Bürgerversammlung

Hainburger erarbeiten Konzept für Nahmobilität: Alte Wege verlassen, neue gehen

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An Beispielen aus anderen Kommunen zeigte Professor Dr. Jürgen Follmann, wie’s geht. Auf dem Podium der Hainburger Gemeindevertretervorsteher Oliver Möser und Laura Kehrer, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Darmstadt.

„Attraktiv und sicher“ soll sie sein, die „Nahmobilität in Hainburg“. Was dazu beitragen kann, erarbeitet derzeit Professor Dr. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt mit seinen Studenten.

  • Nahmobilität in Hainburg soll attraktiver werden
  • Studierende der Fachhochschule Darmstadt erarbeiten Konzept für Hainburg
  • Auch Bürger können Nahmobilität in Hainburg mitgestalten

Hainburg – Als ersten Schritt stellte er einige Ideen bei einer Bürgerversammlung am Dienstagabend im Feuerwehrhaus Klein-Krotzenburg vor. Zweiter Schritt ist eine Rad- und Fußtour auf Ostring und Kirchstraße am Samstag, 25. April, ab 11 Uhr. Davon erhofft sich Follmann weitere Anregungen von Bürgern.

Hainburg: Nachhaltige Nahmobilität als Alternative zu Elterntaxis

„Mobilität neu denken“ ist das Schlagwort. Vor dem Hintergrund des Klimaschutzes werde Nachhaltigkeit immer wichtiger, erwartet der Verkehrsfachmann. Seine These: „Das Bewusstsein verändert sich, aber unser Handeln ist inkonsequent.“

Als Alternative zum Elterntaxi lobte er den Laufbus, wie er in Dudenhofen erfolgreich sei und ihn ein junger Mann auch für Hainburg projektiere: „Kinder treffen sich und gehen in Begleitung gemeinsam zur Schule oder zum Kindergarten.“ Für CDU-Bürgermeister Alexander Böhn ist es „eine Privatinitiative, die wir gern unterstützen“. Und Follmann verweist auf eine Studie, der zufolge es Kreuzburgschüler ab Klasse 7 oder 8 „total uncool“ fänden, mit dem Auto gebracht zu werden. „Die steigen lieber ein, zwei Kreuzungen vorher aus...“

Fahrräder sollen in Hainburg Nahmobilität bereichern

Viele Wege ließen sich per pedes oder Fahrrad zurücklegen, meint der Professor als bekennender Pedelec-Nutzer. „In Jügesheim, wo ich wohne, liegen alle Einrichtungen im Radius von einem Kilometer um den Bahnhof. Das sind maximal 15 Minuten zu Fuß oder fünf mit dem Rad. Und es nützt der Gesundheit.“

Als weitere neuartige Fahrzeugtypen neben dem Pedelec nannte der Experte Fahrradrikschas oder E-Tretroller. Einsetzbar seien sie bei Postzustellung, Warenlieferung, Verkehrsbetrieben, privater und kommunaler Logistik.

Hainburg: Infrastruktur ist wichtig für bessere Nahmobilität

Dafür müsse man aber eine gute Infrastruktur anbieten. „Wo können wir Radwege anlegen?“, fragte Follmann in die Runde. Als Beispiel führte er den neuen Radschnellweg Richtung Frankfurt an. „Der ist nachts sogar beleuchtet, mit Solarbetrieb, die Lampen gehen bei Bedarf an und aus.“ Wichtig sei auf jeden Fall das Tragen eines Helms. Sinnvoll könne die Errichtung einer Fahrradzählstelle am Mainufer (wie in Offenbach) sein, um konkrete Zahlen für die Planung zu bekommen.

Neue Gesetzgebung beeinflusst Nahmobilität auch in Hainburg

Dass sich was tue, machte Follmann an Veränderungen in der Gesetzgebung fest. Er präsentierte neue Verkehrsschilder und fragte nach deren Bekanntheitsgrad: Grüner Pfeil zum Rechtsabbiegen für Radler, Fahrradzone, Radschnellweg, Überholverbot für Zweiräder, Abstellplatz für Lastenrad. Lkw dürften nur noch im Schritttempo abbiegen, wo Radler oder Fußgänger seien. Radler dürften nebeneinander fahren, wenn dies niemanden behindere.

Neu sei auch, dass der Seitenabstand beim Passieren festgelegt sei: Anderthalb Meter innerorts, zwei außerorts. Im Zweifel könne dies dazu führen, dass ein Überholen nicht möglich sei, wie Follmann an einem Foto demonstrierte. Ein Bild aus Seligenstadt verdeutlichte die 1,50 Meter mit Schwimmnudeln.

Hainburg: Knotenpunkte und Bahn werden in Wandel der Nahmobilität einbezogen

Am Knotenpunkt Hauptstraße/Offenbacher Landstraße hielt der Wissenschaftler einen Kreisel für ideal. Auch für die Landesstraße 3065 böten sich Kreisverkehre an.

Bei der Regionalbahn müsse man perspektivisch an elektrifizierte, auch batteriebetriebene Züge denken, forderte Follmann. Auch sei zu überlegen, sie preiswerter zu machen, etwa durch ein Bürgerticket analog zum Schüler- oder Seniorenticket.

Bürger können Nahmobilität in Hainburg mitgestalten

Nach der Devise „Mobil bis ins hohe Alter“ seien Rollatoren und Rollstühle bei der Verkehrsplanung zu berücksichtigen, sagte der Forscher. Und er legte am Beispiel der Stadt Kerpen dar, wie Kinder bei der Umgestaltung eine Knotenpunkts mitwirkten.

Abschließend konnten die gut zwei Dutzend Interessenten den Studenten aus ihrer Sicht neuralgische Verkehrsknoten in den Ortsteilen nennen. Und für den Heimweg gab ihnen Follmann ein griffiges Motto mit: „Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen!“

VON MARKUS TERHARN

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