Verunreinigte Wasserzuleitung 

Verseuchtes Wasser - Hainburger klagt über massive gesundheitliche Beschwerden

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Stefan Piepenbrink im Keller seiner Autofirma: In diesem Kessel sammelte sich das Brunnenwasser.

Der Kaffee, den Stefan Piepenbrink trinkt, ist mit Mineralwasser gekocht. Auch das Essen, das er sich in seinem Autohaus zubereitet. Nicht dass die Werkstatt keinen Anschluss ans Hainburger Netz hätte. Aber die Leitungen sind verseucht.

  • Hainburger klagt über massive gesundheitliche Beschwerden
  • Der Grund ist offenbar bakteriell verseuchtes Wasser
  • Auch Mitarbeiter der Firma W&P Automobile betroffen 

Hainburg –  Über „Krankheiten ohne Ende“ klagt Piepenbrink, dessen Firma W&P Automobile seit zwölf Jahren Mieter des Gebäudes Hauptstraße 12 in Hainstadt ist. Der 48-Jährige zählt auf: „Ich musste ständig aufs Klo, bin mehrmals zusammengeklappt, hatte eine Darm-OP.“ Schon länger habe er sich über Ablagerungen in der Kaffeemaschine und milchiges Wasser gewundert. „Am 17. Dezember 2018 kam mir die Sache so komisch vor, dass ich die Gemeindewerke angerufen habe.“

Die kamen und fanden im Keller eine Brunnenpumpe, die an Toilette und Wasserhahn im Ausstellungsraum angeschlossen war. Um zu ermitteln, wohin überall das Wasser gelangte, machte Piepenbrink den Test. Ergebnis: Egal welcher Hahn, welche Spülung betätigt wurde, immer drehte sich das Rädchen der Wasseruhr.

Hainburg: Starke bakterielle Verunreinigung

Am 27. Dezember entnahm Piepenbrink Wasserproben und sandte sie an eine Fachfirma. Die ermittelte eine starke bakterielle Verunreinigung: Auf den Milliliter Wasser kamen 336 KBE (koloniebildende Einheiten), zulässig sind maximal 100. Woher die Verseuchung stammt, kann Piepenbrink nur mutmaßen: „Direkt nebenan liegt der Nonnenfriedhof des ehemaligen Klosters St. Gabriel...“

Quell des Übels: Wasserzuleitung im Keller

Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde das Rohrwirrwarr im Keller begutachtet und einen Anschluss an die öffentliche Versorgung hergestellt. „Fürs Wasserwerk war das damit erledigt“, berichtet Piepenbrink, „das ist nur bis zum Haus zuständig.“ Wegen der noch nicht desinfizierten Leitungen setzte er sich mit seinem Vermieter auseinander – bislang ohne Resultat. Am 21. Februar 2019 erstattete er Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Außenstelle Offenbach, wegen Verdachts des Betrugs und der Körperverletzung.

Hainburg: Viele Mitarbeiter von gesundheitlichen Problemen betroffen

„Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich nicht der Einzige war, der massive Gesundheitsprobleme hatte“, erzählt Piepenbrink. „Mein Meister ist bei der Arbeit kollabiert, der Notarzt kam und schickte ihn ins Krankenhaus, wo er eine Woche lag, mit einer schweren bakteriellen Vergiftung.“ Eine Mitarbeiterin habe an einer Blasenentzündung gelitten, ein anderer Blut im Stuhl gehabt. Da sie teils literweise Tee am Tag getrunken oder Obst und Gemüse in der Küche gewaschen hätten, liege ein Zusammenhang nahe.

Das hielt die Staatsanwaltschaft für nicht erwiesen. Per Schreiben vom 19. November 2019, das unserer Zeitung vorliegt, teilte sie Piepenbrinks Anwalt mit, sie habe das Verfahren eingestellt. Dem Beschuldigten sei „auch nach umfangreichen polizeilichen Ermittlungen ein hinreichender Tatverdacht bezüglich eines strafrechtlich relevanten Verhaltens nicht vorzuhalten“. Wann und in welchem Umfang Wasser umgeleitet wurde, sei nicht mehr feststellbar; Täuschung und Vermögensschaden oder Körperverletzung seien nicht zu belegen. Zivilrechtliche Ansprüche kann Piepenbrink geltend machen. Beschwerde hat er bereits eingelegt.

In mittelhessischen Gemeinden war das Trinkwasser im Jahr 2016 mit Coli-Bakterien verseucht

von Markus Terharn 

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