Rettungseinsatz

Hainburger Feuerwehrboot in Seenot? Prüfung gefordert 

Drei „Mann“ in einem Boot, zwei davon auf der Bank, einer auf dem Boden – da bleibt nicht mehr viel Platz für die Trage und den zu rettenden Menschen... Foto: privat
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Drei „Mann“ in einem Boot, zwei davon auf der Bank, einer auf dem Boden – da bleibt nicht mehr viel Platz für die Trage und den zu rettenden Menschen...

Die Gemeindevertreter in Hainburg wollen überprüfen lassen, ob das Rettungsboot der Feuerwehr für den Einsatz überhaupt geeignet ist. 

Hainburg – Was haben wir da bloß gekauft? Die Frage warf Heinz Seipel in der Sitzung der Hainburger Gemeindevertreter am Montagabend in der Kreuzburghalle auf. Der SPD-Mann, der nicht im Namen seiner Fraktion sprach, meinte das 2017 angeschaffte Rettungsboot der Feuerwehr Hainstadt. Beim Typ Bombard Commando C5 handele es sich laut Angaben des Herstellers um ein Freizeit- und Sportboot. „Nach drei Jahren sollten die Einsatzkräfte Klarheit darüber erhalten, ob dieses Boot die aktuellen DIN-Vorgaben erfüllt. “.

Seinen Antrag untermauerte Seipel  mit Beispielen. Das Rettungsboot müsse rot sein oder einen 30 Zentimeter breiten roten Streifen haben; dieses sei dunkel mit rotem Drei-Zentimeter-Streifen. Es müsse Sitze für sechs Personen haben, die Betriebsanleitung erlaube aber nur drei. Ein gestelltes Foto zeigt drei Insassen ohne Ausrüstung – zwei auf einer Bank, einer auf dem Boden – und eine Trage ohne Verletzten: Voll ist das Boot! Auch fehlten belastbare Krampen zum Festmachen; statt einer Scheibe gegen Wind, Regen und Spritzwasser gebe es Ein-Euro-Plastikbrillen aus dem Baumarkt; als Lenzpumpe diene ein Blasebalg zum Aufpumpen von Luftmatratzen; der Verbandskasten sei nicht gegen Nässe geschützt.

Einen ungewohnten Anblick bot die Sitzung der Hainburger Gemeindevertreter in der Kreuzburghalle. Auf Abstand wurde geachtet, zudem blieben wegen der kurzfristigen Ansetzung einige Plätze in den Reihen der Fraktionen leer – entschuldigt. 

Folge laut Seipel: „In unserer Gemeinde wird ein ungeeignetes Boot den Einsatzkräften zum Rettungseinsatz überlassen. Ist es da nicht nachvollziehbar, wenn sich freiwillige Feuerwehrleute weigern, das Boot zu besetzen, weil sie um ihre Gesundheit fürchten?“ Deshalb solle ein unabhängiger Gutachter Klarheit schaffen, ob das Boot ertüchtigt werden könne. Andernfalls müsse die Gemeindevertretung entscheiden, ob sie ein den Vorschriften entsprechendes Rettungsboot anschaffen wolle.

In seiner ersten Reaktion stellte Bürgermeister Alexander Böhn (CDU) „in Abrede, dass die Gemeinde wissentlich etwas in Verkehr bringt, das Leute gefährdet“. Der technische Prüfdienst habe das Boot abgenommen und erst am Freitag erneut dessen Einsetzbarkeit bestätigt. Und die Unfallkasse habe mitgeteilt, dass die Insassen beim Einsatz versichert seien.

Wigbert Appel, Fraktionschef der Bürger für Hainburg, sprach von einem „sehr emotionalen Vortrag“ Seipels, er könne das aber nachvollziehen. Die Sache sei zumindest fragwürdig: „Ich weiß nicht, ob der Gutachter, der die Unbedenklichkeit bescheinigt hat, selbst damit rausfahren würde...“ Appel signalisierte Zustimmung, dem schloss sich das Plenum bei nur einer Enthaltung aus den Reihen der BfH an. Den Bericht über die Sicherheit an Bord hören die Mitglieder in der nächsten Sitzung des Ausschusses, nach den Sommerferien.

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