"Können nicht alle drei Jahre bauen"

Baugenossenschaft Hainstadt wehrt sich gegen Vorwürfe der AMU

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An der Trumauer Straße lässt die Gemeinnützige Baugenossenschaft derzeit für etwa 105 000 Euro Fenster sanieren.

„Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt!“ Harsche Kritik an der Vorgehensweise der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Hainstadt bei den jüngsten Projekten übt die Arbeitsgemeinschaft Mensch und Umwelt.

Hainburg – Nach Ansicht des AMU-Vorsitzenden Michael Sterker muss die Baugenossenschaft die Ausstattung ihrer Wohnblöcke mit Fotovoltaikanlagen forcieren. Stattdessen werde nur „Fassadenmalerei“ betrieben, kritisiert er mit Blick auf aktuelle Sanierungsarbeiten an Gebäuden.

Jens Opacki vom Vorstand der Baugenossenschaft wehrt sich gegen diese Angriffe. „Wir sind gemeinnützig und dürfen nur einen kleinen Teil der Gewinne aus Nichtvermietung erzielen, sonst werden wir steuerpflichtig“, betont er und ergänzt: „Das weiß man bei der AMU.“ 

Endgültige Klärung herbeiführen

Übersteige der Umsatz aus Zusatzgeschäften ein Prozent der Umsätze (laut Bundesanzeiger betrugen die Umsatzerlöse aus der Hausbewirtschaftung 2017 knapp 2,2 Millionen Euro), komme der Fiskus ins Spiel. Der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft mit Sitz in Frankfurt befasse sich derzeit mit dem Thema, um eine eindeutige Klärung herbeizuführen.

Opacki betonte zudem, dass nur Eigentümer Fotovoltaikanlagen errichten könnten. „Mieter müssten EEG-Umlage zahlen, bekommen aber keine Zuschüsse.“

Die AMU kritisierte auch, dass die „falsche Ausrichtung der Dachfläche“ bei der Seniorenwohnanlage Waldmorgen den Bau einer Solaranlage verhindere. Opacki hält dem entgegen, dass man das Grundstück optimal habe nutzen müssen, um dort 18 Zwei-Zimmer-Sozialwohnungen bauen zu können. „Wir können ein Haus nicht nach Solaranlagen planen“, reagiert er mit Unverständnis auf die AMU-Attacke.

"Es ist nicht so, als würden wir nichts machen"

Auch den Vorwurf, „Grünflächen in Steinwüsten“ zu verwandeln, weist das Vorstandsmitglied zurück. Es habe sich dabei um je etwa 20 Quadratmeter große Grünstreifen zwischen Garagen und Gehwegen im Kiefernhain gehandelt. Mieter hätten gegen die Kosten für die Pflege protestiert, die sich in ihren Umlagen wiederfanden, also habe man sich dazu entschlossen, das Grün gegen Kies auszutauschen.

Steinwüste statt Rasen am Kiefernhain - für die AMU ein Stein des Anstoßes. Foto: p

In diesem Zusammenhang erinnert Opacki daran, dass die Baugenossenschaft vor nicht allzu langer Zeit 2 000 Quadratmeter eines Geländes zwischen Hainstadt und Klein-Auheim für Bienen bepflanzt hat: „Es ist ja nicht so, als würden wir nichts machen“, sagt er.

Die Behauptung der AMU, die Baugenossenschaft habe nicht mehr vor zu bauen, sondern wolle ihre Immobilien nur verwalten, weist Opacki vehement zurück. Zuletzt habe man das Projekt Waldmorgen realisiert und drei Millionen Euro (ohne Grundstück) investiert. Im Mai 2016 zogen die ersten Mieter ein. „Wir können nicht alle drei Jahre etwas bauen. Bei Überschüssen von 200 000 bis 300 000 Euro jährlich brauchen wir etwa zehn Jahre für die Konsolidierung.“ Opacki erinnert auch daran, dass die Baugenossenschaft, der 328 Wohnungen gehören, Geld in Sanierungen stecken müsse.

Haushalt der Genossenschaft belastet

Derzeit würden zum Beispiel die Fenster in 28 Wohnungen an der Trumauer Straße ausgetauscht. Kostenpunkt: 105 000 Euro. Auch habe die Baugenossenschaft Anfang der 2000er Jahre 100 Wohnungen von der Gemeinde Hainburg übernommen. Die zwölf Millionen Euro Verbindlichkeiten aus diesem Geschäft belasteten den Haushalt der Genossenschaft immer noch.

VON OLIVER SIGNUS

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