fungieren Monir und Jutta El Husseini von der ägyptischen Partnerorganisation Orphans‘ Friends Association als Dolmetscher. Ihre Stiftung hat das Ziel, die Standards in den ägyptischen Waisenhäusern nachhaltig zu verbessern (www.ofaegypt.org). Gemeinsam mit dem Jugendamt des Kreises und dem TKJHZ organisieren sie das Projekt. Die finanzielle Grundlage für den Jugendaustausch habe aber nur durch den Kinder- und Jugendplan des Bundes sowie private Spenden geschaffen werden können, sagt Rainer Wolf. „Alle junge Menschen, die daran teilnehmen, werden auf jeden Fall positive und bleibende Erinnerungen sammeln.“

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