TdO gibt Jugendlichen Hoffnung

Klassenfahrten mit besonderem Gemeinschaftsgeist

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Auch ein Projektthema: Der Friedhofbesuch in Mailand mit zahlreichen Gesprächen und dem obligatorischen TdO-Abschlussfoto.

Ostkreis - Die Idee ist fast auf den Tag genau 20 Jahre alt und das ausgereifte Projekt mit einem besonderen Konzept seit 2002 bundesweit wohl einmalig, wenngleich der Ursprungsgedanke – weitaus älter – vielleicht sogar von einem Klein-Krotzenburger Pfarrer stammt: Tage der Orientierung (TdO) als Angebot der Kreuzburgschule Hainburg.

Beim 50-Jahr-Fest der Schule im August ist denn auch ein TdO-Fest geplant. . Zurück zu den Wurzeln: Viele Jahre lagen die, gesetzlich immer noch verankerten, „Schulendtage“ brach. Abschlussschüler verbrachten ein gemeinsames Wochenende am Ende ihrer Schulzeit, um über das weitere Leben nachzudenken. Im Fachbereich Religion der Kreuzburgschule (KBS) überlegten Neu-Lehrerin Pascale Braun (damals noch Graeber) und der seit 1983 unterrichtende Bernhard Koch gemeinsam mit Schülern, Eltern und Schulleitung, wie ein neues Angebot geschaffen werden kann, um mit Jugendlichen länger als in den Fünf-Minuten-Pausen im Gespräch zu bleiben.

Die „Tage der Orientierung“ im diözesaneigenen Jugendwerk Brebbia am Lago Maggiore wurden ins Leben gerufen. Weit weg, aber das hatte pädagogische Gründe. Und es war gut so. Eine ganze Woche lang mit mehr als 80 Stunden Angebot statt eines Wochenendes mit zehn Stunden. 80 Interessenten gab es 2002 bei der Premiere, 39 Schüler konnten mitfahren, für mehr war kein Platz. Zwei Lehrer, 39 Schüler und jede Menge Gespräche – über Familie, Schule, Berufsaussichten und allgemeine Probleme. Zeit, die vorliegenden Ideen in ein passendes Konzept umzuwandeln. Die verantwortlichen Lehrer, Studenten, Eltern und Schüler arbeiten auf Augenhöhe, unterstützt von der evangelischen Kollegin, einer Sozialarbeiterin und Iris Reiß, der Leiterin der Katholischen Jugendzentrale Offenbach-Land in Klein-Welzheim.

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Das Konzept, das zunächst erprobt und seit 2006 fest installiert ist, sieht vor, dass es immer eine gewisse Zahl Teilnehmer gibt, die zum ersten Mal in Brebbia dabei sind, weitere Schüler, die schon mal dabei waren, Ehemalige und Studenten als Teamer –die meist auch Urlaubstage opfern – sowie Lehrer und möglichst auch neue Lehrkräfte, die in das Projekt hineinschnuppern. Sehr zur Freude der TdOler war auch Rektor Eckhard Finger schon einige Male in Brebbia dabei. Er unterstützt die pädagogische Arbeit ebenso wie die Pfarrer der Gemeinden im Ostkreis. Durch deren Zuschüsse sowie Gelder vom Bistum Mainz, Aktionen wie Hainburger Markt, des Vereins Main-Rad-Spaß, Frühlingsfest von „Hainburg lebt“, Unterstützung durch Fraport, die Flughafen-Stiftung Pro Region sowie den Schulförderverein und vieler privater Menschen, war die Finanzierung des Angebotes bislang möglich, auch für sozial schwache Familien.

Pascale Braun: „Unser zentrales Anliegen ist es, Jugendliche in ihrem Leben in Familien Kraft und Hoffnung zu geben. Dank großartiger Unterstützung können wir auch Jugendliche mitnehmen, die eine solche Fahrt sonst nicht bezahlen könnten.“ Doch gerade hier fällt den Verantwortlichen immer wieder auf, dass viele Familien und Alleinerziehende selbst den reduzierten Betrag nicht oder nicht vollständig aufbringen können. Auch deshalb kann das TdO-Angebot seit zwei Jahren nur noch einmal pro Jahr stattfinden, wenngleich die Nachfragen größer sind. „Die Anfragen in den ersten Jahren waren so groß, dass es TdO im Frühjahr und im Herbst gab, und dennoch viele Schüler auf der Warteliste landeten“, berichtet Urgestein Bernhard Koch, der gemeinsam mit seinen Kolleginnen Pascale Braun und Marion Meyer-Bauer Jahr für Jahr Verantwortung trägt und auf bislang weit mehr als 1 000 jugendliche Teilnehmer aus dem ganzen Ostkreis samt Klein-Auheim und Steinheim verweisen kann.

Klassenfahrten der Schule ins Jugendwerk Brebbia gab es bereits seit 1990 mit insgesamt rund 500 Teilnehmern. Auch der Seligenstädter Verein „Lichtblick“ und die Gemeinde St. Marien gehören zu den Gruppen, die Brebbia buchen. Darüber hinaus bietet das Dekanat Seligenstadt alle zwei Jahre Familienfreizeiten im Bungalowdorf direkt am Lago Maggiore an. Jugendliche wie Erwachsene darauf angesprochen, dass sie „Brebbia“ erklären sollen, antworten meist mit dem gleichen Satz: „Das kann man nicht in Worte fassen, man muss es erlebt, den Brebbia-Geist gespürt haben.“

Vom besonderen „Gemeinschaftsgeist“ berichten Jugendliche immer wieder daheim, und die Verantwortlichen freuen sich Fahrt für Fahrt auf die Rückmeldungen von Eltern, die nicht selten „unter die Haut gehen“. Eines von vielen Beispielen einer Mutter: „Seit Jahren begleiten sie meinen Sohn durch seine Schulzeit wie vorher auch meine Tochter. Sie haben den Kindern so viel Positives mitgegeben, hatten immer ein offenes Ohr, hatten immer Zeit. Sie haben nicht nur den Kindern den Weg gezeigt, ich habe auch viel davon profitiert. Meine Tochter erzählt heute noch, wie sehr sie ihre Gefühle ohne Worte sofort deuten konnten, in schweren Zeiten geholfen haben, auch mal nur durch Zuhören.“

Bilder: Ferienspiele haben begonnen

Nicht nur über solche Erinnerungen wollen die Brebbianer sprechen beim großen TdO-Fest am Donnerstag, 23. August, ab 18 Uhr auf der Schulwiese im Zuge des 50-Jahr-Festes der Kreuzburgschule, bei dem auch die „Weltfairänderer“ zu Gast sind. Die Hoffnung ist groß, dass das Projekt nicht stirbt. Info: tdo@foto-beko.de (zmb)

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