Kostbare Winzlinge

Bruno Krieger (94): Ein Leben zwischen Diamanten und Gold

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Diskussion in der Zeichenakademie (v.l.): Daniel Ramos, Bruno Krieger und Klaus Pairan.

Dem Berufsbild war nur eine kurze Blütezeit in Hainburg vergönnt: der Diamantschleiferei. Von 1920 bis 1970 waren es 23 Betriebe, die in beiden Hainburger Gemeindeteilen diesem Gewerbe nachgingen.

Hainburg – Damals gab es den Diamantspalter, der den Rohdiamanten marktgerecht zurichten musste. Der Diamantsäger bereitete den Stein für die Weiterverarbeitung vor. Der Diamanttreiber war zuständig für die Bearbeitung der oberen Flächen und den runden Umfang. Dann schlug die Stunde des Diamantschleifers. Dieser Beruf ist sehr schwierig, erfordert ein gutes Auge und eine sichere Hand. „Er sollte eigentlich den Status eines Künstlers haben, denn nicht umsonst fand der Berufsschulunterricht in der Zeichenakademie Hanau statt“, so Klaus Pairan, der für den Heimat- und Geschichtsverein die Geschichte der Diamantschleiferei aufgearbeitet hat. Unterstützung beim Aufbau der Abteilung erhielt er von Bruno Krieger.

Kaum einer hatte mehr mit Diamanten und Goldschmuck zu tun als Krieger, der vor 94 Jahren in der Hainstädter Feldstraße geboren wurde. Vater Karl war selbstständiger Diamantschleifer und hatte eine kleine Werkstatt. Die ersten Berührungen mit Diamanten fanden für Bruno schon in der Kindheit statt. Hatte sich wieder einmal ein Rohdiamant beim Schleifen selbstständig gemacht, fand sich die ganze Familie auf den Knien in der Werkstatt ein um den kostbaren Winzling zu suchen.

Als Bruno mit 14 Jahren die Volksschule verließ, übernahm ihn der väterliche Betrieb als Diamantschleifer-Lehrling. In den Lehrjahren von 1939 bis 1942 besuchte er die Berufsschule in der Zeichenakademie in Hanau. Sein Abschlusszeugnis war ausgezeichnet. Das Ende der Ausbildungszeit traf mit dem Kriegsbeginn zusammen. Nach kurzer Zeit beim Reichsarbeitsdienst wurde Krieger vom Militär übernommen. Es erfolgten Einsätze an verschiedenen Kriegsschauplätzen, wo es oft ums nackte Überleben ging.

Diamantschleifer-Werkzeug hat der Heimat- und Geschichtsverein Hainburg gesammelt und restauriert.

Nach kurzer Gefangenschaft kehrte er nach Hainstadt zurück. Die deutsche Wirtschaft lag am Boden. An Diamanten war nicht zu denken. Deutschland war von den Siegermächten der Handel an der Diamantbörse ausgeschlossen worden. Durch ein Programm der Bundesregierung für junge, ehemalige Soldaten entschloss Krieger sich eine Lehre als Goldschmied zu absolvieren. Da die Zeichenakademie von Bomben zerstört war, fand der Berufschulunterricht in einer Gastwirtschaft in Hanau statt. Nach der Abschlussprüfung als Goldschmied arbeitete er in seinem neuen Beruf, bis er Anfang der 50er Jahre den elterlichen Betrieb übernahm. Krieger hat beim Heimat- und Geschichtsverein den Aufbau der Abteilung „Diamantschleiferei“ mit Rat und Tat unterstützt. Alle wichtigen Geräte und Apparaturen der Diamantschleifer konnten vom Verein aufgefunden, restauriert und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Oft verbunden mit Vorträgen über die Beschaffenheit, die Besonderheit und die Zusammensetzung der edlen Steine.

Dieser Tage schloss sich nun der Kreis für Bruno Krieger. Auf Initiative des Heimat und Geschichtsvereins Hainburg stand eine Sonderführung für ihn in der Zeichenakademie Hanau auf dem Programm. Es kam zu einer lebhaften Diskussion zwischen dem 94-Jährigen und dem führenden Dozenten Daniel Ramos über das Metier, vor allem die Ausbildung der Goldschmiede-Lehrlinge einst und heute.  

mho

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