Gutenberg-Schule

Experten: Keine akute Gefahr für Schüler

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Die Klasse 1/2 g von Angelika Heurich hatte den Unterricht ins Freie verlegt – aus Angst vor möglicherweise gesundheitsschädlichen Schadstoffen in den Räumen.

Hainburg - Keine akute Gefährdung für die Kinder! Allerdings sollen Nachmessungen am heutigen Freitag Aufschluss über mögliche Gesundheitsbeeinträchtigungen an der Johannes-Gutenberg-Schule geben.

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Gutenberg-Schule: Unterricht im Freien

Gefahr für Gesundheit umstritten

Zu diesem Ergebnis kamen Experten am Mittwoch bei der angekündigten „großen Runde“ beim Staatlichen Schulamt Offenbach. Für Schulelternbeiratsvorsitzende Corinna Cosic brachte der Termin jedoch „auf keinen Fall ein befriedigendes Ergebnis“. Das Ergebnisse des Gutachtens zur Hausstaubuntersuchung und des daraus resultierenden Gutachtens standen im Mittelpunkt, als Schulamtsleiter Dr. Peter Bieniußa die Unterredung moderierte, an der Schulleitung, Eltern- und Personalvertretung der Gutenberg-Schule sowie Landrat Oliver Quilling, Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, Vertreter der Fachdienste Gebäudewirtschaft, Gefahrenabwehr und Gesundheitszentrum, der Betreibergesellschaft Hochtief PPP Schulpartner und Fachleute des Gutachter-Institutes Sakosta CAU teilnahmen.

Landrat und Kreisbeigeordnete äußerten einleitend ihr Verständnis für die Sorgen der Eltern auf Grund der Messergebnisse, stellten aber fest, „dass in Folge sehr schnell Maßnahmen veranlasst wurden.“ Eine akute Gefährdung der Kinder werde nicht gesehen. Bedauerlich sei, dass die Kommunikation verspätet erfolgt sei. Nicole Pruzina (Sakosta CAU) erläuterte, dies findet sich auch in dem Gutachten wieder, dass aller Voraussicht nach die Putzmittel ein ausschlaggebender Faktor für die erhöhten TBEP-Werte seien. Diese Erfahrung habe das Institut bereits in anderen Einrichtungen gemacht. Der Verdacht liege deshalb nahe, weil der neue Musikraum, der einen Linoleumfußboden hat, bei der DEHP-Belastung nur einen sehr geringen Wert ausweise, bei der TBEP-Belastung allerdings einen sehr hohen. Darum seien die Putzmittel zum 1. April ausgetauscht worden. Die jetzt verwendeten Putzmittel seien TBEP-frei, das bestätigte der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft von Hochtief PPP Schulpartner, Raik Kratz.

EU-weit keine Grenzwerte

Auf die erhöhten DEHP-Werte im Hausstaub, die aus dem Boden resultieren, habe der Kreis mit Hochtief PPP Schulpartner ebenfalls zügig reagiert. „In den Sommerferien wurde die Beschichtung komplett abgetragen und der Boden neu versiegelt.“ Pruzina fügte hinzu, dass der größte Teil dieses Stoffes nach wie vor über die Nahrungsmittelkette in den Körper gelange. Über die Gefährdung durch Hausstaub oder das Einatmen des Stoffes gebe es derzeit keinerlei verbindliche Aussagen. „Außerdem gibt es EU-weit keine wissenschaftlich fundierten oder gesetzlich festgelegten Grenzwerte. Darum wurde auch das Institut für Hygiene und Umweltmedizin an die Justus-Liebig-Universität in Gießen hinzugezogen, um das Ergebnis der anstehenden Nachmessung mit Blick auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung zu bewerten.“ Grundsätzlich werde erwartet, dass die Messwerte in der heutigen Nachmessung - unter den gleichen Bedingungen wie im Februar und im März - mehr als spürbar zurückgehen. Abschließend unterbreitete die Sakosta CAU den Vorschlag, dass die Kinder bis zum Vorliegen der aussagefähigen Ergebnisse im Unterricht vorsorglich Hausschuhe tragen könnten. Bei den Beprobungen Anfang des Jahres sei ein recht hoher Sandeintrag zu verzeichnen gewesen, der den Bodenabrieb und damit die Werte des DEHP im Hausstaub erhöhe. Außerdem gab es den Hinweis, dass Stoßlüften während der Pausen ausreicht.

Für Schulelternbeiratsvorsitzende Corinna Cosic erbrachte der Termin „auf keinen Fall ein befriedigendes Ergebnis“. Sie sei sich verschaukelt vorgekommen, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung, denn unter den 16 Teilnehmern sei jener Professor, der sowohl das alte Gutachten (2008) als auch das aktuelle erstellt habe, nicht dabei gewesen, um Rede und Antwort zu stehen. Zwar sei betont worden, man wolle auf jeden Fall etwas ändern und das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern, Schule und Behörden wieder aufbauen, gleichzeitig seien die Eltern angewiesen worden, die Kinder nach den Herbstferien mit Hausschuhen auszustatten, um Abrieb zu vermeiden. „Im April ist das Putzmittel gewechselt worden, wovon wir nichts wussten, morgen soll es eine erneute Messung geben, das Ergebnis aber erst Mitte Dezember mitgeteilt werden.“

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Die Eltern wollten aber direkt nach den Ferien Klarheit, sagt Cosic. „Sonst werde ich sie nicht davon abhalten können, ihre Kinder von der Schule fernzuhalten.“ Privat kann Susanne Heintz diese Reaktion „stückweise nachvollziehen“, in ihrer Funktion als Gutenberg-Schulleiterin müsste sie dann allerdings Meldung machen. „Man hängt in der Luft“, sagt sie über den Status quo. Einerseits erwecke es den Eindruck, der Kreis bemühe sich um Aufklärung, andererseits sei es „schon komisch, dass es so lange dauert, bis einer sagt, ob die Werte gesundheitsschädlich sind oder nicht“.

(sam/mho)

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